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Babys in Hamburg voll im Trend – Verbesserungen und Kritik bei der Geburtshilfe

AlbertinenKrankenhaus_Kreisssaal

So sieht heute ein moderner Kreißsaal aus. Hier im Albertinen-Krankenhaus Hamburg. Foto: Albertinen / Steven Haberland

Hamburg. Nicht nur für die Eltern gab es zuletzt ein paar positive Nachrichten – auch für künftige Rentner- und Steuerzahlergenerationen. Die Hamburger machen wieder mehr Babys und man verzeichnet starke Zuwächse bei den Geburten. Ist dies dem Zuzug nach Hamburg geschuldet und nur ein vorübergehender Trend? Liegt es an der Scholzschen’ Wahlzusage für garantierte Kitaplätze? Die tolle Nachricht platzte jedenfalls ins Hamburger Sommerloch – erstaunlich sind die Mehrgeburten schon, zumal zuletzt bekannt wurde, dass in der Bundesrepublik noch nie weniger Kinder geboren wurden als 2011. Ist das jetzt eine Trendwende und was hat sich bei der Geburtshilfe getan. Eine Bestandsaufnahme.

Die Geburtenzahl in Hamburg ist im ersten Halbjahr 2012 angestiegen, teilt die Gesundheitsbehörde mit. Bei 10.014 Geburten kamen in den Hamburger Geburtskliniken und dem Geburtshaus insgesamt 10.297 Kinder zur Welt. Damit wurde der Wert der ersten sechs Monate des Vorjahres deutlich überschritten (9.834 Kinder bei 9.616 Geburten). Die Behörde für Gesundheit und Verbraucherschutz sieht neben der allgemeinen Attraktivität und Anziehung der Stadt für Familien den Grund für die steigenden Geburtenzahlen darin, dass die Hamburger Geburtskliniken mit ihren neonatologischen Abteilungen eine herausragende Versorgung, auch für Früh- und Neugeborene, bieten. Diese besonderen Angebote der Hamburger Kliniken ziehen auch werdende Mütter aus dem Umland an.

Die höchsten Kinderzahlen verzeichneten im ersten Halbjahr 2012 das Kath. Marienkrankenhaus (1.306 Kinder), die Asklepios Klinik Barmbek (1.295), das Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (1.290) sowie die Asklepios Klinik Altona (1.227). Die höchsten Steigerungen bei der Geburtenzahl meldeten die Asklepios Klinik Nord (Heidberg), das Albertinen-Krankenhaus und das Kath. Marienkrankenhaus. Bereinigt man die Geburtenzahlen in den Krankenhäusern um den Anstieg der Geburten insgesamt (nicht absolute Zahlen), dann stellt man bei einigen Einrichtungen prozentuale Rückgänge fest. Sind die Kunden wählerischer geworden? Genau wie beim Geburtshaus in Ottensen freut man sich im Albertinen-Krankenhaus in Hamburg-Schnelsen über starke Wachstumsraten. Etwa 15% mehr Geburten verzeichnet man in dem diakonisch geführten Haus im direkten Vergleich zum ersten Halbjahr in 2011.

Krankenhäuser lernen von Geburtshäusern

Ein Teil des Zuwachses im Albertinen-Krankenhaus lässt sich durch eine Umbauphase in dem ortsnächsten Klinikum Pinneberg begründen. Der Löwenanteil scheint jedoch der Investition in eine bessere Umgebung und besseren Service für die Eltern geschuldet zu sein. Die Kreißsäle wurden erst vor wenigen Monaten von der Künstlerin Anja Grasmück gestaltet und behandeln die Themen „Aroma, „Wasser“, „Wärme“ und „Bewegung“. Angenehme Assoziationen sollen so geweckt werden, die zur Entspannung beitragen. Zudem wartet ein Elternzentrum mit zahlreichen Angeboten für die Zeit vor und nach der Geburt auf, Beleghebammen gehören zum Angebot und es gibt auch für Väter eine „Männerrunde“, in der unter Leitung eines Geburtshelfers spezifische Themen und Fragen erörtert werden, die werdende Väter bewegen. Damit das Wohlfühl-Package auch rund ist, führt das Krankenhaus in einer Pressemitteilung auch “spezielle Baby-Parkplätze” direkt vor dem Haupteingang der Klinik für den Tag der Entbindung in der Liste der Vorzüge auf. Eine Geburt ist schließlich kein Spaziergang und umso wichtiger gilt der Wohlfühleffekt. Man wird bei der Betrachtung den Eindruck nicht los, dass sich die Kliniken eine Menge bei den überaus erfolgreichen und beliebten Geburtshäusern abgeschaut haben. Eines der ersten seiner Art in Deutschland, das Geburtshaus Hamburg, feiert in diesem Jahr Jubiläum. Doch in einem wichtigen Punkt unterschiedenen sich bisweilen Geburtshäuser und Kliniken.

Vortragsveranstaltung_UKE

Wie hier im UKE in Hamburg bieten nahezu alle Kliniken Infoveranstaltungen für werdende Eltern an.

Kaiserschnittraten haben sich mehr als verdoppelt: Bündnis gefordert

Bei den regelmäßigen, von Krankenhäusern angebotenen Aufklärungsveranstaltungen für werdende Eltern steht eine zentrale Frage immer wieder im Raum: Die Teilnehmer wollen wissen, wie hoch die “Kaiserschnittrate” in der jeweiligen Einrichtung sei. Hier und da forsche Reaktionen von Medizinern bei der Frage. Andere versuchen bei diesem sensiblen Thema mit viel Fingerspitzengefühl zu erklären. Dr. Uwe Herwig, leitender Arzt im Geburtszentrum des Albertinen-Krankenhauses betont: “Wir möchten den werdenden Müttern und Vätern mit all unserer Erfahrung und Zuwendung zur Seite stehen, um eine angenehme, sanfte und möglichst natürliche Geburt zu ermöglichen.“ Bei einer Vorstellung für werdende Eltern erläutert ein anderer Arzt, die Kaiserschnittrate läge gerade im Albertinen-Krankenhaus besonders niedrig.

Die Kritik an dem Thema erklärt der Arbeitskreis Frauengesundheit (AKF). In einer auch von mehreren Krankenkassen unterstützten und im Sommer gestarteten “Kampagne zur Senkung der Kaiserschnittrate in Deutschland” appellieren die Initiatoren an das Gesundheitswesen. “In Deutschland sind im Jahr 2010 31,9 % der Kinder durch einen Kaiserschnitt zur Welt gekommen. Regionale Schwankungen liegen zwischen 15 % und 36,6 % und sind medizinisch nicht erklärbar. 1991 lag die Rate noch unter 15 %”, warnt der AKF. Diese Entwicklung sei auch weltweit zu beobachten. An der Spitze stünde China mit 46 %. Unzweifelhaft sei der Kaiserschnitt eine lebensrettende Option, doch was in Notfallsituationen wertvoll ist, dürfe nicht zur Routine werden, sonst verkehren sich Vorteile in Nachteile und ein rettender Eingriff wird zur riskanten Operation. Die Initiative listet eine Vielzahl von Schwierigkeiten bei Kaiserschnittgeburten auf und reklamiert auch betriebswirtschaftliche Gründe für die hohe Zahl der Kaiserschnitte. “Aus betriebswirtschaftlicher Sicht besteht kein Anreiz, Vaginalgeburten zu fördern und Kaiserschnitte zu vermeiden. Die Kliniken müssen eine teure Infrastruktur für die Geburtshilfe vorhalten. Die Vergütung für die Betreuung einer normalen Geburt reicht nicht aus, um die Kosten auszugleichen”, so der Vorwurf. Eine Nachfrage unserer Redaktion bei der Techniker Krankenkassen bestätigt, was auf der Hand liegt. Während die Kosten für eine stationäre Spontangeburt durchschnittlich bei 1.521 Euro liegen, kostet der Kaiserschnitt in der Abrechnung durchschnittlich 2.961 Euro (Daten aus Dez 2011), berichtet TK-Sprecherin Nicole Ramke. Die Barmer/GEK verkündete unlängst, die Kaiserschnitt-Kampagne zu unterstützen. “Zu viele Kaiserschnitte sind strukturell, organisatorisch oder ökonomisch statt medizinisch begründet. Die Häufigkeit, mit der derzeitig Kaiserschnitte durchgeführt werden, ist aus Sicht der WHO und anderer Fachleute medizinisch und ethisch nicht gerechtfertigt”, so der AKF.

Kurz-URL: http://www.altona.info/?p=53459

geschrieben von am 14 Aug 2012. abgelegt unter Allgemeines, Familie und Kinder, Gesundheit, Meldungen, News & Meldungen, Politik Wirtschaft Gesellschaft. Antworten verfolgen RSS 2.0. Zum Ende gehen und eine Reaktion schreiben.

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