Tue Gutes oder besser: Tue wenigstens so
Glosse.
Nienstedten. „Ladies Lunch“ nennt sich die Veranstaltung zu der Liz Mohn, einflussreichste Person im Bertelsmann-Konzern und Gründerin der Stiftung Schlaganfall-Hilfe, alljährlich hochkarätige Damen aus ganz Deutschland in hübsches Ambiente einläd, um Gutes zu tun. Denn Gutes tun ist ja so einfach.
Also meine Damen, fangen wir an, etwas Gutes zu tun: Werfen wir uns nach dem morgendlichen Beauty-Programm ordentlich in Schale. Lieber das schicke Gucci-Kleid oder das von Donna Karan? Lassen wir uns die Haare stylen und das Make-up auflegen. Am besten von Udo Walz höchstpersönlich. Und lassen wir dann ganz bequem in unserer Limo in den Hamburger Elbvorort Nienstedten kutschieren. Hach, wie nett ein Sekt… ähh Verzeihung, Champagnerempfang. Noch einmal hier und dort in die Kameras der Fotografen lächeln, dann hinein zu den anderen Damen. Küsschen links, Küsschen rechts. Hübsches Kleid. Oh, danke. Deins auch. Nach der Begrüßung dann der Lunch. Mmmh, lecker diese 200 Euro pro Person in Form von Salpicon vom Antlantik-Hummer und Holsteiner Kalbsfilet. Der Sterne-Koch kann ja offenbar auch etwas Gutes tun, hihi. Als nächstes die Verlosung des Tombola-Hauptgewinns: eine Bulgari-Handtasche. Wow! Wer wohl die Glückliche sein wird? Aaaah, die Münchner Mode-Unternehmerin Annette Roeckl, wie passend. Herzlichen Glückwunsch! So eine fehlt ihr doch bestimmt noch in ihrem Sortiment. Jetzt noch den Möchte-gern-Nachwuchs von Heidi beklatschen und dann beim Exklusiv-Shopping durch die Reihen stöbern. Gutes tun ist ja so einfach.
Aber Moment mal, wem denn jetzt eigentlich? Na, die Antwort ist doch wohl offensichtlich: Den jährlich 237.000 Schlaganfallpatienten in Deutschland natürlich! Denn schließlich ist das ungemein stolze Sümmchen von 30.000 EUR beim „Ladies Lunch“ zusammengesammelt worden – das macht bei 60 Damen immerhin 500 EUR pro Nase oder anders gesagt: ein paar Schuhe weniger diese Woche, dafür aber ein schmackhaftes Mittagessen, nette Unterhaltung und jede Menge Aufmerksamkeit.
Bravo Ladies, da habt ihr euch ja wirklich mal etwas Gutes getan!
Zum Abschluss noch eine kleine Milchmädchenrechnung: Saalmiete, Sektempfang, Lunch für 60 Damen, Tombola-Preise, Moderation und Modenschau, Organisation und PR-Arbeit – Hätte man sich das ganze Drum und Dran gespart und zur Abwechslung einmal keine scheinheilige Benefizveranstaltung erfunden, sondern einfach das dafür ver(sch)wendete Geld schlicht zu der Spendensumme hinzu addiert, dann wäre das eventuell mal eine Nachricht wert gewesen.
Kurz-URL: http://www.altona.info/?p=54231









Wunderbarer Artikel!
Nicht nur unterhaltsam sondern auch ein Spiegel unserer Gesellschaft, in der die staatliche Daseinsfürsorge zunehmend an Mr. und Mrs. Charity abgegeben wird.
Sehr witzig.
Lustig ist es ja besonders, das der “wenig latente” Sexismus von einer Frau kommt….. PC kann manchmal Spass machen, muss aber nicht.
Die Autorin war wohl nicht eingeladen!? – Hätte sie mal gelernt ordentlich zu recherchieren. Dann hätte sie erfahren, dass weder eine Saalmiete, noch Moderations- oder andere Honorare bezahlt wurden. Sogar der Champagner wurde von Hersteller kostenfrei zur Verfügung gestellt. – So läuft das bei Charity-Veranstaltungen!!! Aber die kennt die Autorin ja nicht aus persönlichem Erleben…
Erst den Sozialstaat kaputtmachen und das Gesundheitssystem ruinieren, dann wohltätig dinieren.
Charity Sucks.
Eine gestiftete Saalmiete, erlassene Honorare und der “sogar vom Hersteller kostenfrei zur Verfügung gestellte Champagner” kam aber doch auch wieder nur den Damen und nicht den Schlaganfallpatienten zu Gute!
SO läuft das bei Charity-Veranstaltungen!!!
Und der Autorin mag man nur wünschen, dass sie sich ihre kritische Distanz bewahrt und sich nicht durch (eventuelle) Einladungen zu solchen aufgebauschten Events einlullen lässt, so wie es andere wohl tun…
für die spenden gibt es dann wohl auch noch eine quittung, die kann man dann noch steuerlich geltend machen, so zahlt dann der staat auch noch einiges von den 30.000 euro mit.
Naja, begrenzt unterhalsam, und einen Skandal sehe ich auch nicht. Wenn so eine Veranstaltung die einzige Möglichkeit ist, Geld einzusammeln, dann ist das nur schwerlich ein Problem der Mohn.
Noch dazu ist der (wenig latente) Sexismus in dieser Glosse ziemlich unerträglich.
Sexistisch ist diese Veranstaltung mit den genannten Programmpunkten ja schon in sich…