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Bild: NDR/PIER 53 Filmproduktion/Hauke Wendler

Hamburg. Die ARD zeigt den mehrfach ausgezeichneten Dokumentarfilm “Tod nach Abschiebung – Wadim”. Der Film von Hauke Wendler und Carsten Rau dokumentiert das Leben des Hamburgers Wadim K.,  der in Deutschland und Hamburg aufgewachsen, zur Schule, zum Sport und in die Ministrantengruppe gegangen ist. Er sprach nicht nur die Sprache. Er hatte deutsche Freunde, fühlte sich als Deutscher, bekam jedoch keinen deutschen Pass, weil mit seiner Familie 1992 als Flüchtling nach Hamburg kam.

Mit dem Zusammenbruch der Sowjetunion fühlten sich Wadims russischstämmige Eltern in Lettland nicht mehr sicher. Doch in Deutschland wurde ihr Asylantrag abgelehnt. Es folgten 13 Jahre in Deutschland zwischen Duldungen, Sammelunterkünften und Arbeitsverbot. Die Eltern sind unter dem Druck zusammengebrochen, erkrankten an Depressionen und Psychosen. Die Kinder waren mehr und mehr auf sich gestellt. 2005 versuchte die Hamburger Ausländerbehörde, die Familie abzuschieben. Der nächtliche Einsatz endete im Desaster: Die Mutter schnitt sich die Pulsadern auf, der Vater kam in Haft. Wadim wurde im Alter von 18 Jahren allein nach Lettland abgeschoben – in ein Land, an das er sich kaum erinnern konnte. Fünf Jahre kämpfte er um eine neue Existenz: Erst in Riga, später irrte er durch Frankreich, Belgien und die Schweiz, wurde erneut nach Lettland deportiert. Bei seinem letzten, illegalen Besuch in Hamburg, im Januar 2010, nahm Wadim sich das Leben. Er wurde 23 Jahre alt.

Der kürzlich von der Otto-Brenner-Stiftung für kritischen Journalismus ausgezeichnete Dokumentarfilm setzt das Mosaik eines kurzen Lebens zusammen. Es steht für knapp 90.000 andere Menschen, die mit einer Duldung in Deutschland leben. Der Film zeigt eindringlich, wie Menschen kämpfen müssen, um in diesem Land einen Platz für sich zu finden. Der Film arbeitet nach Auffassung der Juroren erstklassig auf, wie Wadim, ein junger, aus Lettland stammender Asylbewerber, in den Selbstmord getrieben wurde. Die Dokumentation zeichne eine außergewöhnliche Bildsprache aus: Aufnahmen, die nach Einschätzung der Jury keinen Kommentar, keinen Betroffenheitskitsch brauchen. „Deren Präzision und nüchterne Schönheit“ überzeugten die Jury, weil sie alles über misslungene Ausländerpolitik sagen. „Der Countdown zu einer tödlichen Tragödie“, so die Jury weiter, „packt den Zuschauer genauso wie die intensiven Aussagen der Beteiligten“.

Ein halbes Jahr lang begleiteten die Autoren Wadims Eltern, die in teils beklemmender Offenheit von Hoffnungen, Träumen und ihrem Scheitern berichteten. Dabei hinterfragt der Dokumentarfilm auch das starre Gerüst von Aufenthaltsrecht und Bürokratie insgesamt, in dem der Einzelne nichts zählt, so eine Programmankündigung. Es ginge auch um die hochaktuelle Integrationsdebatte in Deutschland: Wo gehört ein Mensch hin? Was ist Heimat? Und darf man sie jemandem per Gesetz wegnehmen?

ARD, Mittwoch, 9. Januar 2013, 22:45 Uhr

Nachtrag v. 10.01. Beitrag steht jetzt auch in der ARD-Mediathek.

2 KOMMENTARE / LESERBRIEFE

  1. Es ist einfach grausam, dass so etwas in Deutschland möglich ist.
    Die Familie hat gar nicht verbrochen um sie abzuschieben, im Gegenteil sie haben sich angepasst.
    Die Familie ist vor einem grausamen Krieg zwischen Kommunisten und Letten geflüchtet und haben Deutschland als eine neue Chance wahrgenommen in Frieden hier zu leben, aber leider auch hier mussten sie immer mit Angst leben abgeschoben zu werden.
    Der Junge war clever und schlau er ging aufs Gymnasium später wurde er in die Hautpschule eingewiesen, wahrscheinlich weil die Leute wussten,dass er ein Asylant ist und haben ihm nicht die Chance gegeben das Abitur zu erreichen,denn er hätte es locker geschafft, stattdessen schickte man ihn ja in die Hauptchule ,er hat sogar in Lettland trotz schlechter Sprachkenntnisse gearbeitet und hätte in 3 Monaten seinen Realabschluss in Deutschland gehabt hätte man ihm das ermöglicht ,dann wäre er nicht so verloren in Lettland,stattdessen wurde er ja abgeschoben .
    Er ist st dreimal zurückgekommen und da ist es echt kein Wunder, dass es der Familie psychische schlecht ging und dann hat sich der Junge Wadim das Leben genommen mit gerade nur 23 Jahre, wie der BRD Staat so eine vernünftige Familie ruinieren konnten einfach unglaublich.
    Der Staat muss dafür sorgen, dass man neue schafft Gesetze zb
    statt eine länger fristige Duldung, sofort entscheiden darf er hier bleiben oder nicht und mit Arbeitserlaubniss bitte,denn der Vater der Familie hatte nichtmal eine Arbeitserlaubniss und ist trotzalldem ehrenamtlich arbeiten gegangen echt bitter und und wenn man abschiebt, dann mit der ganzen Familie, damit der Junge nicht alleine auf sich gestellt ist in einem fremden Land ohne Sprachkenntnisse ohne vernünftigen Abschluss.
    Und wen enn man abschiebt, dann nur kriminelle Ausländer und mit der ganzen Familie, damit der Junge nicht alleine auf sich allein gestellt ist in einem fremden Land ohne Sprachkenntnisse ohne vernünftigen Abschluss.
    Jeden Tag müsen so Asylanten in Angst leben abgeschoben zu werden,aber manchmal ist es auch rechtens,denn nicht alle passen sich so gut an in Deutschland zb Moslems die bauen sich eine Parallelgesellschaft auf vielleicht,weil sie end keine Arbeitserlaubnisshaben, aber einige von denen sind schon seit 1950 hier und können immer noch kein gutes Deutsch im gegensatz zu Osteropäichen Asylanten die sind mir sehr wohlgesonnen und ebenso werden heimatvertriebene Deutche wie Dreck behandelt die aus Osteuropa hierher gekomme sind ,denn auf meiner ehemaligen Schule hat man solche Leute abgestempelt als Russenschwein betitelt oder du heimatloser Aussiedler, ja und wie etwa pack deine Koffer ein und geh wieder zurück nach Russland ja so waren einige Dörfler und kleinkarrierte Kleinstädter auf meiner ehemaligen Gesamtschule drauf ich habe mich immer für diese Leute eingesetzts.
    Es muss aufhören deutsche Aussiedler und Osteuropäische Menschen schlecht zu behandeln,denn sie sind sowas von fleissig, als manch ein Deutscher ,dass sah man auch bei der Wadims Familie.
    Die Kirche ist leider meistens nie zum richtigen moment da um zu helfen leider hat es Wadim eben nicht geholfen und ebendso wie der Rechtsanwalt der Familie leider nicht helfen konnte.
    Ich wünsche der Familie viel Kraft und das Sie es irgendwie schaffen den Verlust des Sohnes zu verarbeiten und ja ich fordere eine Entschädigung für die Familie, auch wenn es den Verlust des Sohnes niemals wiedergutmacht.

  2. dem bruder,seinen eltern möchte ich schreiben – ich schäme mich,daß ich so wenig über die deutsche demokratie gelernt habe und ich nichts von wadim film wußte,da ich keinen fernseher besitzen möchte. als mutter von fünf kindern emfinde ich trauer und wünsche mir mehr öffentlichkeit . besonders die kirche müßte sich in gesamt deutschland dafür eingesetzt haben. vielleicht habe ich es aber auch nicht bemerkt daß sich menschen für wadims leben eingesetzt haben. dieses kind ist mit allen hindernissen vertrauensvoll großgezogen worden und dieses vertrauen ist hat man ihm genommen. ich leide mit ihrer kleinen familie und wünsche mir sehr,daß der bruder von wadim trotz allem stark im leben wird damit wadim erfreut schauen kann. in liebe elfriede crass ! ps. ich habe auch einen sohn in hamburg. er hat ein musikstudium hinter sich und leitet ein paar chöre. er möchte einen jungen chor gründen. villeicht begegnen sie sich auf diesem wege!?

    ich hoffe mein brief wird gefunden

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