Park_MitteAltonaHamburg / Altona. Die Deutsche Bahn AG führt betriebseigene Untersuchungen zur Verlegung oder Nicht-Verlegung des Altonaer Bahnhofs durch. Seit einiger Zeit sind auch die städtischen Planer etwas vorsichtiger in ihren Unterlagen. Es wird nicht mehr gesichert von einem Umzug der Bahn gesprochen. Seit Sommer 2012 gibt es nicht einmal eine schriftliche Vereinbarung zwischen Stadt Hamburg und Bahn AG. Trotzdem äußerte sich der Erste Bürgermeister, Olaf Scholz, zum Jahreswechsel zuversichtlich über die Planungen zur Mitte Altona: „Jedenfalls haben die jetzt Entscheidungen getroffen, die dafür sprechen, dass es bald klappt”, sagte Scholz zu NDR 90,3.

Weiß der Bürgermeister mehr? Leider nicht. Auf unsere Anfrage  heißt es aus der Senatskanzlei zu den angesprochenen „Entscheidungen“: “Gemeint ist keine konkrete Einzelentscheidung des Unternehmens sondern eher das generelle Bekenntnis der Bahn zum Projekt als solchem”, so Senatssprecher Christoph Holstein. Doch auch bei der DB AG gibt es nach wie vor nichts Handfestes. Seit einiger Zeit kursieren Berichte über angebliche Gutachten. Eine Anfrage von ALTONA.INFO bei der DB AG klärte jetzt auf: Es gibt weder einen Zeitplan für einen Beschluss des Bahnvorstands noch spricht die DB AG von einem “Gutachten”. Es seien “Untersuchungen”, die DB intern von einer Tochtergesellschaft des Konzerns durchgeführt werden. Damit das auch nach Außen gut klingt, hat man den konzerninternen Arbeitsaufwand mit 13 Mio Euro angegeben. “Es erfolgt eine Beauftragung der DB Projektbau mit der Untersuchung”, berichtet Bahn-Sprecher Egbert Meyer-Lovis. “Es handelt sich um eine Untersuchung und um kein Gutachten. Diese Untersuchungen laufen bis Ende 2013.“ Der Zweck der Beauftragung ist: “Untersuchung der beiden Varianten Verlagerung des Fernbahnhofs Altona an den Standort Diebsteich („Verlagerung“) und Ertüchtigung des derzeitigen Zustandes („Weiterführung“)”. Im Rahmen dieser Planungen würden Verlagerung und Weiterführung “gleichberechtigt” untersucht, um für beide Varianten eine höhere Planungssicherheit und damit eine belastbare Entscheidungsgrundlage zu erhalten. Erst mit dem Ergebnis der vertieften Planung kann eine endgültige Entscheidung über das Infrastrukturprojekt getroffen werden, so die Bahn AG gegenüber ALTONA.INFO.

‘Blühende Landschaften’ versprochen – Planungen obsolet?

Weshalb diese “Untersuchungen” nicht eigentlich schon längst vor Beginn der Planungen zu ‘Mitte Altona’ durchgeführt wurden, ist nicht klar. Seit 2005 gibt es das Projekt „Mitte Altona„. Angeblich auf Anregung durch die Deutsche Bahn AG selbst. In der Jury des städtebaulichen Wettbewerbes saßen später auch Vertreter der Bahn. Der Eindruck täuscht, auch wenn es neuerdings immer wieder “Neue Mitte Altona” heißt. In zwei Jahren sind die Pläne dazu zehn Jahre alt und immernoch ist für Beteiligte sehr unklar, womit gerechnet werden kann. Es droht die Gefahr, dass das Ergebnis des städtebaulichen Wettbewerbs und viele darauf aufbauende Planungen und Entscheidungen noch vor Baubeginn obsolet sind. Ist die „Neue“ Mitte Altona schon vor Beginn „alt“ und ein Sanierungsfall? Ausschlaggebend für den städtebaulichen Wettbewerb und die Verleihung des Preises an den Architekten André Poitiers war für die Jury damals nicht nur die umfangreiche Wohnbebauung (Anteil über 90%), sondern auch die offene Einbeziehung der umliegenden Stadtteile. Zentrales Gestaltungsmotiv waren die neuen öffentlichen Grünanlagen. Bei einer Gesamtfläche von knapp über 28ha sollten 8-10ha Erholungsflächen für die Wohnbevölkerung, auch aus den umliegenden Stadtteilen, entstehen.

Am kommenden Wochenende will die Stadt diese Grünflächen mit Bürgerinnen und Bürgern diskutieren (siehe Plakatfoto). Doch welche Motivation können die Beteiligten dabei haben, wissentlich, dass das schicke Grün nur kommt, wenn die Bahn geht? Nicht nur diese ‚blühenden Landschaften‘ geben Anlass zu Sorge. Die Anbindung von Altona-Altstadt oder Altona-Nord an die Stadtteile Ottensen und Bahrenfeld sollte gewährleistet werden. Zieht die Bahn nicht um, gibt es nicht nur dieses Strukturproblem. Der “vorgezogene” Bauabschnitt, der ohne einen “nachgezogenen” sprachlich nicht existiert, hätte als Stand-Alone-Projekt wesentlich größere Ausgleichsflächen verdient, zumal er vor einem gewaltigen Lärmemissionsproblem steht.

Was meinen Sie wird aus dem Altonaer (Fern-)Bahnhof ?

Ergebnis

Die ‚Mitte Altona‚ wurde als ein Stück konzipiert und auch der Name „Mitte“ stand für eine klare Einordnung. Zieht die Bahn AG nicht um, werden eine Reihe von Ausschreibungskriterien unterwandert. Ergebnisse der Planungen stehen in einem diametralen Gegensatz zu der heutigen Nicht-Entscheidung der Bahn AG. Erst im Herbst beschloss die Bürgerschaft den Masterplan. In der Bezirksverwaltung Altona kursierte bereits der Einleitungsbeschluss für einen Bebauungsplan. Strukturpolitische Entscheidungen für dieses „Jahrhundertprojekt“ basieren bislang auf einer zentralen Hypothese.

Wie auch immer das Verfahren ausgeht: Die Deutsche Bahn AG sorgt durch ihre unsensible Planungsart nicht nur für Frustration, sondern steuert zusammen mit der Stadt auf Planungskonflikte zu. Mehrkommunikation und spätere, als die im Zeitplan befindliche Aufarbeitung, führt zu unnötigen Kosten. All dies erhöht am Ende leider auch die Wahrscheinlichkeit, dass nicht ordentlich geplant werden kann oder gar dringend benötigter, günstiger Wohnraum, entsteht.


KOMMENTAR

Dass die FHH nach Wohnraum lechzt, ist nicht nur vielen Bürgerinnen und Bürgerinnen bekannt. Der Senat hat sich durch massiven Druck bei “Mitte Altona” erpressbar gemacht und sollte dem Projekt bis zur Entscheidung der DB AG etwas Wind aus den Segeln nehmen. Es gibt keinen einzigen validen Vertrag zwischen der FHH und der DB AG. Sämtliche ursprünglich in der “Eckpunktevereinbarung” geregelten Dinge, sind ungeklärt. Über die Wechselwirkungen von Unklarheiten vor Baubeginn liest man in letzter Zeit wieder mehr und so etwas will wirklich niemand in Altona erleben.

Die Tatsache, dass die Bahn AG erst Ende 2013 (oder später), einen Vorstandsbeschluss zur Verlegung des Bahnhofs plant und nicht wie ursprünglich verabredet im April/Mai 2010 fasste, lässt Ungutes vermuten. Die DB Projektbau, bislang durch milliardenschwere Infrastrukturprojekte, wie Tunnelbau oder Stuttgart 21 in Erscheinung getreten, wird mit ihrer „Untersuchung“ zur Bahnhofsverlegung ein pikantes Menü servieren. Darin könnten die Kosten für den Bahnhofsumzug so hoch betrachtet werden, dass nur mit sehr viel mehr (Steuer-)geld und Zugeständnissen in anderen FHH-DB-Angelegenheiten, ein Umzug attraktiv wird. Und da es sich nur um eine interne Untersuchung und keinesfalls um ein zertifiziertes Gutachten handelt, wird man den Daten schwerlich Glauben schenken können. Noch spricht auch niemand in Altona über Gestaltungspläne zum neuen Altonaer Bahnhof. Auch in dieser Angelegenheit sind Zeitpläne für angebliche Entwürfe durchbrochen worden.

Jetzt muss endlich ‘Butter bei die Fische!’ Bevor das Kind endgültig in den Brunnen fällt und es keinen bzw. nur einen mickrigen Altonaer Low-Budget-Fernbahnhof gibt, sollten Olaf Scholz und Rüdiger Grube mal ganz dringend miteinander telefonieren.

7 KOMMENTARE / LESERBRIEFE

  1. Ja Jana…da kanste echt mal was lernen.

    Alles was „Die Bahn“ an „Schienen verlegt“, wird vom Bund bezahlt.
    Dazu gehören auch „Neue Bahnhöfe“, sogar wenn die alten vollkommen ausreichen.

    Das war der Deal bei der „Privatisierung“…

    Dein zweites Argument sticht noch weniger…“Die Bahn“ ist ein Staat im Staate und kann sich, wie jeder Kunde bestätigen kann, so ziemlich alles herausnehmen….von den üppigen Sälären des Managements mal ganz zu schweigen.

    Beim nicht legitimen Verkauf der Aurelis wurden Immobilien zum Schätzwert von ca. 4 Milliarden Euro verkauft, am Ende und nach Abzug von Bankprovisionen kamen ungefähr 600 Millionen heraus,
    ein wirklich tolles Geschäft.
    Leider ist auch dieser klägliche Rest nicht in der Staatskasse gelandet sondern irgendwo in den Ganglien der DB Station und Service verschwunden….

    Das der Staat sich selber ausraubt…noch nie was von LBK gehört?
    Oder vom verkauften Rathaus das nun teuer zurückgemietet wird?

    Zur Trassenmiete….dein Sulz tut gar nichts zur Sache, denn die Investoren wollen und müssen JETZT in die Puschen kommen.
    Wie lange der Vartrag läuft ist Jacke, die DB Netz kann NICHT nach Gusto entscheiden wer wann die Schienen nutzen darf…auch wenn ihr das gerne so hättet…

    „Die Frage ist ob sie das will. Wenn die DB mit dem Projekt – wie von Sozrom behauptet – so einen riesigen Reibach machen koennte: Warum laesst sie sich dann soviel Zeit? Es ist die DB die verzoegert, weil sie eben ein Moloch mit langen und komplexen Entscheidungsstrukturen ist. Leider.“

    Also der Aurelis Deal ging so schnell das die Parlamentarier nur noch mit den Augen rollen konnten…langsam sind nur die Züge, bei Bezügen geht das Ratzefatze.
    Oder wenn man mal wieder ein britisches Unternehmen für ein paar Milliarden kauft, obwohl man doch angeblich Verluste…..

    In Altona keucht rein gar nichts, das ist Bahnfahren so wie es sein soll, stressfrei….nur muss man nun zum HBF, um zb.nach Kiel zu kommen, die Bahn will es so….das ist keine politische Entscheidung, sondern eine vorbereitende Massnahme um behaupten zu können, Altona würde nicht mehr gebraucht….

    Das du dich über deine neue ETW freust ist klar,.
    Was hätte denn „Altona“ und Hamburg von der Verlagerung?

    • Tja Sozorm. Sie beweisen wieder einmal eindrucksvoll, dass man mit Ihnen nicht diskutieren kann. Waehrend ich mich bemueht habe wenigstens die Fakten darzustellen strotzt Ihr Traktak mal wieder vor wilden Behauptungen und Stammtischparolen.

      Hoeren Sie sich eigentlich selbst noch beim Sprechen?

      Staat im Staate…üppigen Sälären…nicht legitimen Verkauf (legal oder legitim nebenbei? und wer definiert legitim? Sie?)…in den Ganglien der DB Station und Service verschwunden…auch wenn ihr das gerne so hättet… (wer: ihr?)…Bezügen geht das Ratzefatze…

      Ausserdemschaffen Sie es mal wieder nicht einen Beitrag zu schreiben ohne dreist zu…. ach das darf ich nicht mehr sagen… ohne Ihren Diskussionspartnern voellig willkuerliche und unzutreffende Dinge zu unterstellen…

      ….Das du dich über deine neue ETW freust ist klar…

      Welche neue ETW? Ich kann mich nicht erinnern kuerzlich eine gekauft zu haben?

      Wieso schaffen Sie es denn nicht wenigsens einmal ohne ins Land der Maerchen und personlichen Unterstellungen abzudrften?

      • Mit „ihr“ meine ich dich und die anderen stolzen Eigentumswohner…

        Nein, die DB ist ein ganz sauberer Laden, transparent bis zum abwinken…da versickert nichts.

        Die Grube Gang hat nun neben dem langweiligen Bahnbetrieb neue Geschäftsfelder entwickelt…dazu gehören zb. Konzeption und Bauplanung, für die die Bahn im Schnitt 10% der Projektkosten (vom Staat!) kassiert…das lohnt sich in jedem Fall, egal wie schwachsinnig die Projekte auch sein mögen.

        Das teure „Gutachten“ wird wohl ebenfalls die Bilanz aufbessern….

        Ob der Verkauf legal war, entscheiden nicht wir sondern Gerichte.
        Aber wo kein Kläger ist….der beraubte Bürger darf nämlich nicht klagen….

        Verkaufen darf man nur etwas das einem auch gehört, die Bahn ist zwar Besitzer, nicht aber Eigentümer der Flächen, die ihr lediglich zum Zwecke des Bahnbetriebs von der Stadt Altona überlassen wurden (Rechtsnachfolger FHH).

        Das gilt auch für andere ehemalige Betriebsflächen, deren Erlöse nach dem gültigen Staasvertrag in die Staatskasse fliessen müssten….dann häte „die Bahn“ aber gar nchts davon.

        Auch hier könnte die Stadt klagen, was sie aber nicht tut, weil sie mit ECE und Co. unter einer Decke steckt. und der ohnehin entmachtete Bezirk fast ausschlieslich die „Investoren“ bedient.

        Du bist vieleicht die einzige, die durch derlei Gedöns verursachte Wuchermieten geil findet, da muss ich gar nichts unterstellen, das spricht für sich….

        Was ist erst los, wenn Strom und Spritpreise explodieren…da kanllen dann wohl die Sektkorken…..

  2. Mehrkosten?

    Die trägt doch in diesem Falle eh der Bund und damit der Steuerzahler….schliesslich wird (unnötigerweise) eue Infrastruktur geschaffen, während die Bahn Milliarden für den Verkauf öffentlichen Eigentums kassiert…..

    Nun, vieleicht kann die DB auch schlicht und ergreifend nicht mehr so will sie will…

    Voraussetzung für die Entwidmung des Bahngeländes ist nämlich, das Bahnhof und Gleise nicht mehr genutz werden….und genau da kommt nun der (private) HKX ins Spiel, der seit letzen Sommer verkehrt und offenbar nach gewisse Startschwierigeiten bestens ausgelsatet ist.

    Ob der Betreiber Lust hat, zugunsten der Miliardenabzocke von Bahn und „Investoren“ den wunderbaren Start in Altona gegen den unattraktiven Diebsteich einzutauschen…da müsste wohl viel Geld fliessen oder erfolgreich rausgeekelt werden….

    • Man, da spricht wieder der „Experte“ und teilt uns mit, dass (na klar, wir ahnten es..) mal wieder alles am „Kleinen Mann“ hangen bleibt. Die boese Bahn kassiert und der Bund – und damit der Stuerzahler – muss Milliarden zahlen. Aha, aha, man lernt nie aus. Jetzt fragen wir uns bei dieser Gelegenheit: Wer ist eigentlich alleiniger Eigentuemer der Deutschen Bahn AG und bekommt die ‚Milliarden‘ der Bahn?

      Richtig: Es ist der Bund. Der Bund kassiert also angeblich Milliarden zu Laden des Bundes.

      Wie gut, dass Sozrom in diesem Forum auch wirklich zu jedem (!) Thema eine fundierte Meinung hat die er auch sogleich mitteilen muss. Man lernt nie aus.

      Und was Sozrom’s HKX-Theorie angeht: Bloedsinn hoch drei. Der HKX (also Keolis) mietet seine Trassenrechte von der DB Netz ganz genauso wie die DB Regio, DB Fernverkehr oder in Altona die NOB (also Veolia). Der Vertrag der DB Netz laeuft mit Keolis laeuft nebenbei eh bis nur bis 2015. Wenn(!) die DB Netz entwidmen wollte dann koennte sie das sehr wohl in absehbarer Zeit.

      Die Frage ist ob sie das will. Wenn die DB mit dem Projekt – wie von Sozrom behauptet – so einen riesigen Reibach machen koennte: Warum laesst sie sich dann soviel Zeit? Es ist die DB die verzoegert, weil sie eben ein Moloch mit langen und komplexen Entscheidungsstrukturen ist. Leider.

      Viel eher waere es mal Wert zu fragen warum es moeglich ist, dass es bei der DB ein so steiles Investitionsgefaelle zwischen den Regionen gibt: In Berlin und in Stuttgart werden Milliarden (sinnlos) verbaut und in anderen Regionen (zB Hamburg und Rhein-Ruhr) keucht die Bahninfrasturktur auf dem letzten Loch. In Berlin zB haben selbst zweitrangige Bahnhoefe (Suedkreuz etc) bessere Ausstattung und einen beseren Zustand als der HHer Hbf.

      Ursache: Politische Einflussnahme und Regionalproporz statt betriebswirtschaftlichem Handeln. Leider kaum je zu Hamburgs oder Altonas Vorteil.

  3. Ich denke schon, dass die DB AG hier durchaus Handeln kann. Im Rahmen der „Vorbereitenden Untersuchungen Mitte-Altona“ werden zwar die „Planungsgewinne“ seitens der Stadt abgeschöpft werden können, aber die späteren „Realisierungsgewinne“ bei Grundstücksverkauf hochwertig möglicher Wohnnutzung in Bereichen der großen Flächenanteile der DB AG die nach Entwidmung frei werden würden, wie ja in Bezug auf Gewinnstreben des öfteren in Bezug auf die Holsten/ECE- und aurelisflächen seitens der politisch engagierten Öffentlichkeit bemängelt, könnten ein gutes Gegengewicht für die DB AG trotz hoher Kosten sein, um die Gesamtmaßnahme in ein wirtschaftlicheres Licht heben zu können. Hier wird nicht nur Ausgegeben sondern auch Eingenommen!

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