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Der beliebte Jenischpark in Altona – Hier hilft sogar ein Bürgerverein bei der Pflege.

Hamburg / Altona. Elf Quadratkilometer öffentliche Grünflächen liegen im Bezirk Altona – ein Drittel aller Parkanlagen Hamburgs. Die Unterhaltung öffentlichen Grüns koste in Altona jährlich knapp 7 Millionen Euro, berichtete jetzt das Bezirksamt Altona, das erstmals einen umfangreichen Bericht vorlegt. Man sei jetzt mit Altona (ca. 260.000 EW) auch  einem bundesweiten Vergleichsranking deutscher Großstädte beigetreten. 

Zwei Drittel dieses Betrags entfallen auf Löhne und Geräte des modernen Bauhofs Altona, ein Drittel auf  Verträge mit privaten Gartenbaufirmen. Das Bezirksamt Altona veröffentlicht jetzt, nach eigenen Angaben erstmals in Hamburg, die Kosten der Grünflächenpflege im Detail. In einem reich bebilderten Heft werden Unterhaltungskosten für 45 große Grünanlagen des Bezirks angegeben und erläutert. „Damit erfahren Bürger Altonas, was die öffentliche Parkanlage in ihrer Nähe insgesamt kostet und welche Unterhaltungsmaßnahmen die höchsten Kosten verursachen. Außerdem werden die Kosten der Pflege von Grünanlagen untereinander verglichen“, so das Bezirksamt. Das Heft ist kostenlos im Technischen Rathaus Altona (Jessenstraße 1-3) erhältlich.

Dahliengarten am teuersten

Die mit Abstand teuerste Grünanlage des Bezirks – gemessen am Aufwand je Quadratmeter und Jahr (Stück-Kosten) – sei der international bekannte Dahliengarten (7,17 Euro je Quadratmeter und Jahr), gefolgt vom Römischen Garten in Blankenese (4,25 Euro je Quadratmeter und Jahr) und vom Donners Park in Othmarschen (2,88 Euro je Quadratmeter und Jahr). Die Pflege der meisten öffentlichen Parkanlagen koste jedoch deutlich unter einem Euro je Quadratmeter und Jahr. Am “preiswertesten sind die ausgedehnten Waldparks im Westen des Bezirks – etwa der Klövensteen – deren Unterhaltungskosten unter 10 Cent je Quadratmeter und Jahr liegen”, so das Bezirksamt Altona.

Die Pflege des Altonaer Volksparks, der 2014 Jubiläum feiert ist die mit 143 Hektar die größte öffentliche Grünanlage Hamburgs und kostet jährlich 554.000 Euro. An zweiter Stelle stehe der 44 Hektar große Jenischpark mit 177.000 Euro, an dritter Stelle der 25 Hektar große Hirschpark in Nienstedten mit 148.000 Euro. In diesen Parkanlagen wird das meiste Geld für Hecken- und Gehölzpflege ausgegeben. Die größte Kostenposition in den zentral gelegenen  Grünanlagen, die in dicht besiedelten Stadtteilen mit wenigen Grünflächen liegen, ist dagegen die Laub- und Müllentsorgung.

Droht die Privatisierung der Grünpflege? „Make or Buy”

Das Bezirksamt Altona sei das erste Bezirksamt Hamburgs, das eine solche Kosten- und Leistungsbilanz vorliege. Die Ergebnisse dienen betriebswirtschaftlich der Entscheidung, ob der Eigenbetrieb oder private Auftragnehmer Unterhaltungsleistungen preiswerter erbringen können („Make-or-buy-Entscheidung“). Außerdem sei damit die Grundlage für Vergleiche mit anderen Städten im Rahmen eines sogenannten „Benchmarkings“ eingeleitet. Jetzt werde die Möglichkeit eröffnet, dass Städte im Rahmen von „Best Practice“ voneinander lernen. Altona sei jetzt deshalb einem Vergleichsring deutscher Großstädte beigetreten, die Kosten und Standards der Grünflächenpflege untereinander vergleichen. Zu dieser von der Kommunalen Gemeinschaftsstelle für Verwaltungsvereinfachung in Köln organisierten Plattform gehören unter anderem die Städte Karlsruhe, Hannover, München und Stuttgart, berichtet das Bezirksamt Altona.

Der Bericht enthalte auch einen Ausflug in das Feld der diskutierten Unterhaltung öffentlicher Straßen und Wege. Bis 2009 habe der Bezirk Altona Unterhaltungsarbeiten auf Fahrbahnen ausschließlich an Straßenbauunternehmen vergeben. Im Erfahrungsaustausch mit der Stadt Heidelberg wurden jedoch Möglichkeiten erörtert, einen Teil der Fahrbahnreparaturen („Schlaglochbeseitigung“) wieder in Eigenregie zu erbringen, weil die Eigenleistung preiswerter sein könnte. Seit Anfang 2013 führt das Bezirksamt Altona gemeinsam mit dem Bezirksamt Wandsbek einen Pilotversuch für die „Schlaglochbeseitigung in Eigenregie“ durch, dessen Ergebnis Ende 2013 ausgewertet werden soll.


KOMMENTAR

Nicht weniger als eine sensationelle Überraschung ist die Emanzipation der Altonaer Verwaltung in der Frage des Grüns. Aus mehrerlei Gründen. Einerseits ist die umfangreiche Erarbeitung und Offenlegung erstmalig erfolgt. Bürgerinnen und Bürger, Politiker und andere erhalten damit eine weitere sinnvolle Planungsunterlage.
Andererseits emanzipiert sich die Verwaltung in dieser Frage selbst und schafft nicht nur Transparenz in den eigenen Kosten, sondern stellt Verwaltungsarbeit in einen Wettbewerb zu der Arbeit anderer Kommunen.

Staatliches Handeln in dieser öffentlichen Frage wird so für Bürgerinnen und Bürger nachvollziehbarer. Die Arbeit der Verwaltung zu erklären, damit sogar in Konkurrenz zur Privatbewirtschaftung zu treten ist ein guter Schritt in die richtige Richtung. Mancher dürfte sich freuen, dass dies in Hamburg ausgerechnet der ehemaligen Stadt Altona gelingt.

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Grünanlagen in Altona – Ein paar Eindrücke aus unseren Galerien:

 

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