Die "Hundertwasser"-Fassade wurde eingepackt. Dahinter entsteht das neue Gebäude ab Sommer 2013.
Die „Hundertwasser“-Fassade wurde eingepackt. Dahinter entsteht das neue Gebäude ab Sommer 2013.

Altona / Ottensen. Es geht los. Die Bagger waren da, haben das „Hundertwasser“-Café, alias Stadtcafé Ottensen, in der Behringstraße plattgemacht. Auf dem Gelände waren in der Woche vor Ostern mehrere Bagger zu sehen. Die ‚Wiederauferstehung‘ fällt in diesem Jahr aus bautechnischen Gründen noch aus und ist für 2014 geplant. Dann will der Bauherr 74 neue Mietwohnungen mit einem neuen “Hundertwasser-Café” errichtet haben.

Ein Teil der Fassade wurde stehen gelassen. Wird jetzt wirklich so gebaut, wie vereinbart? Politik und Anwohner bleiben skeptisch. Eine alte Dame steht minutenlang am Zaun vor dem dahinterliegenden Seniorenhaus, während wir uns die Baustelle anschauen und Fotos machen. Als könnte sie es nicht fassen. Was passiert da gerade? Wieso wird abgerissen? Doch sie ist bestens informiert, lädt uns in den Hausflur des Seniorenhauses ein. Dort hat jemand zwei Zettel an die Pinnwand gehängt. Zur Information. Zu sehen ist der geplante Neubau aus der 3-D-Vogelperspektive.

3-D, das war die Methode eines Scans, den der Eigentümer im Mai des vergangenen Jahres nutzte, um die Innenräume rekonstruieren zu können. Eine Unterschutzstellung nach Denkmalrecht fand trotz Ankündigungen bekanntlich nie statt. Nach langen Verhandlungen war eine Art Kompromiss zwischen den Beteiligten am Bürgerbegehren – die den kompletten Erhalt forderten – und dem Investor ausgehandelt worden. Politik und Bezirksamt überredeten Vertrauensleute des Bürgerbegehrens. Am Ende stand da ein städtebaulicher Vertrag (liegt ALTONA.INFO vor), der eine sechsstellige Strafzahlung für den Fall vorsieht, dass die Erhaltung und Rekonstruktion nicht wie festgelegt erfolgt. Doch selbst davon könnte es Ausnahmen geben, befürchten heute Politiker. Erst wird sich geeinigt, später werden von Bauherren dann häufig Änderungsanträge gestellt, die wirtschaftlich begründet seien. Bislang liegt ein solcher dem Bezirksamt Altona jedoch nicht vor.


„Bezahlbare Wohnqualität“ soll entstehen

“Es gibt einen städtebaulichen Vertrag wie das hergestellt werden muss, wie das nach Fertigstellung aussehen soll”, berichtet Gesche Boehlich (GRÜNE). Ob der Bauherr das erreichen kann, da ist die Politikerin skeptisch. Schließlich habe man zwar die Fassade eingepackt, aber Fliesen im Innenteil abgebrochen. “Die bekommt man nicht in Harrys’ Fliesenmarkt”, so Boehlich. Auch Renate Link, eine der Vertrauenspersonen des Bürgerbehrens, kann anhand von Fotos nachweisen, dass die Bauteile im Innenraum zerstört wurden. „Jetzt wird sich zeigen ob die Wohnbau ihr Wort hält oder ob alles nur ein leeres Versprechen war”, so Link. Gebannt verfolge sie den Abriss und fragt sich, wie der Eigentümer wohl die “Wiederherstellung” garantieren will. Beim Scan vor einem Jahr war sie dabei: “Das Innere des Stadtcafes wurde am 30.5.2012 aufwendig gescannt um es original wieder aufzubauen. Die Elemente sollten geborgen werden um sie später in die Rekonstruktion wieder ein zu bauen. Ein Bergen der Elemente konnte ich nicht erkennen. Die Bodenfliesenmosaiks zum Beispiel waren von Schutt und Steinen zugeschüttet, und ich sah nur drei Bagger, die das Stadtcafe in einen großen Schutthaufen verwandelten”, so die Vertrauensperson des Bürgerbegehrens Renate Link auf Anfrage.

„Wir bauen einen Mix aus Ein- bis Fünfzimmerwohnungen – ein echtes Mehrgenerationenhaus”, sagte der Wohnbau-Geschäftsführer Jens Bräutigam Ende 2012. Im November 2011 hatte man den Vertrag mit dem Bezirk ausgehandelt, im letzten Jahr die Baugenehmigung erhalten. „Wir erstellen ein gastronomisch voll nutzbares Café mit einem Veranstaltungsraum in der Galerie. Damit erfüllen wir alle Bestimmungen des mit der Hansestadt Hamburg und dem Bezirksamt Altona geschlossenen Vertrags“, erklärte Bräutigam 2012. Sein Amtsvorgänger Klaus war noch durch einige Hamburger Redaktionen getourt und hatte um Verständnis für die Belange des Eigentümers geworben. Das geplante Vorgehen trage dazu bei, die Sozialstruktur im Stadtteil Ottensen zu bewahren. Es entstehe eine Einheit mit “bezahlbarer Wohnqualität für Singles, Paare und Familien”, verkündete eine Information im letzten Jahr. Die Antwort auf ein Anfrage steht noch aus.

2 KOMMENTARE / LESERBRIEFE

  1. Vieleicht weil der Eigentümer Wohnbau heisst, es (wie immer)um viel Geld geht und das Objekt bereits zerstört wurde?

    Wenn schon eine Frau Bohelich sich über ungeborgenes Innenleben, Fliesen etc. ecchaufiert spricht das Bände, denn eigentlich liebt sie Beton über alles….

    Skepsis ist okay, muss aber auch von Eigeninitiative, Kompromissbereitschaft und Respekt begleitet werden.

    Finden die „Politiker“ und „Investoren“ auch….seid doch skeptisch wie ihr wollt, wir machen doch eh was wir wollen.

    Kompromisse gibt es bei Denkmälern nicht, schau dir verhuntze Gebäude wie die ehemalige Karoline an.

    Kompromisse sollen immer die BI machen, Respekt setzt gleiche Augenhöhe voraus.

    Und wenn man sowas wie jetzt am Michel machen würde, gäbe es heftige Proteste….

    Wie du dir die „Eigeninitiative“ vorstellst entzieht sich meiner Kennnis, hätte man das Cafe besetzen sollen?

    Wo werden Wohnungen und Gewebeflächen von der Allgemeinheit benutzt….Open House in der Hafencity?

    Welche rechtlichen Konsequenzen hat das nichteinhalten eines Städtebaulichen Vertrages FÜR DEN INVESTOR?

    Keine!….Auf St.Pauli fallen auch einfach mal Häuser zusammen oder werden ilegal abgerissen wenn sie im Weg stehen.

  2. Ich habe kein Verständnis dafür, wie Anwohner und Politiker der Grünen trotz eines städtebaulichen Vertrags und ohne jedes Anzeichen für einen Wortbruch dem Eigentümer so viel Misstrauen entgegenbringen können.

    Investoren sind doch diejenigen, die mit Ihren eigenen Mitteln überhaupt etwas verändern und in Gang setzen. So entstehen Wohnungen, Gewerbeflächen und andere Einrichtungen wie ein Café, die dann von der Allgemeinheit wieder genutzt werden.

    Reine Blockade- und Protesthaltung wie oft von Bürgerinitiativen und vorwiegend linken Politikern gezeigt, bringt doch nichts. Skepsis ist okay, muss aber auch von Eigeninitiative, Kompromissbereitschaft und Respekt begleitet werden.

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