Altona / Altona-Altstadt. Am Samstag kam es gegen 17.35 Uhr nach Polizeiangaben zu einer so genannten Hausbesetzung in der Breite Straße 116. Ein Transparent wurde aus einem Fenster des leerstehenden Hauses entrollt. Darauf die Forderung: „Kein Abriss“. Ein Anruf ging bei der Polizei ein. Eine Gruppe von etwa 20 Personen soll sich im Haus aufgehalten haben, davor standen etwa weitere 80 Personen. Die Polizei nahm die Personalien von zwei Beteiligten vor Ort auf. Alles sei friedlich verlaufen und nach etwa zwei Stunden hätten die Personen wieder das leerstehende Haus verlassen, so ein Polizeisprecher auf Anfrage.

Bereits seit Monaten gibt es Proteste einiger Bewohner zu dem betroffenen ‘Gründerzeithaus’ in der Breite Straße. Der Denkmalschutz sei bei einer Begehung 2008 gescheitert, teilte das Amt mit. Der Erhalt war an die Voraussetzungen für die Beurteilung “Erhaltungsgrad, relative Häufigkeit von Bauten dieser Zeitschicht in Altona, Fokus der Auswahl” gekoppelt. Daran habe sich seit der Mitteilung an den Eigentümer 2008 nichts geändert, bestätigte die Kulturbehörde auf Anfrage. Für eine Revision des Urteils gäbe es insofern keine Grundlage. Die Aktivisten wendeten sich zuletzt an die Kultursenatorin mit einem Schreiben.

Jetzt wird es voraussichtlich zu einem Abriss und Neubau kommen. Die “Notgemeinschaft Breitestraße”, die auch aus ehemaligen Bewohnern des Hauses hervorgeht, kritisiert insbesondere, dass im Nachgang zu einem Bauvorhaben an der Stelle Mietpreise massiv erhöht würden. Sozialwohnungen sind inmitten der 19 geplanten Wohneinheiten und Stadthäuser nicht geplant. Die Altonaer Politik hatte zwar Mittel einer Veränderungssperre über einen B-Plan (Altona-Altstadt 54 am 16. Juni 2006) zunächst erwirkt. Das Verfahren wurde jedoch lt. Beschluss vom 17. Januar 2013 vom Bezirksamt Altona wieder eingestellt und im amtlichen Anzeiger entsprechend verkündet. Der Bauausschuss hat dem Vorhaben in zwei Versionen mit großer Mehrheit gegen die Stimme von Die LINKE zugestimmt.

Nach Informationen von ALTONA.INFO liegen dem Eigentümer nun zwei gültige Bauvorbescheide vom Bezirksamt Altona zur Auswahl vor. Ein alter Bescheid, der verlängert wurde, sieht den Erhalt des Hauses vor. Ein anderer den Abriss und Neubau. Insbesondere aus wirtschaftlichen Gründen gäbe es wohl eine Präferenz für einen Abriss und Neubau, berichtet der beauftragte Architekt. Ein Abriss- und Bauantrag sei noch nicht gestellt; der Eigentümer prüfe noch “ergebnissoffen” und eine Entscheidung sei in den nächsten Wochen geplant.

Weitere Informationen zu dem “Bauvorhaben Breite Straße 114/116 – Amundsenstraße und Eimsbüttler Chaussee 39 – 45” ergeben sich auch aus einer Anfrage des Bürgerschaftsabgeordneten Olaf Duge (GRÜNE) und Antworten des Hamburger Senates (Drucksache 20/6949, PDF). Die Entwürfe sind zu überarbeiten, da die Verkehrsbehörde bereits einen Einspruch geltend machte.

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