KolbenschmidtGelaendeAltona / Ottensen / Bahrenfeld. Der Planungsausschuss der Bezirksversammlung hat der Durchführung des Wettbewerbes zum Kolbenschmidt-Gelände zugestimmt. Das ehemalige Produktionsgelände der Rheinmetall-Tochter KSPG in der Friedensallee 128 wird seit mehr als hundert Jahren gewerblich genutzt. Ziel eines zweistufigen städtebaulichen Wettbewerbs ist es nun, „ein nachhaltiges und stadtteilverträgliches Gesamtkonzept mit geeigneten Nutzungsbausteinen für das Gebiet zu entwickeln“, so das Bezirksamt Altona. Erste Ideen sollen in einem umfangreichen Vorverfahren mit einer modellhaften Bürgerbeteiligung geklärt werden. Der Nordteil könnte dabei nach Informationen von ALTONA.INFO Gewerbe bleiben, der Südteil in Wohnungsbau umgewandelt werden.

Das Relikt aus der industriell geprägten Zeit Ottensens, das zwischen 1935 und 1983 fortlaufend erweitert und mit Produktionshallen bebaut worden ist, verfügt heute über sechs Hallen, ein viergeschossiges Verwaltungsgebäude, ein Kompressorenhaus, ein ‚Sozialgebäude‘ sowie ein fünfgeschossiges Magazingebäude auf dem Areal. Das Gelände ist 3,6ha groß und war ursprünglich mal Waggonwerk. Später wurden Kolbenrohlinge und weitere Motorenbestandteile produziert und veredelt. Zwischen 1935 und 2009 war der Automobilzulieferer KS Kolbenschmidt GmbH auf diesem Grundstück ansässig und hat das Gelände intensiv industriell genutzt. Entsprechende Altlasten sind vorhanden.

Ende 2009 war es zu einem Eklat gekommen, als die Firma eigene Mitarbeiter quasi über Nacht den Zutritt zu dem Werk verweigerte und gleichzeitig die Stillleung angekündigte. Auch die Bezirksversammlung Altona rügte damals die Firma Kolbenschmidt Pierburg AG öffentlich. Heute haben sich Politik und Unternehmen verständigt. “Wir begrüßen die gute Abstimmung mit Politik und Verwaltung”, so KSPG-Sprecher Folke Heyer gegenüber ALTONA.INFO. Am 1. August solle der Wettbewerb nun starten. Weitere Details teile man noch mit.

Größere Kartenansicht

Eigentümer will selbst entwickeln – 50% Gewerbe auf dem Gelände geplant

Das Gebäude von Euler Hermes, das Gelände neben Kolbenschmidt, ist ebenfalls vakant. Nach Informationen von ALTONA.INFO könnte es hier bis Herbst auch zu einer Entscheidung für einen Umzug kommen. Es gilt als sehr wahrscheinlich, dass Euler Hermes das Gelände verlässt, allerdings habe das Unternehmen eine “ernsthafte Absicht” in Bahrenfeld mit seinen etwa 1.200 – 1.400 Mitarbeitern zu bleiben, berichtet Rolf Peter aus der Presseabteilung.

Nach Informationen von ALTONA.INFO gab es für das Gelände von Kolbenschmidt über 50 Interessenten, darunter auch Hermes. Rheinmetall entschied sich jedoch, das Gelände selbst zu entwickeln und hat auch bereits Erfahrungen, etwa mit der Entwicklung des ehemaligen Werksgeländes in Düsseldorf (“Unternehmerstadt”), gesammelt. Für Tobias Trapp, Vorsitzender vom Kolbenhof e.V. und Vertreter der dort vertretenden Kleingewerbetreibenden, ist das Unternehmen aus ganz unternehmerischer Sicht ein besserer Partner als etwa Betriebe aus der Finanz- und Immobilienwirtschaft. “Das Gelände ist für Rheinmetall abgeschrieben und mehrfach bezahlt”, so sein Argument. Sein Verein habe deshalb gut mit Unternehmen und Politik verhandeln können. Tischler, Kaffeeröster, Filmausstatter, Sportwagenservice, Motorradwerkstatt, Friseur-Weiterbildung, Fotoatelier, Tonstudio, Reiseveranstalter und sogar Schulungsräume der Wildtierstation Hamburg könnten offenbar langfristig weiterplanen. Zunächst wurden die bestehenden Mietverträge kürzlich bis Ende 2014 und mit weiterer Option weiter verlängert. Im Rahmen der weiteren Entwicklung und des Wettbewerbes wurde außerdem ein Gewerbeflächenanteil von 50% vereinbart, so Trapp.

Wie auch das Gewerbeflächen-Konzept des Bezirkes Altona nachdrücklich dokumentiert, sind insbesondere lokale Betriebe von der starken Nachfrage nach Wohnungsraum bedroht. “Die kleinen Betriebe leiden extrem unter den Bodenwertsteigerungen”, bestätigt Trapp, der selbst eine Motorrad-Werkstatt auf dem Gelände betreibt. Deshalb forderte sein Verein, dass ein Investor, der sehr viel Geld mit Teil-Umwandlung in Wohnungsbau verdient, auch Gewerbe quersubventioniert. 3,50 – 7,00 Euro netto kalt zahlen die Handwerksbetriebe heute an der Stelle. Mehr sei nicht drin, das bestätige auch die Handwerkskammer als repräsentativen Querschnitt der Branchen. 50% Gewerbeerhalt habe man bereits im Rahmen des Verfahrens erreicht. Ein potentielles Stadtteilcafé, eine Mehrzwecknutzungshalle stehen in Aussicht. Mit Blick auf die Ungewissheit der zurückliegenden Jahre gibt Trapp zu: “Das klingt eigentlich alles gut”. Man werde den Wettbewerb aber natürlich intensiv begleiten und nichts dem Zufall überlassen.

ALTONA.INFO durfte sich auf dem Gelände umsehen und ein paar Eindrücke von den Produktionsräumen der heute angesiedelten Betriebe machen:

KOMMENTAR / LESERBRIEF

Antwort hinterlassen