Foto: Jörg Holst
Foto: Jörg Holst

Hamburg / Altona. Die zur Zeit in der St. Pauli Kirche untergebrachten Flüchtlinge und weitere, die ebenfalls in kirchlichen Einrichtungen untergekommen sind, sind Mitglieder der Gewerkschaft Verdi in Hamburg geworden. Dies teilte der Landesverband Hamburg mit. Auch die Tagesthemen beschäftigten sich vor dem Hintergrund des Papst-Besuches auf Lampedusa mit der Situation der Flüchtlinge in Altona-Altstadt. Die Altonaer Lokalpolitik forderte bereits ein Moratorium – die Hamburger Innenbehörde lehnte dies ab.

“Die als Gruppe „Lampedusa in Hamburg“ bekannt gewordenen Flüchtlinge aus Libyen haben sich entschieden, Mitglied der Gewerkschaft Verdi zu werden. Die ca. 300 Flüchtlinge haben in Libyen gearbeitet als Ingenieure, Journalisten, Automechaniker, Bauarbeiter oder Friseure und hatten nie die Absicht nach Deutschland zu kommen. Der Krieg gegen Libyen hat ihnen dann keine andere Wahl gelassen”, teilt die Gewerkschaft in einer Pressemitteilung mit.

„Mit diesem Schritt“, so Asuquo Udo, einer der Sprecher der Flüchtlinge, „zeigen wir, dass wir Teil der Gesellschaft in Hamburg sein wollen und auf Unterstützung setzen. Wir können und wollen nicht zurück in ein Elend – sei es in Italien oder in afrikanischen Staaten.“

“Wir heißen die Flüchtlinge willkommen und wollen die Beschäftigten in Hamburg mit den neuen Mitgliedern aus Libyen in einen Dialog bringen, um die Forderungen der Flüchtlinge auf eine breitere Basis zu stellen. Wir unterstützen ausdrücklich die Forderungen der Geflüchteten aus Libyen auf Wohnung, freien Zugang zum Arbeitsmarkt, freien Zugang zu Bildung, freien Zugang zu medizinischer und sozialer Versorgung und freier Wahl des Aufenthaltsortes bzw. Wohnortes innerhalb der EU”, sagte dazu der Verdi-Fachbereichsleiter Peter Bremme.

Hamburg habe die Chance seine “hanseatische Willkommenskultur” zu zeigen. Die Politik solle den Weg frei machen durch Aktivierung des § 23 Aufenthaltsgesetz, so die Gewerkschaft. Schließlich heiße es in der Grundsatzerklärung von Verdi aus dem Jahr 2010: “Alle Menschen sollen frei von Armut und Not, von Ausbeutung und Unterdrückung leben. Sie haben das Recht auf körperliche und seelische Unversehrtheit, auf menschenwürdige Arbeits- und Lebensbedingungen, auf Anerkennung und Respekt.“ und sie ende mit den Worten: „Wir laden dazu ein, sich mit uns gemeinsam für diese Werte und Leitbilder einzusetzen und die Zukunft zu gestalten.“

Die CDU-Fraktion in Altona will das Thema noch einmal politisch aufnehmen. Andreas Grutzeck (CDU): „Das Nichtstun des Senates kommt mittlerweile einer Verletzung von elementaren Menschenrechten gleich. Man gewinnt den Eindruck, der SPD-Senat macht lieber Sommerurlaub, während vor der eigenen Türe hunderte Menschen in Not auf Hilfe warten!“ Man habe um die Anwesenheit von Vertretern der Innen- und Sozialbehörde vor dem kommenden Hauptausschuss gebeten.

 

KOMMENTAR / LESERBRIEF

Antwort hinterlassen