Elbtreppe_Haeuser_SAGAAltona / Ottensen / Oevelgönne.  Seit Februar sollte das Gutachten zu den Elbtreppenhäusern vorliegen. Der lange Winter verzögerte die Untersuchungen. Behörden rücken auch nach mehrmaliger Anfrage immer noch nicht das Gutachten zum Heuburg-Ensemble bzw. den Elbtreppenhäusern heraus, obwohl dieses bereits seit Ende Mai vorliegt. Ein Abstimmungsgespräch in der BSU soll noch letzte Details klären. Fest steht, die bisherigen Behauptungen der SAGA sind widerlegt. Das Gutachten attestiert, dass die Kosten für die Sanierung günstiger sind als die Kosten für einen Neubau. Allerdings spricht sich der bestellte Gutachter, Architekt Gerhard Bolten, für einen Erhalt und Sanierung von Haus 5 (vordere Reihe, siehe Skizze) bei gleichzeitigem Neubau des dahinterliegenden Hauses 15c und Abriss von 15d aus.

Das 43-seitige Gutachten liegt ALTONA.INFO vor. Gleich zu Beginn schickt der Gutachter voran: „Ohne dies im Detail weiter zu untersuchen: eine vollständige Neubebauung ist mit hoher Wahrscheinlichkeit auch nach Auffassung des Gutachters einfacher zu bewerkstelligen als eine Sanierung oder eine Erneuerung von nur Teilen der Bebauung. Eine betriebswirtschaftliche Betrachtung der Alternativen „Neubau“ oder „Bestandserhaltung“ ist nicht Gegenstand dieses Gutachtens. Es geht vielmehr um die Frage, ob eine (möglichst weitgehende) Bestandserhaltung technisch und betriebswirtschaftlich verantwortbar ist.“

Im Kapitel Vergleich Neubaukosten / Sanierungskosten wird es modellhaft. Kosten von Sanierungsmaßnahmen ließen sich zwar weniger genau vorkalkulieren, als Kosten für den Neubau. Dies läge insbesondere auch an der Bandbreite der Sanierungsmöglichkeiten. Tendentiell seien aber die Kosten auch bei Vollsanierungen deutlich niedriger als die Neubaukosten. „Allgemein lässt sich die Behauptung, Sanierungen seien teuerer als Neubauten, auch für sogenannte Vollsanierungen nicht halten“, so Bolten. Es gäbe natürlich solche Fälle, in denen eine Sanierung deutlich teurer als ein Neubau werde. Das treffe insbesondere auf Belange des Denkmalschutzes, etwa bei der Konservierung besonderer Bauteile zu und bei der Anwendung nicht mehr gebräuchlicher Bautechniken zu. In diesem Fall schließt der Gutachter dies aus.

Das Gutachten widerlegt auch frühere Angaben der SAGA, einzelne Häuser seien nicht mehr standsicher und würden abrutschen. „Während der Unterhaltungszustand der Gebäude relativ schlecht sei, mache die Gebäudestatik jedoch einen ausreichend guten Eindruck“, so der Gutachter. Zur Zeit laufen vor Ort Sanierungsarbeiten an den denkmalgeschützten Gebäuden 13 und 15 die nicht Gegenstand des Gutachtens waren. Mit Blick auf die einzelnen zu untersuchenden Gebäude stellt der Gutachter fest, dass im Gebäude 15 C eine mittlere Längswand leicht abgesackt sei. Ein Neubau des Objektes 15C etwa wäre auch möglich, ohne das davorstehende Gebäude abzureissen.

Der Autor gibt auch noch Kritik zu bedenken. Die Unterlagen der SAGA für Kalkualtionen zu vergleichbaren Neubauten wären nicht brauchbar gewesen. Andererseits sei es rückblickend unglücklich, dass die SAGA GWG – offenbar aus Kostengründen – anfangs nur Teilaspekte untersuchen ließ. Aussagen verschiedener Gutachten (von SAGA und der Initiative) würden sich zudem widersprechen. Die Abwicklung von Sanierungen in diesem kleinen Umfang, wie bei den Elbtreppenhäusern, setze bei einem Unternehmen kleine Planungseinheiten voraus, gibt der Gutachter zu bedenken. In großen Verwaltungen seien diese häufig nicht vorhanden. Der Gutachter bestätigt auch immer wieder vorgetragene Befürchtungen der Inititative zum schlechten Zustand und der mangelnden Entwässerung.

In einer umfangreichen Kalkuation werden vier Varianten ins Feld geführt und Kosten dafür genannt:

FALL 1: Erhalt und Modernisierung von Haus 5 UND Haus 15 C – 285.000,-
FALL 2 : Abriss von Nr. 5, Nr. 15 C bleibt stehen, Modernisierung – 455.000,-
FALL 3: Abriss von Haus Nr. 5 UND Haus Nr. 15C – 534.000,-
FALL 4: Abriss Haus 15 C und Erneuerung , Haus 5 bleibt stehen – 380.000,-

Bolten spricht sich klar für Fall 4 aus: „Aus Sicht des Gutachters spricht viel dafür, Haus 5 zu erhalten und Haus 15C abzubrechen und durch einen Neubau zu ersetzen. Eine Sanierung von Haus 5 scheint relativ sicher kalkulierbar. Bei Haus 15C hingegen scheint ein Neubau relativ gut kalkulierbar. Die Neubaukosten für 15C sind gleich hoch – egal ob Nr. 5 saniert oder erneuert wird. Bei einem Neubau von 15 C sind Richtung Westen vermutlich Erweiterungen möglich“, so die Empfehlung.

Nach dem Gespräch zwischen Behörden, Initiative, Gutachter und SAGA GWG ist mit einer endgültigen Einigung im Sinne der ‚Rettung der Elbtreppenhäuser‘ zu rechnen. Fest steht mit großer Wahrscheinlichkeit, dass die Elbtreppenhäuser, das Ensemble an der Stelle mit seinen zwischen 1860 und 1888 gebauten Häusern in Oevelgönne, weitestgehend erhalten bleibt und nicht einem Neubau weichen muss. Die letzte Entscheidung trifft hier auch die Politik, zumal das gesamte Ensemble im Bereich eines gültigen B-Plans vom 26.09.2000 in einem Erhaltungsbereich liegt, wie der Gutachter notiert. Abbruch und Nutzungsänderungen bedürften gemäß dem Gutachten daher einer besonderen Genehmigung, die grundsätzlich versagt werden kann, wenn die bauliche Anlage das Stadtbild in besonderer Weise prägt und von besonderer geschichtlicher oder künstlerischer Bedeutung ist, und wenn ferner das Ensemble wirtschaftlich erhalten werden kann.

Letzteres ist mit dem Gutachten belegt. Das Kapitel „Elbtreppenhäuser“ scheint daher sein jähes Ende gefunden zu haben.

KOMMENTAR / LESERBRIEF

Antwort hinterlassen