Hamburg / Berlin. Die gängige Praxis, dass Banken nach der Finanzkrise trotz erheblicher Refinanzierungserleichterungen durch die Zentralbank ihre Dispozinsen nicht gesenkt haben, wird von der Stiftung Warentest in einer Analyse scharf kritisiert. Die Politik ist seit 2007 untätig in diesem Feld und lässt die Finanzwirtschaft offenbar auf Kosten vieler Haushalte gewähren. Bis zu 14,75 Prozent Dispozinsen zahlen Bankkunden, wenn sie ihr Konto überziehen, obwohl sich Banken und Sparkassen für nur 0,5 Prozent Zinsen Geld bei der Europäischen Zentralbank leihen können. Die Stiftung Warentest bezeichnet diese Praxis nach einem Bericht als “Abzocke”.

Einige Banken verstießen zudem gegen das Gesetz, weil sie in ihren Filialen keinen Preisaushang zur Höhe ihrer Dispozinsen hätten. Für die September-Ausgabe ihrer Zeitschrift Finanztest hat die Stiftung Warentest flächendeckend die Dispozinsen der insgesamt 1.538 Banken in Deutschland ermittelt und Unterschiede von mehr als 10 Prozent. Dass es auch günstig geht, zeige die VR-Bank Uckermark-Randow, die lediglich 4,2 Prozent für den Dispo für ihr Konto „Komfort Plus“ verlangt sowie die Deutsche Skatbank, die von allen Kunden nur einen Dispozins von 5,25 Prozent für ihr online geführtes Girokonto erhebt. Im Schnitt hat die Stiftung Warentest einen Zinssatz von 11,31 Prozent ermittelt.

119 Banken kassieren nach der Analyse des Verlagshauses Dispozinsen von 13 Prozent und mehr. Um Kunden Vergleiche zu erschweren, nennen viele Institute die Zinshöhe nicht. In 606 Filialen musste die Stiftung Tester schicken, weil sie auf die schriftliche Anfrage nicht reagiert hatten und ihre Konditionen auch nicht im Internet zu finden waren. Doch auch intensives Nachfragen in den Filialen brachte in 26 Fällen kein Ergebnis, weil die betroffenen Banken und Sparkassen sich auch vor Ort weigerten, die Höhe des Dispozinses zu nennen, so das Magazin.

Bei einem Kreditvolumen für Überziehungskredite von aktuell knapp 39 Milliarden Euro spüle jeder Prozentpunkt mehr knapp 390 Millionen Euro in die Kassen der Banken, rechnet Stiftung Warentest vor. Der ausführliche Test Dispozinsen erscheine in der September-Ausgabe der Zeitschrift Finanztest (ab 21.08.2013 am Kiosk) und sei bereits unter www.test.de/dispo abrufbar.

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