Baum_Blankenese
Mein Freund der Baum. Für Anwohner ja, für Bauherren nein?

Hamburg / Altona. ‚Mein Freund, der Baum‘ – die hölzernen Gewächse haben bei vielen Baumaßnahmen keine Gewissheit mehr. Auch sie werden aus ihrem Lebensumfeld – häufig ersatzlos – verdrängt. Hamburg verliert als Folge der Verdichtung auf privaten Flächen jedes Jahr mehr als 20.000 Bäume. Ein beträchtlicher Teil der Bäume werde wegen Baumaßnahmen und ohne vorherige Prüfung gefällt, beanstanden jetzt SPD und GRÜNE im Bezirk.

Gemäß der seit dem 15. Dezember 2009 gültigen Hamburgischen Bauordnung (HBauO) werde im sogenannten „vereinfachten Genehmigungsverfahren“ die Einhaltung der Baumschutzverordnung nicht mehr amtsseitig geprüft. Die inzwischen erfolgte Evaluation der zu Gunsten von schnelleren Genehmigungsverfahren geänderten HBauO habe ergeben, dass erforderliche Fällgenehmigungen in einem knappen Viertel der Fälle nicht eingeholt wurden. Hunderte von Bäumen wurden und werden demnach ohne Genehmigung – allerdings offenbar mangels Prüfung rechtens – gefällt.

Politik bei Fällmaßnahmen entscheidungsunfähig?

Auf der anderen Seite bleibe im Falle erteilter Baugenehmigungen der Naturschutzabteilung und dem Grünausschuss der Bezirksversammlung bei der Entscheidung über die Erteilung von Baumfällgenehmigungen praktisch keinerlei Ermessen mehr für eine eigenständige Beurteilung. Schließlich kann auch von Kundenorientierung keine Rede sein, wenn Bauherren bei der Prüfung ihrer Vorhaben verschiedene Anträge für nebeneinander laufende Genehmigungsverfahren einreichen müssten. Eine Beschlussvorlage aus Altona an das eigene Amt sieht jetzt vor:

1. Die Bezirksversammlung fordert den Senat auf, den Prüfumfang des bauordnungsrechtlichen Verfahrens nach § 61 der Hamburger Bauordnung (HBauO) um die Prüfung der Belange des Baum- und des Landschaftsschutzes zu erweitern.

2. Als Zwischenlösung wird das Bezirksamt gebeten, die Zusammenarbeit zwischen den für Bauprüfung (WBZ 2) und Naturschutz (WBZ 33) weiter zu optimieren und im Baugenehmigungsverfahren den Baumschutz noch stärker zu berücksichtigen. Antragsteller eines Bauvorhabens sollten mit einem Merkblatt zum Bauantrag darauf hingewiesen werden, dass mit dem Einreichen des Bauantrages ein Antrag für eine Fällgenehmigung bzw. landschaftsschutzrechtliche Genehmigung gestellt werden muss, sofern entsprechende Bereiche betroffen sind. Das Merkblatt sollte auch der Baugenehmigung noch einmal beigefügt werden.

„Bäume prägen den Charakter Hamburgs als grüne Stadt am Fluss“, so GRÜNEN-Politiker Lars Andersen. Der Sprecher des Altonaer Ausschusses Grün, Naturschutz und Sport meint: „Wenn jetzt in Folge kurzfristiger Gewinninteressen, Genehmigungen für Bauvorhaben im Schnellverfahren erteilt werden, wird dadurch nicht nur Natur zerstört, sondern es kommt auch das kulturelle Erbe der Stadt unter die Räder.“

KOMMENTAR / LESERBRIEF

Antwort hinterlassen