Im Gespräch mit ALTONA.INFO. Ein Hausmeister der Wohnanlage am Lawaetzweg.
Im Gespräch mit ALTONA.INFO. Ein Hausmeister der Wohnanlage am Lawaetzweg.

Hamburg / Altona. Die Bonner Wohnbau klagte mit einem Teilerfolg vor dem Verwaltungsgericht Hamburg gegen die Baugenehmigung zu dem Einkaufszentrum in der Großen Bergstraße. Hintergrund der Klage des  Bonner Unternehmens, das in direkter Nachbarschaft am Lawaetzweg in Altona-Altstadt ein Wohngebäude besitzt, ist eine vermutete Beeinträchtigung ihrer Mieter durch den Ikea-Neubau. Gerichtssprecher RiOVG Dr. Lambiris bestätigt Medienberichte teilweise, wonach es auf Basis eines Eilantrags von Mitte 2013 am 6. Januar zu einer Beschlussfassung von drei Berufsrichtern gekommen sei (AZ 9E 2814 /13). Der Beschluss wurde am 20.1. zugestellt. Eine Öffnung für den Kundenverkehr soll gemäß dieses vorläufigen Beschlusses bis 19:30 Uhr möglich sein. “Im Übrigen hat das Vewaltungsgericht die erteilte Baugenehmigung im Eilverfahren nicht beanstandet”, so Lambiris gegenüber ALTONA.INFO. Gegen das 41-Seiten umfassende Urteil im Eilverfahren können sowohl Ikea als auch die Stadt Hamburg Beschwerde vortragen. Das Urteil ist insofern auch vorläufig, als dass es auch noch ein Hauptsacheverfahren gibt, für das es noch keinen Termin gibt. Ikea Altona soll im Juli 2014 eröffnen. Beide Unternehmen kündigten auf Anfrage von ALTONA.INFO eine Stellungnahme im Laufe des Tages an.

Stadtentwicklungsbehörde bezieht Stellung

Die Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt, ihrerseits nach der Evokation zuständig für die Baugehmigung zu dem Einrichtungshaus, bezieht Stellung zu dem Urteil (12:24 Uhr): „Mit dem Beschluss des Verwaltungsgerichts Hamburg vom 6.1.2014 wurde die Rechtmäßigkeit der angegriffenen Baugenehmigung vom 17.2.2012 überwiegend bestätigt. Im Bereich der immissionsschutzrechtlichen Regelungen (Lärm, Luftschadstoffe) des Genehmigungsbescheids sowie in Bezug auf eine befürchtete Rückstauproblematik im Lawaetzweg äußerte das Gericht Bedenken. Dennoch ordnete es keinen Baustopp an, sondern beschränkte lediglich die Öffnungszeit des Einrichtungshauses bis zu einer Entscheidung in der Hauptsache auf einen Zeitraum werktags bis 19:30 Uhr. Das Bauvorhaben kann also fertiggestellt und innerhalb der vom Gericht gezogenen zeitlichen Grenzen betrieben werden. Die Stadt prüft derzeit, ob gegen den Beschluss Beschwerde eingelegt wird und wie den Bedenken des Gerichts bezüglich der immissionsschutzrechtlichen Regelungen Rechnung getragen werden kann“, so BSU-Sprecherin Graupner gegenüber ALTONA.INFO.

Ikea könnte sich „eventuell“ mit Öffnungszeit bis 19:30 Uhr „arrangieren

Ikea teilt mit (13:19 Uhr): „Wir möchten an allen Standorten ein guter Nachbar sein und nehmen besonders hier in Hamburg-Altona die Sorgen der Anwohner sehr ernst. Wir hatten in vielen Gesprächen mit der nun klagenden Wohnbau versucht, eine einvernehmliche Lösung zu erreichen. Der Eilantrag, der möglicherweise zu einem Baustopp geführt hätte, wurde vom Gericht jetzt zurückgewiesen. Wir möchten ausdrücklich klar stellen, dass die Baugenehmigung mit dem jüngsten Beschluss des Verwaltungsgerichtes nicht für unzulässig erklärt worden ist, sondern es sich zunächst lediglich um eine vorläufige Auflage für die Öffnungszeiten handelt. Wir hatten Öffnungszeiten bis 20 Uhr vorgesehen und könnten uns eventuell auch mit 19:30 Uhr arrangieren. Zudem arbeiten wir unabhängig von gerichtlichen Auflagen auch an einer zusätzlichen Linksabbiegerspur für die Anwohner im Lawaetzweg, um die Situation für sie noch einmal deutlich zu verbessern. Außerdem prüfen wir, ob wir eine mögliche Beschwerde gegen den Beschluss einlegen und werden in den nächsten Tagen eine Entscheidung auch in Abstimmung mit der Stadt Hamburg treffen“, so Ikea-Sprecherin Settergren.

Wohnbau: „Unzureichendes Verkehrskonzept steht mehr denn je in der Kritik“

Die Bonner Wohnbau teilt mit (15:03 Uhr): „Das Verwaltungsgericht Hamburg hat mit Beschluss vom 6. Januar dem Eilantrag der Firma Wohnbau GmbH gegen die Baugenehmigung für das Bauvorhaben Ikea Altona teilweise stattgegeben. Das unzureichende Verkehrskonzept steht mehr denn je in der Kritik.“ und weiter „Die Entscheidung des Verwaltungsgerichts untersagt Ikea, das geplante Einrichtungshaus werktags nach 19.30 Uhr für den Kundenverkehr zu öffnen. Ursprünglich hatte Ikea eine Öffnungszeit bis 22 Uhr geplant. Der Grund: Das Gericht äußert erhebliche Bedenken, ob der Betrieb den gesetzlichen Anforderungen an den Lärmschutz und an der Einhaltung der Luftschadstoffgrenzwerte entspricht.  „Laut Gerichtsbeschluss stellt die Baugenehmigung also nicht sicher, dass bei einem regulären Verkaufsbetrieb von Ikea die Anwohner und Nachbarn im Lawaetzweg dauerhaft vor Lärm und Schadstoffen geschützt werden können“, sagt Sabine Sievers, Anwältin der Wohnbau von der Hamburger Kanzlei Oberthür & Partner. „Und die irrige Annahme, nur etwa die Hälfte der Kunden von Ikea Altona würden das  Einrichtungshaus mit dem eigenen PKW anfahren, wird jetzt auch vom Verwaltungsgericht stark angezweifelt“. Aus Sicht der Wohnbau GmbH löst die zeitliche Verringerung der Öffnungszeiten allerdings das Problem nicht, denn die Verkehrsprobleme blieben in der restlichen Zeit ja unverändert bestehen. Unser Fazit: Nur eine Überarbeitung des Verkehrskonzeptes kann die Situation abschließend bereinigen. Daher steht die Wohnbau GmbH der Wiederaufnahme der Gespräche über die Überarbeitung des Verkehrskonzeptes positiv gegenüber.“

Inzwischen liegt auch der beim Verwaltungsgericht angefragte Beschluss vor (PDF, s.u.).

Was sagen die Anwohner? Wir befragten Anwohner und Fußgänger im Umfeld der Wohnanlage am Lawaetzweg

Menschenleer, mitten am Tag sind mehr Bauarbeiter als Anwohner im Lawaetzweg anzutreffen. Wir probierten es trotzdem und fragten einige Passanten wie Anwohner. Einige berichten davon, dass Anwohner auf ein Auto verzichten, andere fordern eine Verstärkung der Fenster aufgrund von zu erwartenden Lärmemissionen. Als wir gerade gehen wollten, stand vor der Wohnanlage einer der Hausmeister. Er nutzte die Gelegenheit, um aus seiner Sicht die Lage zu beurteilen und ordentlich Dampf abzulassen.

Lokalpolitiker aus Altona wiesen gegenüber ALTONA.INFO auf die grundsätzliche Konfliktlage hin. Der Bezirk sei nicht zuständig und Gespräche mit der Fachbehörde seien schlicht ungenügend gelaufen, meint etwa Lorenz Flemming von der FDP. Mark Classen von der SPD-Fraktion, der auch Vorsitzender des lokalen Ikea-Ausschusses der Bezirksversammlung ist, sieht noch Möglichkeiten dem Problem beizukommen, etwa durch eine Einbahnstraßenregelung und durch eine Abbiegespur. Wichtig sei zudem das Freihalten der Feuerwehrzufahrten.

9-e-2814-13-beschluss-vom-23-12-2013

5 KOMMENTARE / LESERBRIEFE

  1. Mir fehlt bei der Betrachtung des Verkehrslärms und der Erfindung eines neuen Verkehrskonzeptes ehrlich gesagt auch ein Konzept für die Zubringerstraßen wie z. B. Elbchaussee (die mit 30.000 Autos pro Tag ohnehin schon überbelastet ist), Eulenstraße, Keplerstraße, Max-Brauer-Allee etc… Auch dort wohnen Menschen, die durch die erhöhte Lärm- und Schadstoffbelastung geschädigt werden. Denn man darf nicht vergessen, dass sich die Fahrzeuge ja nicht direkt vor dem Lawaetzweg materialisieren um dann ins Parkhaus zu fahren.

    • Jedoch wird wahrscheinlich ein grosser Teil der automobilen IKEA Kunden nicht ausschliesslich zum Moebelhaus fahren, sondern den Laden im Rahmen einer Einkaufstour anfahren die heute auch schon gemacht wird. Oder nach Feierabend. Kurz gesagt: z.B. 1,000 Autos bei IKEA sind nicht 1,000 zusaetzliche Fahren (ausser dem dem Lawaetzweg) sondern nur X% von 1,000.

      @Monique: Aus Stahl Konstruiert? Ich nehme doch mal stark an, dass die Stahlkonstruktionen, zumindest wie horizontalen Teile davon, noch mit Beton und Asphalt ausgegossen werden. Dass die Autos direkt auf einer Stahplatte fahren sollen, das halte ich fuer ein Geruecht. Ich lasse mich aber gern eines Besseren belehren, wenn Sie recht haben sollten.

      • Reine Spekulation, wie gross das X ist wird die Zukunft zeigen.
        Welche „Einkaufstour“ soll das denn sein, nebenbei noch beim Mediamarkt nen Fernseher einpacken?

        “ Ich nehme doch mal stark an, dass die Stahlkonstruktionen, zumindest wie horizontalen Teile davon, noch mit Beton und Asphalt ausgegossen werden. “

        Letzteres ist dann keine Stahkonstruktion, sondern Stahlbeton.
        Funktioniert als Verbundwerkstoff schon etwas anders und hat vor allem Masse….die Vibrationen dämpft.

        Das Stahlkonstruktionen auch mit Asphalt sehr laut sind, kann man an zahlreichen Anlegern schon mit dem Fahrrad ausprobieren…und wer mal auf eine Englandfähre gefahren ist weiss, das knackt richtig, weil die ganze Konstruktion schwingt.

  2. Es wird also verboten „…das Einrichtungshaus werktags nach 19.30 Uhr für den
    Kundenverkehr zu öffnen“.
    Gehört das Parkdeck zum Einrichtungshaus? Müsste IKEA dann nicht eher um 19.00 Uhr (oder eher 18.30, je nachdem wie schnell man da raus kommt) zu machen, damit um 19.30 Uhr die letzten Kunden aus dem Parkhaus abgefahren sein können?

    • ein Interviewpartner hat es richtig formuliert. Gigantischer Verkehrslärm mit extrem verstärkten Schallemissionen
      bedingt durch die Konstruktionswahl mit
      -aus Stahl gefertigten Bauteilen- die Parkhausauffahrt und Parkebenen zu
      konstruieren.Hier ist bestimmt über keine teure „SCHALLENTKOPPELUNG“ beraten worden.Das ist noch vieles mehr,als was wir,die Gegner des Projekts,uns schon damals vorgestellt haben.

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