Aufteilung der Fälle im Bereich der "Internetkriminalität", die insgesamt 3% der Straftaten an der Gesamtstatistik 2013 ausmachen. Quelle: Polizei Hamburg / Innenbehörde
Aufteilung der Fälle im Bereich der „Internetkriminalität“, die insgesamt 3% der Straftaten an der Gesamtstatistik 2013 ausmachen. Quelle: Polizei Hamburg / Innenbehörde

Hamburg / Altona. Die Polizeiliche Kriminalitätsstatistik 2013 wurde vorgestellt. Die jährliche Untersuchung werde auf Basis von bundeseinheitlichen Vorgaben erstellt. Nach einem Rückgang in 2012 stiegen die bekanntgewordenen Fallzahlen um 4,6 Prozent. Ein Anstieg ist im Bereich der Wirtschaftsstraftaten und  so genannter „Internetkriminalität“ zu verzeichnen.

Insgesamt wären in Hamburg 67.554 sogenannte Tatverdächtige registriert, dabei sei gerade über die letzten zehn Jahre eine “erhebliche” Abnahme in der Gruppe der unter 21-jährigen festzustellen (-25,8%). In 2013 wurde in der Gruppe “TVu21” (Tatverdächtige unter 21 Jahren) im Bereich der Gewaltkriminalität ein Rückgang festzustellen (-4,1%). Wohnungseinbrüche nahmen ab (2013: –2,4%), während Versuche zunahmen (2013: + 2,4%). Einen starken Abfall in der Statistik gibt es bei den Fallzahlen im KFZ-Diebstahl (—7,4%). Insgesamt wurden in Hamburg 1983 Fälle von Autodiebstahl registriert. Die technische Weiterentwicklung wird hier positiv bemerkt.

Die Gewaltkriminalität in Hamburg habe leicht abgenommen (-0,2%) bei 8.665 Fällen und einer Aufklärungsquote von 62,7%. “Raub” sowie “gefährliche und schwere Körperverletzung” bilden hier einen Anteil von 97,5%. Übrige Delikte – etwa 200 – sind mit einem Anteil von 2,5% Delikte der Vergewaltigung, sexuellen Nötigung sowie Tötungsdelikte. Bei letzterem sank laut Polizeistatistik im letzten Jahr die Zahl der vorsätzlichen Taten auf 56 (zuvor 75). Während die Aufklärungsquote bei Tötungsdelikten bei 94,6% liegt, ist sie im Bereich der häufigeren Vergewaltigungen und sexuellen Nötigungen bei zuletzt 76,3 %. 156 Fälle dieser Art wurden 2013 festgestellt.

Weitere Daten: Raube, insbesondere Straßenraube, hätten zugenommen, während die Fallzahlen bei gefährlicher und schwerer Körperverletzung zurückgingen. Rauschgiftdelikte nahmen mit 8.546 Taten in Hamburg zu (+8,1%). Hierzu zählten auch Kontrolldelikte und die Polizei weist darauf hin, dass die festgestellten Fallzahlen “in starkem Maße von Kontrollstrategien und – intensität der Behörden” abhänge. Einen erheblichen Zuwachs gab es im Bereich der Wirtschaftskriminalität. Es wurden 2007 Fälle registriert (+46,6%). Eine recht neue Kategorie ist die so genannte “Internetkriminalität”. Hier handele es sich um einen Bereich, bei dem das Kommunikationsmedium “Internet” als “Tatbestandsverwirklichung” eingesetzt wird (Zunahme +33,3%, 7.253 Fälle in 2013).

Im Bereich der Internetkriminalität nannte die Statistik mehrere Beispiele, hier im Original:

Beispiel 1:
Empfänger werden im Betreff und Text auf angeblich offene Forderungen bzw. bereits erfolgte Mahnungen zu abgeschlossenen Mitgliedschaften, Onlineeinkäufen o. ä. hinweisen. Die Absender behaupten dabei offene Forderungen von bis zu mehreren tausend Euro und geben durch unautorisierte Nutzung fremder Firmen- und Impressumsangaben vor, ein großes Handelsunternehmen oder Vergleichbares zu sein. Über den Inhalt der E-Mail („letzte Mahnung“…“weitere Einzelheiten entnehmen Sie dem angehängten Dokument“, etc.) soll der Empfänger dazu verleitet werden, den Dateianhang (*.ZIP) der E-Mail zu entpacken und die dort befindliche Datei (u.a. Mahnung.exe; Bestellung.exe; Unterlagen.pdf) zu öffnen. Bei dieser im Anhang der E-Mail befindlichen Datei handelt es sich jedoch durchgehend um Schadsoftware (Trojaner), welche durch das Öffnen auf dem Rechner unbemerkt installiert wird.

Beispiel 2:
Durch die Fa. „Microsoft“ erging der Hinweis, dass auf der Internetplattform „ebay“ professionelle Fälschungen von Datenträgern mit dem Betriebssystem „Windows“ in einer Stückzahl von bis zu 4.000 Exemplaren durch verschiedene Händler veräußert wurden. In Hamburg konnten neun Verkäufer (27 bis 42 Jahre, verschiedene Nationalitäten) namhaft gemacht werden. Im Juli 2013 wurden Durchsuchungsbeschlüsse vollstreckt und dabei umfangreiche Beweismittel in Form genutzter Computer und schriftlicher Aufzeichnungen sichergestellt. Zusätzlich wurden auch ca. 2000 Datenträger aufgefunden, die den von Microsoft beschriebenen Fälschungen entsprechen. Es handelte sich um Pressungen, welche aufgrund ihrer Beschaffenheit nur schwer vom Original zu unterscheiden waren. Die Beschuldigten nutzten offen ihre privaten Wohnungen für die Anmeldung bei „ebay“. Die Ermittlungen dauern an.

Beispiel 3:
Die kontoführende Bank der Geschädigten machte darauf aufmerksam, dass unbekannte Täter u.a. das Onlinekonto der Geschädigten ausgespäht und unautorisiert die postalische Zusendung einer neuen iTAN-Liste an die reguläre Postanschrift der Geschädigten initiiert hatten. In Erwartung einer zeitnahen Entwendung der Sendung nach postalischer Zustellung, wurde der Briefkasten der Geschädigten durch Observationskräfte des örtlichen PK und dem zuständigem LKA überwacht. Hierbei konnte ein verdächtiges Fahrzeug mit mehreren Insassen beobachtet werden. Zwei der Insassen (30 und 32 Jahre, russisch) „überprüften“ mehrmals den Briefkasten. Nach erfolgter Zustellung entwendeten die zwei einen Brief aus dem Briefkasten. Die Tatverdächtigen konnten festgenommen werden. Im Fahrzeug wurde eine weitere, vermutlich deliktisch erlangte iTAN-Liste aufgefunden und beschlagnahmt. Einer der Tatverdächtigen wurde der UHA Hamburg zugeführt.

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