Lok_Altona_BahnhofHamburg / Altona. Kein Geld von der Bahn. Kein Geld vom Bezirk. „Ich befürchte, der Zug ist abgefahren“, sagte Dr. Frank Toussaint, Beauftragter der ‚Enquete-Kommission’* der Bezirksversammlung Altona zur Aufarbeitung der „Lok-Gentrifizierung“ im Altonaer Bahnhofsgebäude. An die Stelle kommt der neue HVV-Stand (ALTONA.INFO berichtete). Die Lok-Führer bedauerten den Umzug der Relikte bereits.

Der Auftrag des Vorsitzenden war, im Amt zu kramen, was zu den abgebauten, tonnenschweren Teilen der Dampflokomotive im Schaufenster denn so alles in jüngster Vergangenheit gelaufen war. Toussaint berichtete dem Hauptausschuss und es wurde offenbar, dass hier irgendein ‚Papiertiger‘ (Politikersprech für „Drucksache“) in Vergessenheit geriet. Die Bahn hatte angeklopft und die Lokalpolitik sehr wohl gefragt, ob man denn die Überbleibsel historischer Relikte gerne in Altona behalten wolle. Frech antworteten die Bezirkspolitiker mit einem Antrag zurück: Ja, und zwar dort, wo sie jetzt ist (Drucksache XIX 1677E, PDF). Das war im August 2012. Man schlug alternativ vor, die Eisenbahnteile in der Mitte Altona zu integrieren. Das bisschen Geld hätte doch bei dem großen Bauprojekt drin sein müssen, murmelte ein Abgeordneter bei der Sitzung.

Wie bemühte man sich das beliebte Stück Geschichte hier zu behalten? Bei der Bahn gab es kein Einlenken, man schrieb dem Bezirksamtsleiter im Oktober 2012: „Es besteht weiterhin das Angebot, dieses historische Exemplar dem Bezirksamt zur Verfügung zu stellen, um es innerhalb der „neuen Flächen“ (Anm. d. R.: gemeint ist wohl die Unterführung) im Bereich der Großen Bergstraße integrieren zu können.“ Mit einer weiteren Drucksache bemühte man sich die Bahnfragmente in das Reichsbahngebäude zu überführen. Der dortige Eigentümer (DWI) und die Bahn würden es schon in bilateralen Gesprächen richten, hieß es im November 2012. Dann verging Zeit und im April 2013, so die Recherchen des Vorsitzenden, kam ein Schriftstück in das Amt aus dem man ein Platzen dieser Absprachen entnehmen konnte. Da lag es und niemand weiß, wieso es seinen Weg nicht in den politischen Raum fand. Das Ende vom Lok-Lied ist bekannt: Die Bahn fand ein Dampflokmuseum in Oberfranken. „Ausgesprochen blöd gelaufen“, kommentierte der Vorsitzende. Die Arbeit der Enquete-Kommission* zur Aufklärung der Kommunikationsprobleme ist damit auch vorläufig beendet.

*“Enquete-Kommission“ ist frei erfunden. Es heißt richtig: „Sachstandsbericht des Vorsitzenden“. Hier noch der Brief der Bahn AG an das Amt (PDF):

Antwort_Deutsche_Bahn

 

 

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