Kommt die U5 bis 2040 zum Osdorfer Born? Seit 1973 hieß es, die U4 käme. Darstellung: Hochbahn / FHH
Kommt die U5 bis 2040 zum Osdorfer Born? Seit 1973 hieß es, die U4 käme. Darstellung: Hochbahn / FHH

Hamburg. Anlässlich einer Sonderpressekonferenz stellten die Hamburger Verkehrsbehörde und die FHH-Tochter Hamburger Hochbahn einen “Vorschlag Schnellbahnnetz 2040” vor. Die Planungen, die eher als Vorschläge zu bewerten sind, schlagen eine neue U-Bahnlinie U5 mit zwei Varianten im Streckenverlauf bis zum Osdorfer Born vor. Hochbahn-Chef Günther Elste und Senator Frank Horch präsentierten in einem überfüllten Konferenzraum die Pläne für den Ausbau des Öffentlichen Personennahverkehrs in Hamburg.

Andere wachsende Metropolen machten es Hamburg schließlich vor, lautet das zentrale Argument. Seit 1995 seien in Hamburg lediglich 7km Schiene gebaut worden. Dagegen sind nach FHH-Darstellungen etwa in Madrid 150km, München 29km und Kopenhagen 21km Netzstrecke im Metro- bzw. Netzbetrieb entstanden.

Jetzt wird eine „Neue Linie U 5“ vorgeschlagen, die auch neue “Potentialgebiete”, d.h. Wohnraumgebiete schaffen könnte. Bramfeld, Steilshoop, City Nord, Winterhude, Uhlenhorst, die Volkspark-Arenen, Lurup und der Osdorfer Born werden als Haltepunkte aufgeführt. Zwei Streckenführungs-Varianten mit Haltestellen an der Uni, Hoheluft, Lokstedt (Nord) oder Altona-Altstadt, Ottensen-Süd, Bahrenfeld (Süd) stehen in der Präsentation. Ausbauvarianten werden auf einer anderen Seite vorgestellt (Präsentation der BWVI unten in der Galerie).

LPKU5Hochbahn-Chef Elste sei zwar weiter “begeistert von dem System Stadtbahn”, das GRÜNE und CDU zuletzt wiederholt und im Streckenverlauf angepasst vorlegten. Die planungsrechtlichen Grundlagen seien jedoch bei einem U-Bahn-Bau nach seiner Einschätzung unkomplizierter zu organisieren. Bei einem oberirdischen Verlauf rechne er mit viel Bürgereinsprüchen.

Eine Streckenführung müsse auch vor dem Hintergrund eines Wachstumspotentials in den Gebieten erfolgen. An jeder der beiden vorgestellten Strecken U5 (neu) und U4-Erweiterung wohnten selbst etwa 100.000 Einwohner. Angaben zu Fahrgästen könne man noch nicht vorlegen. Im Übrigen sieht der Hochbahn-Chef die Stadt durch Umweltvorgaben in der Pflicht, den ÖPNV massiv auszubauen und Individualverkehr zurückzuführen. Mit örtlichen Baubeginnen für die Tunnel auf einer Gesamtstrecke von 28-30 Kilometern Länge sei aus technischen Gründen für das einzusetzende Schildvortriebsverfahren eher in den Außenbereichen zu rechnen.

Wie wahrscheinlich ist eine Umsetzung der “Ideen”?

Vorsichtige erste Kostenschätzungen gehen von 2,5-5 Mrd. Euro Investitionskosten aus. Konkrete Angaben gibt es hierzu genauso wenig, wie es derzeit offenbar einen echten Planungsauftrag für den Verkehrsbetrieb gibt. Der politische Wille muss sich offenbar auch hier noch in Zahlen manifestieren. Anfang des Jahres hatte die Hochbahn von den Wünschen des Bürgermeisters zur U-Bahn aus der Zeitung erfahren. Das kommunale Verkehrsunternehmen plante drauf los, entwarf Skizzen und bei einer Klausurtagung der Sozialdemokraten in Boltenhagen beschloss die heute regierende SPD-Mehrheit, weitere Vorschläge zu verfolgen. Wenn Kosten für die Umsetzung noch nicht klar sind, so müsste bei konkretem politischen Willen klar werden, welche Ressourcen in die Vorplanung investiert werden sollen. Hochbahnchef Elste geht im Gespräch mit ALTONA.INFO von einer gut zweistelligen Zahl an zusätzlichen Ingenieuren (genauso viele, wie derzeit beschäftigt) aus, die die Hochbahn für ein konkretes Vorhaben beschäftigen müsste.

Unwägbarkeiten zu Baukosten der neuen U-Bahnnetze ergeben sich nach Angaben von Senator Frank Horch auch aus geologischen Gründen. So müssen auf der Strecke einer unterirdischen Führung bis zum Osdorfer Born auch die Tunnelanlagen von DESY Bahrenfeld in Betracht genommen werden. Schaut man in die Entwürfe, so sind gegenüber einer oberirdischen Führung, etwa auch einer Stadtbahn, Umplanungen der unterirdischen Forschungsanlage eingezeichnet. Auch das Grundwasser könnte in Hamburg und im Westen noch zu entsprechenden ‘Herausforderungen’ führen.

Eine tatsächliche Bewertung der Planungen wird erst nach Vorlage konkreter Handlungsaufträge durch Senat und Hamburgische Bürgerschaft möglich sein. Aus Regierungskreisen heißt es bisweilen, mit den vorgetragenen “Ideen” sei auch die Idee einer “Stadtbahn” vom Tisch. Die Opposition bestreitet dies. Fest steht nun, das Thema Verkehrspolitik und ÖPNV wird wieder einmal und umfangreich den aktuell bereits laufenden Wahlkampf dominieren. Vor dem Hintergrund der Schuldenbremse fragen sich einige Politiker bereits, an welchen Stellen die Stadt Hamburg sparen wolle, um entsprechende Investitionen stemmen zu können. (cz)

5 KOMMENTARE / LESERBRIEFE

  1. Zum Einen wäre es schön, wenn sich U- und Straßenbahn in einem System kombinieren ließen. Im dichtbebauten Bereich mit unterirdischem Verlauf und anderswo dann im Straßenraum. Zum Anderen erscheint mir ein ein Bahnring von Blankenese über Osdorf, Lurup, Eidelstedt, Niendorf, Flughafen, Steilshoop, Farmsen, Jenfeld und Horn nach Billstedt der Stadt einen größeren Nutzen zu bringen als neue, unverbundene Stichstrecken.

  2. Nur zur Erinnerung:

    „30. November 1974 Finanzkrise und „Rotstiftpolitik“
    In den letzten Jahrzehnten wurde sehr viel Geld in den Ausbau der Infrastruktur investiert, so auch in den U-Bahnbau. Nun musste man aber feststellen, dass die Ziele viel zu hoch gesteckt wurden und die Stadt verschuldet ist wie noch nie. Hierdurch kommt es zu einer ernsten Finanzkrise im Rathaus. Der Senat muss einsehen, dass der weitere Ausbau des U-Bahnnetzes zeitlich erheblich gestreckt werden muss. In der Praxis bedeutet dies, dass derzeit keine weitere Planungen in Angriff genommen werden können. ..

    Folgende Projekte fallen dem Rotstift zum Opfer:
    Geplante S4 von Hasselbrook nach Ahrensburg, angedachte S1 von Poppenbüttel nach Duvenstedt.
    U-Bahn: Die neue U4 Altona – Lurup – Osdorfer Born, die angedachte Bramfelder U-Bahn von Dehnhaide über Steilshoop,……..“

    http://www.hamburger-untergrundbahn.de/met-hh-c6.htm

    Dabei hätte man die Strecken durh die irrsinnigerweise totgelegte Strassenbahn dringend gebraucht.

    Nun werden die alten Pläne nach über 40 Jahren aus der Schublade
    gekramt und als Topinnovation verkauft…..

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