Hamburg / Altona. Die Stadt Hamburg verkündete mit 6.407 fertiggestellten Wohneinheiten in 2013 (2012 = 3.793 WE) einen neuen Rekordwert. Er zeige auch, dass Kritiker („in Genehmigungen kann man nicht wohnen“) falsch liegen. Die Anzahl der neu genehmigten Wohnungen durch die Hamburger Bezirke soll in diesem Jahr ebenfalls einen Rekord erreichen. In Altona – das ergab eine Abfrage beim Bezirksamt, liegt die Zahl der Wohnungsbaugenehmigungen über dem Durchschnitt der Bezirke. Allein in den letzten drei Jahren (2011-13) sind 4.507 neue Wohneinheiten genehmigt worden (siehe Grafik mit Stadtteilübersicht).

Im Fokus der Kritik sind aber neben den strukturell wichtigen Neubauwohnungen auch die auslaufenden Bindungen für zahlreiche sogenannte Sozialwohnungen. Trotz eines Anstiegs bei Haushalten mit Dringlichkeitsschein bzw. entsprechender Bestätigung in Hamburg ist die Zahl der Bindungen (Regelfall 15 Jahre) stark rückläufig. Folgt man dem ‚Drittelmix‘, müssten bei 6.407 Wohnungen etwa 2.000 günstigere Wohnungen geschaffen worden sein. Die städtische Baugesellschaft SAGA realisierte etwa 1.000 Wohnungen in 2013. Nach einer Aufstellung des Senats ist der Rückgang auslaufender Bindungen zwar statistisch in genau diesem Jahr 2013 zumindest unterbrochen, offenbar aber noch nicht gestoppt worden. Im Jahr 2012 gab es noch 98.893 Wohnungen mit Bindung, 2013 waren es 98.885 (Altona 2012 = 12.835).

Blickt man zehn Jahre zurück, so fehlen trotz höherer Nachfrage über 40.000 Wohnungen (2004: 141.500) und allein im Jahr 2014 würden etwa 10.000 Wohnungen aus der Bindung fallen (2014, ohne Addition fertiggestellter Wohnungen = 88.687 erwartete Wohnungen mit Bindung).

Kommentare aus der Politik zum Wohnungsbau

Die SPD brüstet sich ihrer Erfolge auf dem Wohnungsmarkt. Man habe das Wahlversprechen von 6.000 fertiggestellten Wohnungen pro Jahr zumindest im letzten Jahr erreicht. Die Bürgerschaftsabgeordnete Anne Krischok (MdHB, SPD) räumt allerdings ein, dass vor dem Hintergrund der enormen Nachfrage und des anhaltenden Zuzugs nach Hamburg die Lage auf dem Wohnungsmarkt weiter angespannt bleiben werde: „Daher ist es wichtig, den Wohnungsneubau langfristig auf hohem Niveau fortzuführen und gleichzeitig mit einer sozial verantwortlichen Mieterschutzpolitik zu flankieren“, so Krischok. Als Beispiele führt die Abgeordnete hier die Deckelung von Erhöhungen bei Bestandsmietverträgen auf maximal 15 Prozent innerhalb von drei Jahren, die Verschärfung des Wohnraumschutzgesetzes, den Erlass sozialer Erhaltungsverordnungen sowie die Mietpreisbremse vom Bund an, die im Bereich der Wiedervermietung greifen soll.

Heike Sudmann (MdHB, LINKE) hatte in ihrer Großen Anfrage das erhebliche Defizit an Sozialwohnungen aufgedeckt (XX-10649, PDF). Den über 400.000 berechtigten Hamburger Haushalten (41 Prozent aller Hamburger Haushalte) stünde nur noch ein Angebot von gut 88.000 Sozialwohnungen gegenüber, so eine Mitteilung der Fraktion. Sudmann kritisierte auch sogenannte Gebietsfreistellungen in den Gebieten Mümmelmannsberg, Neuallermöhe-West, Steilshoop und Wilhelmsburg. Hier hätte der Senat Sozialwohnungen an Personen vergeben, die keinen §5-Schein haben und sich eigentlich anderen Wohnraum leisten könnten.

Die Spitzenkandidaten der Altonaer Parteien hatten bei einer Podiumsdiskussion Gelegenheit, ihre politischen Zielsetzungen zum Wohnungsbau im Bezirk Altona zu artikulieren. Hier wurde deutlich, dass Wohnungsbau auch nicht erst seit dem Vertrag für Hamburg ins Rollen gekommen ist. Man verfolge die festgelegten Ziele konsequent, sicherte Thomas Adrian (SPD) zu, während Uwe Szczesny (CDU) eine Verlängerung der Mietpreisbindung von 15 auf 20 bzw. 25 Jahre forderte. Dies fand Zustimmung bei Robert Jarowoy (LINKE). „Wir müssten Bindungen aufkaufen“, betonte Gesche Boehlich (GRÜNE) bei dem Thema, während Lorenz Flemming (FDP) auf städtebauliche Defizite, etwa bei Othmarschen Park verwies und Mietobergrenzen ablehnte. Dass das Umfeld beim Wohnunungsbau auch qualitativ erhalten bleiben muss, darin waren sich fast alle Vertreter einig. Anworten sind hier nachzuhören (ab Minute 17:22):

Wer sich intensiver für das Thema Wohnungsbau im Bezirk Altona interessiert, der kann auch durch das aktuelle „Wohnungsbauprogramm 2014“ aus Altona blättern (PDF, ca. 130MB, besser erst vollständig laden). In einer 300-seitigen Broschüre sind eine Reihe statistischer Daten, planbare Wohnungsbauflächen und entsprechende Kommentare vom Bauamt aufgeführt. Aus einer Aufstellung auf Seite 51 geht etwa hervor, dass in den Stadtteilen Groß Flottbek, Blankenese und Othmarschen der Anteil an öffentlich-gefördertem Wohnungsbestand bei lediglich 1 Prozent lag, während in die Spitzenreiter weiter Altona-Altstadt (21%) und Lurup (20%) im Bezirk sind. (cz)

2 KOMMENTARE / LESERBRIEFE

  1. 7 Euro ( NETTO KALT!!!, also Warm eher 9 bis 10) ) ohne Bindung?

    Weiterträumen!

    Immer genau hinsehen, wenn man die Statistik nicht selber gefälscht hat.

    Die 6000 Wohnugen werden nämlich in Form von erteilten Baugenehmigungen gezählt, auch wenn die Fertigstellung noch Jahre dauert.
    Schlimmer noch, es handelt sich um Bruttozahlen…..preiswerter Wohnraum wird vernichtet, aber in der Rechnung gar nicht berücksichtigt…..am Ende hat das ganze die Qualität der Arbeitslosenstatistik..eine Farce.

  2. Interessanter Beitrag und danke für den Link zum Wohnungsbauprogramm. Wohnungen ohne Bindung der Genossenschaften kosten immer noch unter 7 EUR? Die Wohnungsbaupolitik zieht an. Nur nicht aufhören zu bauen und jetzt muss auch mal langsam was für Familien getan werden. Wie sollen die zu diesen Mondpreisen eigentlich ihre Rente absichern können? Ab aufs Land?

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