In eigener Sache…

Fünf Jahre Lokalzeitung für Hamburg-Altona mit über 10.000 publizierten Beiträgen, vielen Terabytes an Daten liegen hinter uns und nachschlagbar in den Archiven der Redaktion. Insgesamt haben an ALTONA.INFO seit Beginn und bis heute etwa 25 Personen intensiv und journalistisch mitgearbeitet. Am 20. Juni 2014 feiern wir ganz still und leise unser Jubiläum – ohne TamTam. An alle Beteiligten der ersten und weiteren Überstunden, natürlich auch an unsere Leserinnen und Leser, vorab ein herzliches Dankeschön!

Nach mehreren Monaten Arbeit wurde ALTONA.INFO zur Altonale 2009 veröffentlicht. Wir hatten einen ‚Initiativenstand‘, verschenkten Ansichtspostkarten, sammelten E-Mail-Adressen, machten eine Umfrage und diskutierten den ‚Umstand‘, eine Lokalzeitung nicht auf Papier zu produzieren.

Ein paar Hauptthemen aus fünf Jahren: Buchenhofwald, Ikea, Schanzenfest, Altonale, 700-Jahre Ottensen, Altonaer Bahnhof & Mitte Altona, 2x Bundestagswahl, 2x Europawahl, 3x Bezirkswahl, 2x Bürgerschaft, 1x Bezirksamtsleiterwahl,  Brammerfläche, Tempo 30, B431, S-Bahn-Ausbau Altona-Wedel, Elbtreppe, Bürgerhaus Bornheide, Wohnungsbau, Fernwärme, Flüchtlinge, Hundertwassercafé, Hemmingstedter Weg, A7-Deckel,  Jugendhilfe, Kolbenschmidt, Grünpflege, Landstrom, Moorburgtrasse, Altonaer Museum, Zukunftsplan, Lüttkamp, Ortskern Blankenese, Kundenzentren, Sparpapiere, Bergspitze, Rote Flora, Radverkehr, Seefahrtsschule, Lampedusa, Geburten und Familie, Gefahrengebiet und weiteres Blaulicht, sicher viel vergessen, und, und, und.

 

Abriss einer kurzen Geschichte

Nach dem Start im Sommer 2009 ging es rapide bergauf mit Zugriffen und Bekanntheitsgrad. Der handgezeichnete Baum im Logo, der die Sehnsucht eines Städterlebens ausdrückt und ganz nebenbei für den sehr grünen Bezirk Altona steht, machte die Runde. Wir twitterten fleißig, fingen an, uns mühsam in die Gefilde des Altonaer und Hamburger Rathauses vorzukämpfen. Gefühlte tausend Gespräche mit dem Inhalt „Eine neue Lokalzeitung, ohne Papier, wie geht das denn?“ sind in bleibender Erinnerung. Unser Produkt sollte dabei gar nicht so erklärungsbedürftig sein. Immerhin setzen wir trotz des digitalen Zeitalters auf das, was der Leser bereits seit hundert Jahren kennt: Journalismus in der täglichen Lokalzeitung.

Mit den digitalen Mechanismen dieser Welt umzugehen, ist nicht nur für eine Bundeskanzlerin, sondern auch viele Lokalpolitiker und hiesige Unternehmen „Neuland“. Vorsichtig-skeptisch wurden wir aus politischen Kreisen beobachtet. Einige glaubten uns vorerst nicht, dass wir parteipolitisch neutral sind. Andere merkten ganz unverblümt-hanseatisch an: „Ihr wollt doch sicher Geld verdienen.“ Zuweilen erleben Betroffene, dass Digital-Gesagtes nicht einfach in die Tonne wandert und eine gewisse Grundvalidität benötigt. Meinung ändert sich, nur wird jetzt nachschlagbarer, was mal gefordert und dann auch umgesetzt wurde. Die Tatsache, dass wir fortan intensiv aus dem ‚Kommunalparlament‘ und vielen Ausschüssen berichteten, trug auch zu einer neuen lokalpolitischen Qualität bei. Ich nenne es gerne Validität. Kombiniert mit audio-visuellen Ausgängen, verlinkt und ohne Textbeschränkung oder Termindruck mahnt sie zur Vorsicht, wie sie gleichzeitig zur Partizipation anregt. Das alles will von Politikern wie Bürgern geübt sein. In den letzten fünf Jahren gab es dazu reichlich Gelegenheiten in Altona.

 

— Hinweis: Wenn Sie keine Lust auf Anekdoten und Geschichte haben, können Sie den nachfolgenden Teil einfach bis zur Marke überspringen. –

 

Olaf Scholz und Marcus Weinberg in der Redaktion

Wir waren gerade ein halbes Jahr alt, da wollte der heutige Bürgermeister und damalige Bundestagsabgeordnete Olaf Scholz unsere kleine Redaktion im Osterkirchenviertel kennenlernen. Scholz kam, hörte zu. Wir zeigten ihm, dass viele Bundestagsabgeordnete schon damals die Sozialen Netzwerke nutzten und alle Kommentare auf einer Twitterwall unserer Zeitung gelesen werden können. Scholz gab Video-Antworten auf Bürgerfragen, die wir eine Stunde zuvor auf dem Ottenser Wochenmarkt aufnahmen. Er antwortete auf Fragen von Lesern mit einem Kommentar. Die ‚Digitale Bürgersprechstunde‘ war geboren. Der Bundestagsabgeordnete Marcus Weinberg folgte zur „Online-Sprechstunde“ und auch viele weitere Akteuere gaben uns Interviews. Feedback gab es prompt von Lesern und spannende Hinweise erreichen unsere Redaktion bis heute und helfen bei der Arbeit.

2010 gestalteten wir unsere ersten Mediadaten. Anzeigenwerbung sollte es nach einem guten Jahr reiner Investition schließlich auch geben und wurde auch nachgefragt. Wir kamen sofort mit einem expandierenden Möbelhaus ins Gespräch. Daraus entwickelte sich die Idee eines von unserer Redaktion betriebenen und moderierten ‚Bürgerforums‘. Voraussetzung war, dass das Unternehmen sich bereit erklärte, auf Fragen von Bürgerinnen und Bürgern zu seinem Bauvorhaben und anderen Themen  öffentlich zu antworten. Etwa 1.500 Kommentare machen bis heute klar, dass das Thema wichtig ist.

Nun, Altona ist nicht Ikea und Ikea ist bekanntlich auch nicht Altona. Wir schauten uns auch anderweitig um. Es folgten Parteien, Einkaufszentren, Einzelhändler. Nur mit der Stadt Hamburg und seinen vielen Behörden gab es für uns unvorhersehbare Probleme. Die FHH befindet sich bis heute in exklusiven Verträgen und wirbt nicht oder nur kaum selbst für seine Dinge außerhalb jener Verträge für die stadteigene Domain.

Die Arbeit in der Redaktion wuchs, die Anzeigenvertretung wurde ausgegliedert. Die Idee, auch in anderen Angelegenheiten zu moderieren, baten wir etwa zur ‚Mitte Altona‘ oder in anderen Planverfahren an – leider bis heute erfolglos. Ein kleiner Eindruck von der kaufmännischen Arbeit hinter unserer Lokalzeitung: In unserer Kartei führt der Verlag aktuell 14.000 Gewerbetreibende und Organisationen im Bezirk Altona. Etwa 100 sind in den letzten Jahren Werbekunde unserer Lokalzeitung geworden. Werbepause: Unser Kundenberater freut sich darauf, noch viel mehr Altonaer Unternehmen davon zu begeistern, dass Werbung in einem ansprechenden und seriösen digitalen Umfeld besonders gut funktioniert. Ende der Werbedurchsage.

Während ALTONA.INFO Ende 2010 die 15.000er-Marke abgerufener Seiten (Klicks) erreichte, kamen die ersten ‚Leserspenden‘ an. Je mehr wir nach Themen suchten, desto mehr Anregungen kamen auch auf uns zu. Mit den Plänen des Vorgängersenates – etwa zur Schließung des Altonaer Museums oder dem Start der Umsetzungsplanung zur Mitte Altona – erreichten uns 2010 zwei große neue ‚Visionen‘. Aus der einen wurde bekanntlich nichts. Bei dem anderen Thema ist der verspätete Zug noch nicht abgefahren. Wir erfanden den „Aufreger der Woche“. Eine Redakteurin fragte Kunden auf den Wochenmärkten mit Filmkamera, was denn „Ihr Aufreger der Woche“ sei. Wir rubrizierten, schufen Dossiers etwa mit „Ein Stück Altona“, eine regelmäßige Lektüre aus den Geschichtsarchiven.

Mit dem Machtwechsel 2011 in der Bürgerschaft änderte sich der Blickwinkel der Parteien auf unser Wirken. Die SPD war plötzlich Regierungspartei, CDU und GRÜNE in der Opposition mit den LINKEN und der FDP. Spätestens mit unserer Berichterstattung zur Wahl 2011 hatte ALTONA.INFO den Beweis angetreten, eine lokalpolitisch-aktive, aber parteipolitisch neutrale Lokalzeitung zu sein. Im Rahmen einer Dozenten-Tätigkeit brachten wir uns ebenfalls ein. 20 Journalistik-Studenten und unsere Redaktion nutzten im Rahmen eines Projekts die Gelegenheit, sich in allen anderen Bezirken umzuschauen.


Schneller oder besser

2012 war vielleicht unser intensivstes Jahr. Die erste Volontärin machte ihren Abschluss cum laude. Das jüngste Mitglied der Chefredaktion erblickte das Licht der Welt. Wir schufen einen umfangreichen Veranstaltungskalender, richteten Audio-Beiträge ein, kritisierten die neuen Regierenden und starteten eine Vielzahl von Recherchethemen. Unsere Lokalzeitung trat als eine der ersten rein digitalen Telemedien kostenpflichtig und freiwillig dem Presserat und Pressekodex bei. Der Stil unserer Zeitung hat sich seit 2012 ein wenig verändert. Setzten wir vormals insbesondere auf Schnelligkeit, stiegen wir jetzt noch intensiver in Zusammenhänge ein. Themen, die nicht weglaufen, publizieren wir bis heute vorerst nicht und verschwinden auf das Recherche-Deck bis alle nötigen Informationen an Bord sind.

Die Bereitschaft mit uns zu sprechen nahm ab, sobald wir den Finger in die Wunde legten. Hin- und wieder bemühten wir unseren Berufsverband oder mussten Behörden direkt auffordern, doch das Presserecht zu beachten. Probleme gibt es in vielen Recherchethemen bis heute. Wer glaubt, dass auch in Hamburg nicht täglich um die Pressefreiheit gestritten werden muss, den müssen wir leider desillusionieren. Man kann sicher sagen, dass unserer Redaktion nach mehreren Jahren lokaljournalistischer Arbeit auch eine bessere Einschätzung zu vielen Themen gelingt.


Wahl- und Machtkämpfe

2013 fand die Wahl des neuen Bezirksamtsleiters in Altona statt und wir begleiteten das Treiben der Fraktionen investiv. Diese wichtige Personalentscheidung war auch eine Zerreißprobe für die Rot-Grüne-Koalition. Am Ende wurde Jürgen Warmke, mit dem wir noch ein ausführliches Abschiedsinterview führten, von Dr. Liane Melzer abgelöst. Unbeachtet dessen ging es in dem Jahr auch in den Themen heiß her. Politischer Dissens aus dem Altonaer Lokalparlament wurde am Beispiel der Roten Flora, den Lampedusa-Flüchtlingen oder im Bereich der Jugendhilfe deutlich. Die Stürme Christian und Xaver waren eine ganz andere Herausforderung für manchen Lokalredakteur, der nun auch mal um 4:00 Uhr morgens seinen Dienst in den Sturmfluten begann. Zum Jahreswechsel gab es Krawalle in der Schanze – der bisherige Eigentümer hatte mächtig viel Raum für seine Thesen erhalten.

Mit den „Gefahrengebieten“ zu Beginn von 2014 verging kaum ein Tag oder Wochenende ohne Demos in Altona. Die Krawalle vom Jahreswechsel und unterschiedlichste politische Interessen trafen aufeinander. Wir beobachteten die Lage. Standen mal am Feuer mit nicht so freundlichen Vermummten oder nicht besonders gesprächsfreudigen Polizeibeamten. Wir befragten die Prominenz beim Blankeneser Neujahrsempfang. Was inhaltlich Sinn ergab wurde publiziert. Lampedusa-Demos fanden selbst bei gefühlten Minus 20 Grad statt. Rund um die Rote Flora wurde es juristisch und wir studierten die Verträge.

Der Wahlkampf für die Bezirkswahl begann früh. Es ist der ‚Preload‘ für die Bürgerschaftswahl 2015, sagte ein Politikberater. Und wieder wurde fleißig versprochen: Ein Wärmekonzept, ein Deckel, eine U-Bahn, mehr Ausbau von Radwegen. Die Ausstattung der Bezirke wurde zuletzt folgenlos kritisiert. Ein Plädoyer für eine besser funktionierende Lokalpolitik folgte. Wir moderierten auf Wunsch der Bezirksversammlung die Podiumsdiskussion aller Spitzenkandidaten der antretenden Altonaer Parteien. LIVE: Unsere Zeitung übertrug die letzte Sitzung der 19. Bezirksversammlung Altona. Wieder eine Premiere.

Am 19. Juni wird die dritte von uns verfolgte Legislaturperiode des hiesigen ‚Kommunalparlamentes‘ gestartet. Das Jahr ist erst halb um. Mit Beginn der diesjährigen Altonale am 20. Juni startet unsere Lokalzeitung in das sechste Erscheinungsjahr.

 

Hinweis: Hier sollten Sie jetzt weiterlesen, um den wesentlichen Teil der Information zu erfassen. Dies entspricht auch dem Leseverhalten eines durchschnittlichen Online-Lesers  –

 

Blick nach vorn – Projekte für die nächste Zeit

Je näher dieses Jubiläumsereignis rückte, desto klarer wurde in allen Überlegungen, dass nach fünf Jahren der nächste Entwicklungsschritt für unsere Zeitung fällig ist. Gerade in den letzten Monaten konnte ALTONA.INFO noch einmal zahlreiche Leserinnen und Leser gewinnen. Seit Jahresbeginn verzeichnen wir täglich etwa 2.500-5.000 unterschiedliche Leserinnen und Leser und 15.-30.000 Seitenabrufe. Unser Newsletter wurde bereits von über tausend Lesern abonniert.

„Wie gelingt es eigentlich, eine Lokalzeitung digital zu betreiben?“, werden wir seit Jahren immer wieder von Kollegen gefragt. Seit Anbeginn gebe ich der Medien-Fachpresse Interviews, bin Gast auf Podien, wenn es um die Zukunft des Lokaljournalismus geht. Es gibt mittlerweile ein Duzend Master- und Studienarbeiten, die sich mit ALTONA.INFO beschäftigen. Seit 2011 gelingt es etwa 90% unserer Umsätze direkt in bescheidene Gehälter und Honorare der Redaktion zu investieren und sog. schwarze Zahlen zu schreiben. Leser spendeten hin und wieder. Das Anzeigengeschäft und der Verkauf von Nutzungsrechten an Dritte bringt bisweilen maßgeblich Geld in die Redaktionskasse – dennoch könnte viel viel mehr passieren. Eine Leserstudie mit hunderten Befragten zeigte uns, dass das durchschnittliche Alter unserer Leser 43 Jahre beträgt. Mit  ALTONA.INFO sind wir mitten in der Gesellschaft angekommen und benötigen jetzt Ihre Unterstützung.


Investieren Sie in ALTONA.INFO

Eine Lokalzeitung in einem so großen Raum wie Hamburg-Altona, mit über 260.000 Einwohnern in vierzehn Stadtteilen, hat eine Menge mehr Potenzial. Letztes Jahr hatte ich auf einem Kongress Gelegenheit, mit vielen leitenden Redakteuren anderer Lokalzeitungen aus Deutschland zu sprechen. Kurzum: Es gibt viel kleinere Regionen in Deutschland, die mit viel mehr Kollegen arbeiten können und noch mehr über ihre Region schreiben, recherchieren, publizieren. Das sollte doch in Altona auch möglich sein!

Neben Leserinnen und Lesern sind jetzt auch Unternehmen, Institutionen und Organisationen aufgerufen, sich aktiv zu beteiligen. Wir möchten die publizistischen Grundsätze und den Betrieb ökonomisch dauerhaft sichern.

Ein Ziel kann die Gründung einer Genossenschaft sein. Leserinnen und Leser könnten so auch direkt an unserer Lokalzeitung beteiligt werden. Investieren möchten wir in mehr Redakteursstellen, ein Intranet und Marktplatz für Abonnenten. Angemeldete Leser sollen bei ALTONA.INFO in einem separaten Bereich bloggen können. Ein nachbarschaftliches soziales Netzwerk für Altona wird gerade technisch erprobt. Die Redaktion soll noch viel mehr in die vierzehn Altonaer Stadtteile gehen – gleichzeitig mehr Themen mit lokalem Charakter von der Landes-, Bundes- und Europaebene anbieten.

Liebe Leserinnen und Leser!

Ich persönlich meine, dass Altona eine eigene und gut finanzierte (digitale) Lokalzeitung verdient hat. Wenn Sie das auch so sehen, freue ich mich darauf, diesen Weg in den nächsten Jahren mit Ihnen gemeinsam zu gehen. Unterstützen Sie uns bitte bereits heute, indem Sie für unsere lokaljournalistische Arbeit bezahlen.

Sie investieren damit in ein Geschäftsmodell, dass unserer Gemeinschaft dient.

Herzliche Grüße aus der Redaktion!

Christoph Zeuch
Herausgeber und Chefredakteur

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