Altona / Altona-Altstadt. Das Ikea-Altona-Haus (genannt „IKEA City-Store“) hat jetzt in einer Mitteilung einen Einblick auf Ideen zu An- und Abfahrten seiner erwarteten Kunden gegeben. Ein Mobilitätskonzept (PDF) (Quelle BA Altona) wurde  vorgelegt,  wie im städtebaulichen Vertrag gefordert, und dem Ikea-Ausschuss der Bezirksversammlung Altona im Mai recht kurzfristig präsentiert. Das Unternehmen nennt jetzt auch Preise. Weiteres zu Öffnungszeiten, HVV-Tickets und Transportwegen.

Ein Sammelsurium von Maßnahmen, die von dem Verkehrsbüro Argus dargestellt wurden, soll dazu dienen, das gesteckte Ziel zu erreichen. Das Unternehmen, das bereits die Verkehrsprognose wagte, hat auf 26 Seiten der Politik dargestellt, was umzusetzen sei. Möglichst viele Kunden, aber mindestens 50% aller Besucher, sollen schließlich die öffentlichen Transportwege nutzen. Im Fazit heißt es dort: „Zusammengefasst liefert das Mobilitätskonzept einen ganzheitlichen Ansatz zur Bewältigung der Bedürfnisse der Kunden und Mitarbeiter. Mit einem Maßnahmenmix aus „weichen“ organisatorischen und „harten“ infrastrukturellen Bausteinen wird auf die besonderen Rahmenbedingungen am Standort Altona eingegangen und die urbane Mobilitätskultur durch alternative Mobilitätsangebote bewusst gefördert.“ Das Konzept wurde von Teilen der Lokalpolitik begrüßt – ob das alles so hinhaut, darin sind sich Beobachter jedoch noch uneins.

In der Woche dürfte das Verkehrsthema anders gelingen als am Wochenende, wie bereits Analysen vor Jahren zeigten. Zentrale Maßnahmen in der Vororgansation sind zwar durch städtische Behörden eingeleitet. Hier ist die Überarbeitung des Verkehrsleitsystems, das „Bewohnerparken“ oder der Umbau des Tunnels zur S-Bahn an der Max-Brauer-Allee zu nennen – allerdings erst teilweise umgesetzt. Das Unternehmen selbst will mit Transporthilfen, etwa Carsharing, Lastenfahrrädern und – Anhängern sowie Transportkarren Abhilfe schaffen. Zentral und auch in dem Konzept als optimaler bewertet sind aber Anlieferungsservices für Einkäufe die etwa per Fahrradkurier und Lieferfahrzeugen den Kunden nach Hause gebracht werden.

Die Rückfahrt sei jetzt auch gesichert, zumindest der Fahrschein in der ersten Eröffnungswoche vom 30.06. bis 06.07., teilte Ikea nun in einer Pressemittelung mit. Eine Kooperation mit dem HVV, wonach auf der Rückseite des Kassenbons ein Rückfahrtschein inkludiert sei, wurde bekannt gegeben. Ein Thema, das vor vier Jahren bei einem Workshop vor Ort von Bürgerinnen und Bürgern als Standardmaßnahme – also auch über die Eröffnungswoche hinaus – angeregt wurde. Erste Erfahrungen werden offenbar abgewartet.

 

Verwaltungsgericht bestätigte verkürzte Öffnungszeiten bis 19:30 Uhr

Die Bonner Wohnbau (das Unternehmen hat hinter dem Gebäude eine große Wohnanlage) hatte vor dem Verwaltungsgericht geklagt (wir berichteten). Das Gericht verhängte verkürzte Öffnungszeiten bis 19:30 Uhr. Ikea legte gegen diesen (Eil)Beschluss widerum Beschwerde ein. „Das Hamburgische Oberverwaltungsgericht hat über die eingelegten Beschwerden mit Beschluss vom 4. April 2014 entschieden und die Beschwerden allesamt zurückgewiesen (2 Bs 30/14)“, antwortete das Gericht auf Anfrage von ALTONA.INFO Ende April. Einstweilen bleibe es daher bei der Kürzung der Öffnungszeiten, um den nicht auszuschließenden „übermäßigen Lärmbelastungen“ zu begegnen, so das Gericht. Ein Hauptsacheverfahren steht indes noch aus.

 

Überblick über Lieferarten und -Möglichkeiten

Fahrradfahrer fänden zahlreiche Stellplätze auf dem Goetheplatz, dazu zwei öffentlich zugängliche Fahrradluftpumpen und Schließfächer im Eingangsbereich des Hauses. Kunden erhalten am Transportschalter im zweiten Stock einen Überblick, hier Auszüge aus der Darstellung des Unternehmens:

  • Taggleiche Lieferung, bei Abgabe der Waren bis 18 Uhr am Transportschalter
  • Leihtransporter, -anhänger (Anhänger ist kostenlos für die ersten drei Stunden)
  • sogenannte „Lastentaxen“, gegen Extraentgelt auch Transport der Möbel bis in die Wohnung, Kunde kann mitfahren (Kosten mit Personenbeförderung: ab 29 Euro/5 km)
  • Car-Sharing (Cambio, auf Parkdeck 4)
  • Fahrradkurier für größere Möbel, Kosten ab 9,90 Euro
  • „Paketfahrschein“: Für jeden Artikel aus der Selbstbedienungshalle ein Transport-Etikett (das erste ab 9,90 Euro, jedes weitere 6,90 Euro). Kleinere Artikel können in der „blauen Tasche“ für 9,90 Euro aufgegeben werden. Wenn möglich erfolge die Anlieferung hier noch am selben Tag.

Für den Transport von kleineren Artikeln sind vorgesehen:

  • Taschen (verschiedene Größen, ab 40 Cent)
  • Sackkarre (9,99 Euro)
  • Verleih Schwerlastkarre (kostenlos für die ersten drei Stunden)
  • Verleih Lastenfahrrädern (im Eingangsbereich vor dem Haus)
  • Verleih von Fahrradanhängern (kostenlos für die ersten drei Stunden)

Insgesamt stünden 730 Stellplätze auf vier Parkebenen zur Verfügung, die ausschließlich für Kunden sind. Mitarbeiter könnten ein HVV-Jobticket erhalten. Kunden parken die ersten beiden Stunden kostenlos, wenn sie für mindestens 20 Euro eingekauft hätten. Die Parkgebühr liege ansonsten bei 1,50 Euro pro Stunde, ab der vierten Stunde bei 3 Euro pro Stunde.  Ob die Parkgebühren reichen? Wenn doch mehr Fahrzeuge kommen, als gedacht, dürften auch hier die Gebühren hochgesetzt werden. Durch das Bewohnerparken im Umfeld wird aktuell dafür gesorgt, dass der kostenlose Parksuchverkehr weitestgehend vermieden wird.

In der Woche vom 30. Juni findet die verkehrliche ‚Operation am offenen Herzen‘ in Altona statt.

Mobilitaetskonzept-IKEA

7 KOMMENTARE / LESERBRIEFE

  1. Ich bin Soziologe und habe mich viel mit Stadtplanung bescäftigt. Das nun in kurzen Auszügen (sehr spät) vergestellte Konzept scheint mir etwas dürftig, es springt zu kurz. Ich erwarte nicht, dass es etwas am erwartbaren Verkehrschaos ändern kann.
    Ein paar Lastenräder vor dem Haus, Fahrradparkplätze auf dem Goetheplatz und ein paar Cambiofahrzeuge auf dem Parkdeck sollen den erwarteten zusätzlichen PKW-Aufkommen abmildern?
    Ich hoffe auf ein Nutzer-/Einkaufsverhalten, dass die HamburgerInnen die großen Einkäufe weiterhin in den angestammten zwei Filialen tätigen und nach Altona mit der Bahn fahren zum Shoppen von Kleinkram!

    Ich drücke uns allen in Altona-Zentrum die Daumen.

  2. Lieber Wutbürger,

    wenn Sie in der Metropole Hamburg zusätzlich noch im zentralen Stadtteil Altona wohnen, sollten Sie sich einmal Fragen, ob Verkehr und geschäftiges Treiben ist diesem Gebiet nicht zu erwarten ist?!

    Was würden Sie sagen, wenn sich ein Schäfer in der Lüneburger Heide über einen fehlenden U-Bahn-Anschluss mokiert?

    IKEA ist ein vorbildliches Unternehmen und schafft es bereits jetzt einen Schandfleck in Altona wieder zu beleben und hunderte Arbeitsplätze zu schaffen.

  3. „…Bedürfnisse der Kunden und Mitarbeiter….“ „und der Aktionäre“ habt Ihr noch vergesssen.

    Und die Bedürfnisse der Anwohner? Ich habe bis jetzt noch keine Unterlagen zum Anwohnerparken bekommen.

    Nächste Frage: wie sieht es in der Eröffnungswoche mit dem Busverkehr aus? Ich bin auf den 112 angewiesen, befürchte aber dass er im zu erwartenden Verkehrschaos auf der Stecke bleibt. Wird der Bus dann wieder über die Jessenstraße umgeleitet?

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