Altona / Nienstedten. An der Akademie für Führungskräfte der Bundeswehr (FüAK) ging es am Donnerstag um Frauen in der Bundeswehr, um Internationale Militäreinsätze, die Ausstattung, den NSA/CIA-Skandal und sehr allgemein darum, wie die neue Ministerin ankommt. Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen nahm – auf Wunsch ohne zustehende militärische Ehren – an einem Symposium teil und hielt zwei Reden – eine zur Frauenrolle und eine allgemeine Sachstandsrede vor internationalen Führungskräften. Bericht mit Audioteil.

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Wichtige Frauen bei der Bundeswehr – neben der Verteidigungsministerin, v.L.: Oberstabsarzt Dr. Antonia Baitz, Oberfeldwebel Annika Jordan (Feldjäger2), Verena Heep (stellv. Gleichstellungsbeauftragte des BMVg), Hauptfeldwebel Andrea Odenhausen (Einsatzausbildungsinspektion) Oberstleutnant zur See Sarnetzki (Pressez. Streitkräftebasis) und Generalarzt Dr. med Erika Franke (Sanitätsakademie der Bundeswehr).

“Ich kann bestätigen, dass es enorme Kraftanstrengungen braucht”, betonte etwa die ranghöchste Frau in der Bundeswehr Dr. Franke in einer Rede bei dem Symposium. Sie ist die bisweilen einzige Generälin und berichtete aus jahrelanger Erfahrung. Gewisse Stimmungsmache von Männerseite erfolge nach wie vor hinter dem Rücken, Sprüche seien an der Tagesordnung, so die Generalärztin der Sanitätsakademie der Bundeswehr. “Viele Männer meiner Generation haben ein Problem damit meine Leistung anzuerkennen”, so Dr. Franke.

Diese und weitere Berichte waren Grundlage des Symposiums “Soldatinnen in der Bundeswehr – Integrationsklima und Perspektiven” am 10. Juli. Die Worte der Generälin stehen qua symbolhaft dafür, dass noch eine Menge Umdenken bei der Armee notwenig ist. Ein Grund mehr sich dem Thema konsequenter zu stellen ist offenbar auch, dass eine Frau im Amt der Verteidigungsministerin wirkt. Eine Studie aus Januar 2014, “Truppenbild ohne Dame?” (PDF) des Zentrums für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr in Potsdam, verdeutlicht Handlungsbedarf, Probleme, die offenes Thema in dem Führungszentrum waren.

“Für einen relativ kleinen Teil der Frauen ist die Bundeswehr attraktiv”, so von der Leyen. Meist seien Frauen gezwungen, sich in einer kleinen Gruppe zu assimilieren, was in großen Einheiten besser gelänge. Die Vereinbarkeit von Dienst und Familie – ein besonderes Anliegen der Ministerin – sei indes nicht nur eine Frage von Frauen- sondern auch Männertypen in der Bundeswehr. Hier müsse man nochmal schauen, welche Männer überhaupt zur Bundeswehr passten, stellte von der Leyen klar. Sie ist überzeugt, dass sich an der Frauenquote und den Zuständen nur etwas ändert, wenn es Chefsache und kein Delegationsthema sei.

Am Rande des zweitägigen Symposiums findet auch eine Ausstellung “Frauen treten vor” der Helmut Schmidt Universität statt. Aus aktuellen Angaben geht hier hervor (04/2014), dass von 184.000 Soldaten lediglich 18.600 Frauen, diese weit überwiegend im Sanitätsdienst tätig sind.

Im nachfolgenden Audio-Beitrag hören Sie die Rede und Rückfragen aus dem Plenum.

 

_DSC6548Vor Führungskräften zu Russland, Internationaler Politik, Ausstattung, NSA-Affaire

Neben dem Besuch des Symposiums sprach die Bundesverteidigungsministerin auch zu ranghohen Führungskräften. “Sie sind die Führungskräfte von morgen”, so von der Leyen. Ihr spezieller Wunsch an die versammelten etwa 300 Offiziere: Die Bundeswehr müsse noch stärker in der Gesellschaft verankert werden. „Was würden Sie sich denn vorstellen und wie könne dies geschehen?“, gab die Ministerin als Aufgabe auf. Von der Leyen sprach über ihre Sicht auf Russland und die Enttäuschung der deutschen Regierung über das Verhalten in der Krim- bzw. Ukraine-Krise. Ein Thema auch die Ausstattung der Truppe und die Zusammenarbeit in der Nato.

Zu den aktuellen Spionage-Themen wurde von der Leyen zwar deutlich, sprach aber auch von einer gewissen Akzeptanz. Zunächst äußerte die Verteidigungsministerin, die neben der Abhöraffäre der NSA noch einen eigenen CIA-Spionageskandal im Vorzimmer zu untersuchen hat, ihren Unmut: “Dass zwischen befreundeten Partnerländern Informationen auf einer niederen Ebene gesammelt werden, da sagt mir mein gesunder Menschenverstand (…) dass gar nicht so viele Informationen, die relevant sind, gesammelt werden können, wie auf der anderen Seite Vertrauen zerstört wird. Was man über lange, lange Zeit nicht wieder aufbauen kann. Das macht die Sache doch so bitter. Das macht die Sache so schmerzhaft.” Von der Leyen: “Vertrauen in der Zusammenarbeit darf nicht zerstört werden, auch wenn bestimmte Formen akzeptiert werden”, schränkte sie dabei ein.

Die NSA-Sache zeige doch besonders, dass Europa die technische Entwicklung und Innovationssprünge vor Jahren verschlafen habe. “Wir sind damals von einer technischen Entwicklung abgehängt worden, als Europa. Deshalb sind wir so abhängig”, meint von der Leyen. “Das geht genau sie an, die schauen müssen, dass man technische Entwicklungen nicht abschneidet”, wendete sie sich die Anwesenden. Eine solche Entwicklung sei nur in zehn bis fünfzehn Jahren aufzuholen, “not in my political lifetime anymore”, so die Bundesverteidigungsministerin abschließend.

Rede vor Führungskräften und Rückfragen:

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