HorstDietrich
Horst Dietrich (†) bei einem Interview im Fabrik-Büro im September 2011.

Hamburg / Altona / Ottensen. Der Gründer der Ottenser FABRIK, Horst Dietrich, ist am 25. Juli im Alter von 79 Jahren infolge schwerer Krankheit verstorben. Als Mitbegründer der über vierzig Jahre alten FABRIK in Ottensen war er über mehrere Jahrzehnte bis 2012 auch der Geschäftsführer. “Die Fabrik war mein zweites Zuhause”, sagte Dietrich kurz vor seinem Ausscheiden nach vierzig Jahren FABRIK im Interview mit ALTONA.INFO.

Der Senat würdigte das Engagement: „Horst Dietrich ist einer der Väter der Fabrik gewesen. Er hatte Mut, und er hat sein ganzes Engagement in die Entwicklung dieses Kultur- und Kommunikationszentrums gelegt. Sein Name wird mit der Fabrik verbunden bleiben”, so der Erste Bürgermeister Olaf Scholz. Die FABRIK Stiftung trauert um ihren Gründer Horst Dietrich, der in Stenderup verstorben ist: „Wir verlieren mit ihm den Visionär, der sich für die Idee der FABRIK mit seiner ganzen Kraft und seinem Engagement eingesetzt hat. Dieser Idee fühlen wir uns weiterhin tief verbunden“, so Ulrike Lorenz, geschäftsführender Vorstand der Stiftung. Dietrich hatte 1971 zusammen mit dem Architekten Friedhelm Zeuner in der 150 Jahre alten, ehemaligen Maschinenfabrik das Kultur- und Kommunikationszentrum FABRIK gegründet. Als erstes und wohl bekanntestes Kultur- und Kommunikationszentrum in Deutschland, so der Senat, “holte sie die Kultur aus den Tempeln der Kunst in den Alltag und wurde zum Vorreiter einer europaweiten Bewegung von Kommunikationszentrums-Gründungen”.

Der große Kran vor dem Gebäude ist bis heute nicht nur Symbol einer einzigartigen sowie geschichtsbewahrenden Architektur mit einer Holzkonstruktion im Inneren. Er trägt auch symbolisch die fortbleibende Last, mit Kultur und Geschichte im Sinne aller Menschen behutsam umzugehen. Dietrich kämpfte noch kurz vor seinem operativen Ausscheiden selbst und erfolgreich gegen Kürzungspläne des Hamburger Senates im Jahr 2011. Es kam anschließend zu einer dringenden Sanierung. Eine paar Jahre zuvor wurde durch die Gründung der Fabrik-Stiftung bereits die Übergabe des Hauses eingeleitet. Dietrich wollte sich sehr sicher sein, dass das Erbe des Hauses bewahrt bleibt. Eine fortschreitende Krebserkrankung ließ ihm zuletzt nicht viel Kraft und Zeit für die Organisation.


“Kultur für alle ist das Stichwort”

Kunst und Kultur soll greifbar und begreifbar werden, so ein Motto der FABRIK. Die offene Kinder- und Jugendarbeit im Stadtteil bildet heute einen wichtigen Pfeiler, wie auch abendliche Kultur- und Kursprogramme – vom Mitmachen in der Töpferei und beim Fotokurs bis hin zum Besuch von Konzerten jeglicher Art. Die Fabrik ist dabei als überregional bekanntes Veranstaltungszentrum bis heute Bühne für viele Künstler, ohne ausschließlich Rücksicht auf das kommerzielle Vermarktungspotential zu nehmen. Diese Besonderheit sucht in der Hamburger Musik- und Kulturszene seinesgleichen. Bestrebungen der Stadt, die FABRIK unter der Dachmarke einer “Musikstadt Hamburg” zu integrieren, stand Dietrich nach Informationen dieser Zeitung bis zuletzt skeptisch gegenüber.

Politik dringt heute nicht nur von Innen nach Außen, wenn das Kommunikationszentrum Bühne für politische Parteien ist. Kritik wird von Außen, an der besten Werbefläche direkt unter Kran und Logo des Hauses sichtbar. Das legendäre Großplakat vor dem Eingang des Hauses wird – ebenso wie mancher Abend auf der Bühne des Hauses – unkommerziell genutzt. Immer wieder sind hier für die zahlreichen Besucher und Anwohner kritische Botschaften zu vernehmen, etwa “Das Geld is nich wech. Das Geld is nur wo anners” in Anspielung auf eine enorme Investition der Stadt Hamburg aus Mitteln der Kulturbehörde.

Das Vermächtnis von Horst Dietrich, Träger des Max-Brauer-Preises 1993, ist mit Sicherheit eine fortwährende Aufgabe für künftige Ottenser Generationen. Maler von Beruf, musste er offenbar kein Kulturmanagement studieren, um ein erfolgreiches Kulturzentrum zu etablieren. Dank seines Engagements bleibt mit der FABRIK in Ottensen eine fest verankerte Kulturstätte zurück, die von seinen Nachfolgern verteidigt werden will. Horst Dietrich machte in einem Interview kurz vor seinem Ausscheiden klar, mit welcher Mission: “Kultur für alle ist das Stichwort.“

Unser Audiointerview aus September 2011:

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