Altona / Ottensen. Wie durch mehrere Berichte bekannt wurde, plant die WPP-Gruppe, die weltgrößte Werbeagentur-Holding, den Bau einer neuen Hamburg-Niederlassung für mehrere Tochtergesellschaften, u.a. Scholz & Friends (unbestätigt) auf dem Zeise-Parkplatz. Die Nachricht verbreitete sich in den Sommerferien und sorgte für sofortigen Widerstand aus der Bevölkerung.  Geplant sei gemäß einer Mitteilung der Unternehmen WPP, Quantum und Procom nun auf dem Grundstück der Bau eines großen Gewerbegebäudes für 850 Mitarbeiter. Mehrere Niederlassungen des Medien- und Werbekonzerns sollen so an eine Stelle zusammenziehen.

Sind Sie für Wohnungs- oder Gewerbebau auf dem Zeise-Parkplatz?

Ergebnis

Wir sprachen bereits mit der Politik und einigen Managern. Nach einem hochbaulichen Wettbewerb war ursprünglich die Schaffung von Wohnraum, davon 50-Prozent öffentlich-gefördertem Wohnraum, zugesichert worden (wir berichteten). Nun kommt es überraschenderweise wohl alles ganz anders, obwohl der Senat eine sogeannnte Anhandgabe für das Grundstück zu diesem Zweck aussprach.

Nachdem es bereits eine Petition und erste Demonstrationen gegen das Vorhaben in Ottensen gab, startete nun auch die Initiative „Pro Wohnen“ eine Aktion und montierte symbolisch das Straßenschild an der Friedensallee um. Kern der Forderung ist hier, Wohnungsbau auf der Fläche neben den Zeisehallen zu realisieren. Durch die Ansiedlung der Werbeagentur befürchten Gegner eine weitere Aufwertung und Verdrängung. Andererseits richtet sich die Kritik auch gegen die Werbeagentur-Gruppe selbst.


Fragen an Senat und WPP

Wir stellten in den zurückliegenden Wochen Fragen an den Senat und an die WPP-Gruppe. Antworten stehen trotz mehrmaliger Nachfrage weiter aus. Unklar ist, wann etwa die Kommission für Bodenordnung (tagt regelhaft wöchentlich) dazu entscheiden wird. Zeitangaben wurden von der Finanzbehörde als nicht-öffentlich deklariert, obwohl es sich um ein öffentliches Grundstück handelt. Eine Anhandgabe bleibe im Rahmen des Vergabeverfahren bestehen, heißt es aus der Finanzbehörde. Mit welcher Begründung hier eine „Wirtschaftsförderung“ bestehe, untersuche die Wirtschaftsbehörde noch, so ein Sprecher der Finanzbehörde in Abstimmung mit der Behörde für Wirtschaft gegenüber unserer Zeitung.

WPP selbst beantwortete mehrere vor Wochen gestellte Fragen aus angeblichen Termingründen trotz Nachfrage nicht und wiederholte vielmehr die in einer Pressemitteilung genannten Eckdaten. Wir wollten wissen, ob die Zusammenführung mehrerer Tochtergesellschaften an einem Standort auch zu mehr Arbeitsplätzen führen wird oder eine Konsolidierungsmaßnahme am Standort Hamburg darstellt.

Die Kommunalpolitik aus Altona wurde von dem Thema kurz vor der Sommerpause überrascht. Eingeweiht waren offenbar nur wenige Mandatsträger, die an einer Präsentation des Vorhabenträgers teilnahmen. Eine politische Debatte wird in der nächsten Sitzung der Bezirksversammlung Altona erwartet.

2 KOMMENTARE / LESERBRIEFE

  1. Sehr geehrter Herr Zeuch,

    ich verfolge ihre Beiträge seit Jahren mit großer Begeisterung, da Sie alle sozusagen „Hand und Fuß“ haben.
    Bei diesem Bericht muss ich Ihnen jedoch widersprechen. Ja es hat einen Wettbewerb gegeben und dieses Ergebnis, so schön wie es ist, widerspricht dem aktuellen Bebauungsplan. Es handelt sich, wie jeder der daran auch wirklich Interesse hat, nachschauen kann ( http://www.geoportal-hamburg.de/bplan/Ottensen49.pdf ), um ein MK-Gebiet.
    MK = Kerngebiet

    Erklärung unter § 7 Kerngebiete BauNVO
    (1) Kerngebiete dienen vorwiegend der Unterbringung von Handelsbetrieben sowie der zentralen Einrichtungen der Wirtschaft, der Verwaltung und der Kultur… weiter unter ( http://dejure.org/gesetze/BauNVO/7.html )

    Für den Wohnungsbau müsste der Bebauungsplan geändert werden, das hat der damalige Auslober des Wettbewerbes verschlafen. Im Nachhinein ist das äußert ärgerlich, da der Wohnungsbau zur Zeit nicht realisiert werden kann, zum anderen ist es verständlich dass diese mittlerweile echt schäbige Fläche schnell bebaut werden muss.

    • Sehr geehrter Herr Flow,

      danke für die Ergänzung, der B-Plan ist bekannt. Die Lokalpolitik in Altona hat einen hochbaulichen Wettbewerb begleitet und im Übrigen – solange politischer Wille vorhanden ist (und der war ursprünglich klar für Wohnungsbau da, sonst hätte es auch den hochbaulichen Wettbewerb nicht gegeben) – die Möglichkeit, das Planrecht zu ändern bzw. Veränderungssperren einzuziehen. Hier geht es schließlich i.Ü. um eine öffentliche Fläche. Am Ende kann der Verkäufer hier sogar noch Auflagen machen.

      Das Thema ist sehr klar eine politische Angelegenheit und hat mit dem Planrecht nur am Rande zu tun. Daher verstehe ich auch Ihre Kritik nicht ganz.

      Was wir wissen: 2010 hatte der damalige Wohnungsbaukoordinator einen Wettbewerb ausgeschrieben. Es sollten Entwicklungsflächen (auch Gewerbe) vorgeschlagen werden, auf denen man Wohnungsbau durchführen möchte (http://www.altona.info/2010/10/07/senat-lobt-wettbewerb-fr-wohnungsbauflchen-aus-vorerwerbsrecht-wird-angeboten/). In dieser Folge kam es nach unseren Informationen zu der Praxis des sog. Anhandgabeversprechens. Einige Investoren haben sogar einfach Gewerbeflächen gekauft und setzten auf den nachträglichen politischen Willen zur Umwandlung in Wohnen…

      Ob nun jetzt von einer sog. Anhandgabe unter diesen Voraussetzungen weiter zu sprechen ist, beweifle ich, obwohl dies weiter behauptet wird. Wesentlich ist, ob sich ein oder mehrere Unternehmen bei der FHH um die Fläche bewerben und weiterhin, wann konkrete Anträge eingereicht werden (oder wurden). Informationen in solchen Fällen werden, soviel habe ich kenntlich gemacht, von der Exekutive in HH wohl auch aus politischen Gründen sehr restriktiv gehandhabt. Anders ist die Funkstille zu einem so wichtigen Vorhaben nicht zu erklären.

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