Hamburg / Altona / Bahrenfeld. Die Hamburger Desy-Forscher und der US-Konzern IBM entwickeln gemeinsam eine “Big-Data-Lösung für die Forschung”, so eine Mitteilung. Das System soll bis zu 20 Gigabyte pro Sekunde verarbeiten können und und Zugang für mehr als 2.000 Forscher jährlich bieten, die dann auch weltweit darauf zugreifen können sollen. Für die Kooperation zur Entwicklung einer hochperformanten Big-Data-Speicherlösung wurde jetzt eine Vereinbarung abgeschlossen. DESY setzt nun ein IBM-Speichersystem ein, das große Datenmengen extrem schnell handhaben soll. Zu Spitzenzeiten solle es bis zu 20 Gigabyte pro Sekunde verarbeitet können (etwa der Inhalt von rund fünf einfachen DVDs).

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Startschuss für die neue Petra III -Halle war 2012 in Bahrenfeld.

Solch große Datenmengen entstehen auf dem Campus der Einrichtung etwa an der Forschungslichtquelle PETRA III. Ihr hochbrillantes Röntgenlicht liefert Wissenschaftlern einzigartige Einblicke in den Nanokosmos – von neuartigen Halbleitern über Katalysatormaterialien bis hin zu lebenden Zellen. Mit dem 2,3 Kilometer langen Ringbeschleuniger, der elektrisch geladene Teilchen nahezu mit Lichtgeschwindigkeit durch spezielle magnetische Slalomstrecken schickt, sind mehr als 2000 Forscher pro Jahr beschäftigt. Das Licht wird dabei atomgenau die innere Struktur ihrer Proben zerlegt, wobei enorme Datenmengen entstehen. „Ein typischer Detektor liefert heute einen Datenstrom von etwa fünf Gigabit pro Sekunde“, erläutert der Leiter der DESY-IT, Dr. Volker Gülzow. Das entspricht knapp einer CD-ROM pro Sekunde. „An PETRA III steht aber nicht nur ein Detektor, sondern es gibt 14 Messstationen, die zurzeit auf 24 erweitert werden. Alle diese Daten müssen zuverlässig gespeichert und verarbeitet werden.“ DESY und IBM Research arbeiteten nun an einer Lösung auf Basis des IBM-Systems “Software-Defined-Storage” mit dem Codenamen “Elastic Storage”. Diese nach oben skalierbare Lösung soll die Datenmengen speichern und für die Analyse vorhalten. Forscher könnten so schnelleren Zugang zu ihren Messdaten erhalten und DESY auf diese Weise “Analysis-as-a-Service” und Cloud-Dienste für die Nutzer seiner Anlagen aus aller Welt anbieten. Die Lösungen sollen auch bei künftigen Themen bei der Verarbeitung von Forschungsdaten helfen. In Zukunft viel größere Datenmengen Mit dem europäischen Röntgenlaser European XFEL bauen DESY und internationale Partner derzeit eine Forschungslichtquelle, die noch viel mehr Daten produzieren wird als PETRA III. „Wir erwarten vom European XFEL etwa 100 Petabyte pro Jahr, also 100 Millionen Gigabyte“, erläutert Gülzow. Das sei vergleichbar mit dem Datenvolumen des weltgrößten Teilchenbeschleunigers LHC (Large Hadron Collider) am europäischen Teilchenforschungszentrum CERN bei Genf. Die Software könne für das Forschungszentrum in Zukunft auch Analysen in Echtzeit anbieten, so Jamie Thomas, Manager bei IBM. Einerseits profitiere man von der Erfahrung mit DESY,  bringe aber auch Erfahrungen aus datenintensiven wissenschaftlichen Bereiche wie etwa Astronomie, Klimaforschung und Geophysik ein.

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