Altona / Flottbek. Die Bezirksversammlung beschloss auf Empfehlung des Sportausschusses ein Pilotprojekt mit sogenanntem Hybridrasen durchzuführen. Hintergrund: Die erheblichen Rüstkosten für einen Kunstrasen, den sich viele Sportvereine wünschen, seien mit 300-500.000 Euro höher als bei einer Mischform von echtem Rasen und Kunsthalmen. Ein Industrievertreter im Ausschuss wurde vorstellig, die BV übernahm die Idee auf und betragte den Piloten. Das für Sportverwaltung zuständige Amt – angesiedelt beim Bezirk Mitte – wiegelte jetzt ab. Das sei alles schon bekannt, eigne sich jedoch nicht für intensiv bespielte Plätze, geht aus einer Anwort hervor.

„Die Möglichkeiten die Tragschicht von Naturrasen durch eine Kombination mit synthetischen Materialien zu stabilisieren sind seit Jahren bekannt und mit unterschiedlichem Erfolg getestet worden“, so das Amt eingangs. Die Bezeichnung „Hybridrasen“ suggeriere „zu Unrecht eine Innovation, die über den Begriff hinausgeht“, lautet die Kritik. Offenbar eine reine Verkaufsmasche.


Kunstrasen bei belasteten Plätzen strapazierfähiger

Das Amt geht aber noch weiter und unterteilte zunächst bekannten Produkte, die sich unter dem Stichwort zusammenfassen lassen, in die Gruppen Faser-Implantate, Synthetische Zuschlagstoffe Trägergewebe mit Kunststoffrasenfasern.

Die Strapazierfähigkeit von Naturrasen sei eingeschränkt, durch eine Kombination mit synthetischem Material werde er jedoch nicht belastbarer, die ziele mehr auf eine Verbesserung der Scherfestigkeit der Grasnarbe. In der Praxis bedeute dies, dass etwa das Heraustreten von Grassoden im Trainings- und Spielbetrieb erschwert wird, verhindert werde aber nicht, dass die Grasnarbe abgenutzt wird. Aus solchen Gründen seien diese Produkte bislang hauptsächlich in Fußballstadien und auf Trainingsplätzen von Erst- und Zweitligavereinen zum Einsatz gekommen, die ein hohes Maß an Verfügbarkeit brauchen aber gleichzeitig relativ gering frequentiert sind. Im Bereich des Breitensports, um den es bei den öffentlichen Sportplätzen hauptsächlich ginge, führten „diese Produkte zu keiner signifikanten Verbesserung im Sinne einer höheren Belastbarkeit“, so das Sportamt. Der Eindruck höherer Belastbarkeit entstehe sei nur ein fiktiver, da das abgenutzte Feld durch hervorstehe grüne Kunststoffbändchen noch gut zu sehen ist – „ein rein optischer Effekt“, so die Bemerkung.

Von der Belastbarkeit liege ein Belag aus Hybridrasen dennoch geringfügig vor einem reinen Naturrasenbelag, aber nach wie vor deutlich hinter Tennen- und Kunststoffrasenbelägen. Ein weiterer Nachteil von Hybridrasenbelägen sei außerdem die Störung der „Sortenreinheit“ und die Steigerung des Pflegeanspruches. Produktabhängig führe dies zu Sondereinsätzen für das Mähen, das Vertikutieren und das Aerifizieren, sowie Teilinstandsetzungen – faktisch höheren laufenden Kosten.

Weiterhin lägen die tatsächlichen Kosten für ein Großspielfeld bei 100 bis 400.000 Euro, „durchaus im Bereich der von Kunststoffrasenbelägen bzw. darüber“, schließt das Amt in ihrer Antwort an das Altonaer Lokalparlament. Einen Modellversuch lehne man aus den vorgetragenen, fachlichen Gründen ab, werde sich jedoch bei anderen Städten und Gemeinden über Erfahrungswerte erkundigen und bei turnusmäßigen Sitzungen des „Beirats Bezirklicher Sportstättenbau“ berichten.

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