AKW Brunsbüttel: Bisher 38 stark beschädigte Atommüllfässer gefunden

Nord / Kiel.Ein Zwischenergebnis in Sachen rostender Atommüll: Bei der Inspektion von Kavernen des Kernkraftwerks Brunsbüttel seien bislang an 38 Fässern mit schwach- bis mittelradioaktiven Abfällen starke Rostschäden oder andere schwere Beschädigungen festgestellt worden, teilt das Kieler Umweltministerium mit.

Teilweise sei die Korrosion wanddurchdringend, teils seien Fassinhalte bereits ausgetreten. Insgesamt sind von 631 Fässern bisher 217 untersucht worden. Das berichtete Minister Robert Habeck am Freitag im Kieler Landtag. Besonders starke Schäden wiesen 20 von 118 Fässern in der Kaverne II auf, die im August inspiziert worden war. Zum Teil waren sie so beschädigt, dass Fassinhalte ausgetreten sind und sich auf dem Boden der Kavernen ausgebreitet haben. Hinweise auf Schäden an den Kavernen selbst haben die Untersuchungen dagegen nicht ergeben.

Bislang hat der Betreiber des Kernkraftwerks, Vattenfall, drei von sechs Kavernen (Kaverne II, IV und V) mittels einer Spezialkamera inspiziert. „Die Atomaufsicht drängt darauf, dass die Inspektion der drei weiteren Kavernen bis Jahresende abgeschlossen ist. Ziel sollte sein, dass Vattenfall danach so schnell wie möglich mit der Bergung beginnt. Wir dürfen nicht riskieren, dass der Zustand der Fässer sich weiter verschlechtert“, so Habeck.

Die Inspektion der Kaverne II hatte ergeben, dass vor allem Fässer, die 1983 und 1985 eingelagert worden waren, korrodiert sind. Allerdings wiesen auch Fässer, die Ende der 90er Jahre befüllt wurden, Rostschäden auf. Gesundheitsgefahren für Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen des Kernkraftwerks und für die Bevölkerung bestünden nicht, da die Kavernen durch meterdicke Betonriegel von der Umgebung abgeschirmt seien.

Die Atomaufsicht forderte Vattenfall nach Angaben auf, bis Ende September ein spezielles Bergungskonzept vorzulegen, mit dem alle Fässer sicher gehandhabt werden können, um sie in sichere Behältnisse zu verpacken.


Atomaufsicht: Keine vergleichbaren Probleme im Krümmel und Brokdorf

Die Atomaufsicht habe eine umfassende Analyse der Lagerungspraxis der vergangenen knapp 40 Jahren veranlasst, bei der auch externe Sachverständige hinzugezogen werden sollen, so die Mitteilung. „Für die Kernkraftwerke Krümmel und Brokdorf wissen wir, dass es keine vergleichbare Problematik gibt. Dennoch werden wir uns die Einlagerungsbedingungen und die Kontrollmechanismen genau ansehen. Wir müssen sicherstellen, dass es solche Befunde nicht noch einmal gibt“, so Habeck. Die GRÜNEN in Hamburg hatten zuvor entsprechende Befürchtungen zum AKW Krümmel geäußert und auch dort rostige Fässer vermutet.

„In der Vergangenheit wurde immer darauf gesetzt, dass die Fässer bald in das Endlager Konrad in Niedersachsen kommen und sie so lange schon noch halten würden. Das Prinzip Wegsehen darf aber nicht Grundlage für den Umgang mit Atommüll sein“, so der Kieler Umweltminister abschließend.

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