Altona / Ottensen. Bei der ersten Demo im Sommer kurz nach Bekanntgabe waren es “nur” 200 Personen. Am Samstag versammelten sich auf dem Kemal-Altun-Platz und bei der Demo in Ottensen nach Polizeiangaben schon 600 Teilnehmer. Ihr Anliegen ist, die Ansiedlung der weltgrößten Werbeagentur mit ihrer Hamburg-Zentrale und etlichen Tochterfirmen (u.a. Scholz & Friends) auf der Fläche am Zeiseparkplatz zu verhindern und dort sozialverträglichen Wohnungsbau durchzusetzen.

Ursprünglich war dieser dort und in dem von massiver Aufwertung und Verdrängung seit gut einem Jahrzehnt geplagten Ottensen geplant (wir berichteten). 50% des Wohnungsbaus sollte dabei öffentlich als Sozialwohnungen gefördert werden. Eine höchst seltene Angelegenheit, gerade in Ottensen.

Es ist wohl der große Kontrast, der die Leute auf die Straße bringt. Einerseits sozialer Wohnungsbau – andererseits 850 Werber aus dem weltgrößten Werbekonzern. Irgendwas passt in den Augen der Ottenser hier nicht, deshalb heißt es schlicht „WPP, NEE“. Die Dichte von Werbeagenturen und Kreativen ist in dem Stadtteil bereits immens, was auch schon dazu führte, dass sich Anwohner in der Vergangenheit einen Teil der ‚Kreativen‘ wieder wegwünschte. Jetzt sollen nach Plänen, zu denen es im Übrigen noch nicht eine einzige parlamentarische Debatte gegeben hat, viele weitere Werber aus anderen Stadtteilen Hamburgs ins Viertel umsiedeln.

Nach vereinzelten Protestaktionen im Sommer, hatten sich zuletzt auch Ottenser Prominente in einem öffentlichen Brief an WPP gegen das Vorhaben gestellt und dabei gefordert, der Konzern solle doch in die Hafencity gehen. Wie heute bekannt wurde, sind erste Auswirkungen der geplanten Ansiedlung bereits im Umfeld zu vernehmen und einzelnen Mietern in der Friedensallee wurde bereits ihr Mietvertrag gekündigt. Der Anmelder der Demo und Mitglied der Bürgerini „Pro Wohnen“, Frank Zibell, sprach heute von irreführenden und nicht vollständigen Informationen in der Öffentlichkeit. Die Kommission für Bodenordnung habe das Thema vertagt, was auch auf den Protest der Initiative hin passierte.

Zentrale Aussagen auf den Plakaten waren heute: „Wohnungen statt Werber“, „Sozialverträglicher Wohnraum“, „Gute Mieten statt schlechter Meetings“, „Unser Platz“, „Olaf, das kann nicht dein Ernst sein!“, „Bürger beteiligen statt Versprechen zu brechen.“  Zu den Hintergründen der Entscheidung in der Kommission für Bodenordnung berichteten wir am Vortag mit vielen Details und warfen einen Blick zurück auf die Ereignisse der letzten Monate.

Einige Eindrücke in Bildern von der Demonstration.

9 KOMMENTARE / LESERBRIEFE

  1. Aha…in wiefern wenden sich die Demonstranten denn gegen die FGDO?

    Und wo kann man das nachlesen?

    Ich kenne nur das Grundgesetz, dort ist zwar das Eigentum ausgrüclich geschützt,
    sein Gebrauch soll aber zugleich dem Allgemeinwohl dienen.

    In wiefern dient denn die freie Verwertbarkeit dem Allgemeinwohl?

    Was hat die Allgemeinheit davon das sich Quantum und Procom eine goldene Nase verdienen
    und Hamburger Werbestandorte zusammengelegt werden?

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