Mehr Klicks für des Bürgermeisters Frau – Kommentar

von -

Hamburg / Kiel. Offenbar haben heute einige Redaktionen nur repetiert, was eine Agentur vorgetextet hatte. Durch die Republik stand in vielen Headlines: “Ehefrau von Olaf Scholz wird Ministerin” (u.a. Abendblatt, Welt, Focus, Bild). Ein weit überwiegender Teil verzichtete an der Stelle schlicht auf den Namen der designierten Bildungsministerin für Schleswig-Holstein.

Man hätte einfach den Namen der langjährigen Politikerin in die Überschrift setzen können. Nach kurzer Recherche dürfte schließlich noch aufgefallen sein, dass Britta Ernst sogar nicht einmal so heißt wie Olaf Scholz. Nun, offenbar war genau dies der Grund. Die Entscheidung für das Marketing lautete: Es verkauft sich besser. Nutze den bekannteren Namen.

Klicks sind leider die Währung, die insbesondere im Digitalen zu immer mehr Exzessen führen. In den Augen der Verantwortlichen sollte eigentlich sachliche Bewertung vor Marketinginteresse stehen. Besonders tragisch: Die Klickheadline erhielt Einzug auf manche gedruckte Titelseite. Der neue Verkaufsmechanismus von Nachrichtenagenturen lässt grüßen, denn hier wird längst mit Priorität für die digitale Welt gearbeitet.

Es verwundert kaum, dass gerade Digitalmedien immer stärker in den Boulevard abdriften. Dass Top-10-Rankings, Reizbegriffe, unlautere Versprechen immer mehr Einzug finden und sachliche Aufklärung verdrängen. Das digital-ökonomische Mediensystem, es benötigt eine Währungsreform. Bleiben Klicks die Leitwährung, wird Emotion immer häufiger vor Aufklärung gestellt.

Dies ist natürlich alles nur eine exemplarische Randbeobachtung. Wenn ich eine Frau wäre, hätte ich noch ein ganz anderes Problem damit. Drehen wir das Thema doch mal um: “Ehemann von Britta Ernst plant Kandidatur in Hamburg”? Funktioniert (noch) nicht. Als neue Bildungsministerin hat Britta Ernst dann also doch noch eine Aufgabe mehr als gedacht.

KOMMENTAR / LESERBRIEF

Antwort hinterlassen