Altona / Ottensen. Bei der KfB-Sitzung am 11. September (wir berichteten) wurde die Besprechung des Themas im Grundstücksausschuss beschlossen, die nun am 22. September stattfand. Mehrere Fragen, u.a. zu Angaben nach Unternehmenswachstum in Zahlen, Abschreibungen und dem Umstand der Anhandgabe, waren nach Informationen von ALTONA.INFO Gegenstand. Der Ausschuss hat dem größeren Gremium, der Kommission für Bodenordnung, nach Informationen unserer Zeitung mit Stimmen der SPD bei Enthaltung der CDU eine Zustimmung empfohlen. Andere Parteienvertreter waren in dem kleinen Gremium nicht stimmberechtigt. Es gilt nun als sehr wahrscheinlich, dass auch diese dem Vorhaben Anfang Oktober zustimmen wird, wenn nicht noch Vertreter von CDU und GRÜNE mit einem sog. Minderheitenvotum dagegen stimmen und eine Entscheidung zum Gegenstand einer Beschlussfassung durch die Bürgerschaft machen.

Seit dem 16. April ist den Hamburger Behörden nach eigener Auskunft bekannt, dass auf dem Grundstück die Ansiedlung der Agenturgruppe WPP rund um die 2011 zugekaufte Scholz & Friends-Tochter angestrebt ist. Projektentwickler Procom, nach eigenen Angaben auch bei einem Wohnungsneubau am bisherigen Hermes-Hochhaus oder im Holsten-Areal beteiligt, plant dort mit der Quantum AG ein Joint-Venture und die Errichtung des Bürogebäudes mit einem Investitionsvolumen von 65 Mio. Euro.

Mit etwa 20 Mio. Euro weniger Bauvolumen und Umsatz war ein ursprüngliches Wohnungsbauprojekt auf dem Zeise-Parkplatz von Procom geplant, das auch bereits die Zustimmung der Altonaer Bezirkspolitik hatte. Hier wären dann neben frei finanzierten Luxuswohnungen auch 46 Wohnungen mit Sozialbindung entstanden. In heutigen Informationen von Procom, die auch bereits die Zeisehallen betreiben, heißt es entgegen früheren Darstellungen, dass auch dieser Bau neben den Wohnungen einen Riegel mit Gewerbe erhalten hätte.

In besonderer Schärfe kritisierten Vertreter der GRÜNEN und LINKE gegenüber ALTONA.INFO, dass die Informationen zur Ansiedlung über Monate und vor der letzten Bezirkswahl zurückgehalten wurden, obwohl sie führenden Vertretern aus der SPD bekannt gewesen sein sollen. Dies wird auch in Kreisen der Altonaer SPD zugegeben, während CDU-Vertreter in diesem Zusammenhang auf Wahlversprechen der Altonaer SPD verweisen.

ProcomScholzandFriendsQuantum
Ende 2016 soll die Grundstücksgesellschaft Zeise II die Studios übergeben. Pläne dafür stellten Dennis Barth, Geschäftsführer der Procom Invest (links) und Frank Bohlander, Geschäftsführer von Quantum (rechts) zusammen mit Scholz & Friends-Sprecherin Sandra Schwarz vor.

Der SPD-Fraktionsvorsitzende Thomas Adrian, selbst Mitglied in der Kommission für Bodenordnung, hatte in dem Zusammenhang nun eine Anfrage an das Bezirksamt Altona gerichtet und Wohnungsbauzahlen für den Stadtteil Ottensen abgefragt (PDF). Daraus ergibt sich, dass einige hundert Wohnungen in den letzten zwei Jahren gebaut wurden (2012: 277 Wohneinheiten, 2013: 296 Wohneinheiten, 01.01. – 31.08.14: 19 Wohneinheiten), dem Bezirksamt jedoch keine geförderten Wohnungen, zumindest aus vorliegenden städtebaulichen Verträgen, bekannt seien. Der künftige Wohnungsbau wird vom Bezirksamt in dem Stadtteil Ottensen prognostiziert, der sich jedoch nach Darstellungen überwiegend über Erweiterungsbauten im Bestand ermöglicht. Weitere freie Flächen, wie den Zeise-Parkplatz, gäbe es in Ottensen so gut wie nicht, stellte das Amt dar.

Genauere Daten zur Entwicklung von gefördertem Wohnraum und wegfallenden Bindungen haben wir noch an anderer Stelle angefragt, liegen jedoch noch nicht vor (Bericht folgt). Für ein sehr großes Gebiet von Ottensen streben Bezirksamt und Politik im Übrigen bereits seit 2011 den Erlass einer Sozialen Erhaltungsverordnung (Hintergrundbeitrag) an.

Nach weiteren Informationen von ALTONA.INFO, wird es frühestens am 2. Oktober zu einer abschließenden Entscheidung und den Verkauf des städtischen Grundstückes kommen können. Ob und mit welchen Auflagen die Stadt Hamburg dem Investor das Grundstück zum Zweck des beschriebenen Gewerbebaus verkauft, wird dann klar sein. Eine politische Debatte könnte bei der Plenumssitzung der Bezirksversammlung Altona am 25. September erfolgen. Die LINKE hat das Thema auch für eine Debatte in der Bürgerschaft am Mittwoch, den 24. September, angemeldet.

Zu dem umstrittenen Vorhaben gab es einige Proteste im Stadtteil. Einerseits, weil Wohnungsbau und insbesondere sozialer Wohnungsbau gegenüber einem gewerblichen Bau befürwortet wird. Andererseits kritisieren Anwohner, dass es im Gegensatz zum Wohnungsmarkt viele leerstehende Büroflächen in Hamburg gäbe. In einem offenen Brief hatten sich einige Künstler und Prominente gegen das Vorhaben gestellt, während etwa 500 Anwohner demonstrierten (wir berichteten).

Nach Informationen aus KfB-Kreisen hatte das Unternehmen der Wirtschaftsbehörde – hier zuständig für Wirtschaftsförderung – etwa 160 zusätzliche Arbeitsplätze in Aussicht gestellt. Von Unternehmensseite war zuvor zu hören, dass Mitarbeiter mehrerer Standorte zusammengelegt werden sollen, ohne neue Arbeitsplätze zu schaffen, so WPP-GF Richard Karpik im Gespräch mit ALTONA.INFO. Ein Wachstum sei jedoch nie ausgeschlossen, hieß es damals. Eckdaten zu dargestellten 160 Arbeitsplätzen über dem aktuellen Bestand der betroffenen Agenturtöchter, soll WPP nun gegenüber der Wirtschaftsbehörde und dem Ausschuss plausibel dargelegt haben. Die Holding will etwa 12 Werbeagenturen an dem Standort in Ottensen versammeln, während andere, etwa die WPP-Tochter Deep Blue Network, nach Angaben von Scholz & Friends-Sprecherin Schwarz an dem bisherigen Standort im Phoenixhof bleiben soll.

Geprüft wurden vom Grundstücksausschuss im Rahmen der sogenannten ‚Wirtschaftsförderung‘ neben der konkreten Arbeitsplatzsituation auch steuerliche Aspekte zum Vor- oder Nachteil der FHH. Mit den Stimmen von zwei Vertreter/innen könnte bei offizieller Beschlussfassung der KfB zwar in die Hamburgische Bürgerschaft delegiert werden, was aber als unwahrscheinlich gilt. Ein paar Vertreter entsenden hier aktuell GRÜNE und CDU. Sowohl in der KfB, als auch der Bürgerschaft, verfügt die SPD über eine absolute Mehrheit. Es gilt nach Einschätzung deshalb als nahezu sicher, dass es jetzt zu einem Verkauf des städtischen Grundstückes für gewerbliche Zwecke einer Werbeagentur-Gruppe kommt. Der neue Standort, die Ansiedlung von mehreren Werbeagenturen aus dem WPP-Network, soll dann „Zeise-Studios“ heißen und bis Ende 2016 errichtet sein. 2017 wolle man einziehen, bestätigt WPP-Deutschland-GF Karpik gegenüber ALTONA.INFO. (cz)

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