Uwe Szczesny, Fraktionsvorsitzender der CDU in Altona im Audio-Interview.

Altona / Blankenese. Es gibt ein neues Bürgerbegehren in Altona: Eine Blankeneser Bürgerinitiative protestiert gegen den Bau von Luxuswohnungen, was am 25.08.2014 beim Bezirksamt Altona mit der Durchführung des Bürgerbegehrens „Bau im Sülldorfer Mühlenweg 93“ angezeigt wurde. Uwe Szczesny, langjähriger CDU-Fraktionsvorsitzender in Altona und Blankeneser Anwohner, brachte dies am Rande des Planungsausschusses auf die Palme. Hintergrund: Die Bürgerini sammelt zwar Unterschriften, um „acht luxuriöse Wohnungen“, wie es auf dem Bauschild heißt, zu verhindern. Gefordert wird jedoch nicht etwa ein Anteil an gefördertem Wohnungsbau, sondern weniger Baumasse, mehr Exklusivität und kleinteiligere Bebauung.

Uwe Szczesny ist nicht gerade bekannt als ein Politiker, der kein Verständnis für Belange von Anwohnern in den Elbvororten aufbringt. Bürger erwarten hier besonderes Fingerspitzengefühl. Es will der Zufall, dass bei einem Vor-Ort-Termin im Sülldorfer Mühlenweg gleich eine Grundsatzdiskussion mit einem vorbeiradelnden Anwohner startet. Kurzgefasst: Elbphilharmonie, Geldverschwendung, Verdichtung, Verkehrsprobleme in den Elbvororten, Katastrophe. Der Anwohner, ein Seefahrer im Ruhestand, fühlt sich offensichtlich nicht besonders gut informiert. Szczesny nutzt die Gelegenheit, spricht von behutsamer Planung, gibt dem Mann in vielen Belangen seiner Grundsatzkritik recht, erklärt die Geschichte des Verfahrens zu dem Grundstück. Irgendwann treffen sich beide Herren bei dem Thema Seefahrt. Es könnte gut sein, dass er es in 15 Minuten geschafft hat, den Eigentümer eines Hauses in diesem Umfeld mit seinen Argumenten zu gewinnen.

Wohnungsbau-SuelldorferMuehlenweg
Was das Bauschild am Sülldorfer Mühlenweg verspricht.

So läuft vielerorts die Kommunikation in den Elbvororten – von Zaun zu Zaun. In manch anderen Gebieten artikuliert sich Widerstand nicht in Nebensätzen eines Smalltalks, das weiß gerade der seit über dreißig Jahren in der Kommunalpolitik aktive CDU-Politiker Uwe Szczesny. Vielleicht platzte ihm deshalb hier der Kragen, denn überall im Bezirk wird verdichtet, in jede kleine Lücke Wohnungen gestopft. Ottensen etwa, das schrieb das Bezirksamt, verfüge im Grunde über keinerlei Grundstücke für freie Wohnbebauung mehr. Auf einem der letzten Grundstücke soll bald eine Niederlassung für die weltgrößte Werbeagentur errichtet werden.

Milieuschutz hat den Elbvororten eine jahrhundertelange Tradition. In manchen Bereichen ist daher nur theoretisch Platz für Wohnungsbau. Sobald mehr Steine im eigenen Umfeld gesetzt werden sollen, gehen Bürger auf die Barrikaden, sehen die Bewertung von Haus und Hof im freien Fall. Dabei werden gerade hier Bebauungspläne kultiviert, um präventiven Schutz zu gewährleisten. Sobald ein Bebauungsplan verabschiedet ist, gilt für Jahre eine Veränderungssperre. Amt und Politik arbeiten neuerdings sogar in einigen Bereichen mit dem Rechtsinstrument der Sozialen Erhaltungsverordnung. Jede Region hat aus ihrem Mikrokosmos betrachtet immer ganz eigene Herausforderungen, so ist das halt im bunten Altona.

Sülldorfer Mühlenweg: In diesem Verfahren ging der Bauausschuss laut Szczesny bereits einen Kompromiss ein und verzichtete auf ein Geschoss. Von diesem Kompromiss sei die Bürgerini nun abgewichen. Andere Bezirkspolitiker berichteten, dass die Initiatoren des Widerstands sogar eine Werbeagentur mit einer Gegenkampagne beauftragt hätten. Suggeriert wird auf Werbematerial ein Hochhaus am Blankeneser Elbhang, wobei sich der Mühlenweg nicht mal dort befindet. Im Umfeld der Bebauung stehen bereits einige ähnliche Wohnhäuser.

Das Bürgerbegehren hat keine wirkliche Chance auf Realisierung, zumal den Bauherren nach Informationen von ALTONA.INFO bereits ein Bauvorbescheid verliegt. Das dürfte den Initiatoren bekannt sein und dennoch wird Stimmung gemacht, Unterschriften werden gesammelt. Die Frage bleibt daher offen: Wofür eigentlich? Ist das Instrument ‚Bürgerbegehren‘ Gegenstand einer vorgezogenen Wahlkampagne?

Hören Sie im nachfolgenden Beitrag unser Interview mit Uwe Szczesny.

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