Hamburg / Altona. Der Kirchenkreis Süd-Westholstein hat sich auf seiner Synode am 1. Oktober für Niendorf als neuen Standort für das sogenannte Kirchenkreiszentrum entschieden. Dort sollen in Zukunft 180 Mitarbeiter aus der Verwaltung des Kirchenkreises arbeiten. Eine Bebauung des Geländes rund um die St. Trinitatis-Kirche (Hauptkirche) ist jedoch damit nach Informationen von ALTONA.INFO nicht ausgeschlossen. Pastorat und Gemeindehaus würden in jedem Fall benötigt und auch die Kita könnte es geben. Die Synode fasste hierzu noch keinen konkreten Beschluss, plädierte jedoch für eine Neuerarbeitung der Pläne an deren Ende auch mehr diakonische Wohnungsnutzung in Altona stehen könnte.

Die Synode des Ev.-Luth. Kirchenkreises Hamburg-West/Südholstein entschied am 1. Oktober in einer Abstimmung, dass in Niendorf, an der Ecke Max-Zelck-Straße/Friedrich-Ebert-Straße ein neues Zentrum für den Kirchenkreis gebaut werden soll. 54 Synodale votierten für diesen Standort, 29 Synodale für einen alternativen Standort an der Königstraße in Altona, nördlich der Hauptkirche St. Trinitatis.

Ein gemeinsamer Standort für Leitung und Verwaltung des Kirchenkreises, sowie für verschiedene kirchliche Einrichtungen wie Kita-Werk, Bildungseinrichtungen, Diakonie, Mitarbeitervertretung und den Bereich Bau und Immobilien wurde seit längerem von dem Kirchenkreis gewünscht und gesucht. In dem Komplex sollen nun rund 180 Mitarbeiter aus den bisherigen Standorten in Blankenese, Lurup, Niendorf, Pinneberg und Lokstedt arbeiten.  „Die Kirchenkreissynode hat sich eindeutig für ein vertrautes Feld entschieden“, so der Präses der Kirchenkreissynode Helmut Stange. Propst Dr. Karl-Heinrich Melzer, für das Bauen im Kirchenkreis zuständig bewertete die Entscheidung als „kostengünstigere und pragmatischere Variante“.

 

Bebauung vor St. Trinitatis wird weiterverfolgt – Offenbar Differenzen zur Bewertung von Grundstücken

Die Synodalen votierten zwar mehrheitlich für Niendorf, sprachen sich jedoch dafür aus, die Projektentwicklung an der Hauptkirche St. Trinitatis Altona fortzusetzen, heißt es. Für beide Standorte hatte der Kirchenkreis vor der Entscheidung sogenannte Bauvorbescheide durchgesetzt, die auch unter bestimmten Voraussetzungen Baurechte einräumen. Der Bauvorbescheid aus Altona wurde nach jahrelanger Debatte zuletzt sogar durch eine Anordnung des Senats (PDF) an das Bezirksamt Altona erwirkt (wir berichteten).

Für ein Kirchenkreiszentrum an der Königstraße in Altona sprachen nach Darstellungen der Synode bzw. der Verwaltung nun „die auf Hamburg bezogene zentrale Lage, eine Kirche in direkter Nachbarschaft und die Möglichkeit, in das Kirchenkreiszentrum weitere Gebäude zu integrieren. Für das Zentrum in Niendorf sprachen die im Vergleich zu Altona geringeren Kosten, eine unkompliziertere Erschließung und die – bezogen auf das Gebiet des Kirchenkreises – zentralere Lage.“

In Altona hätte es noch zu einem Verkauf eines städtischen Grundstückes vor dem Bau kommen müssen, während das zu bebauende Grundstück in Niendorf, auf dem jetzt knapp 6000 Quadratmeter Bruttogeschossfläche entstünden, bereits der Kirche umfänglich gehört. Zu dem Grundstück an der Hauptkirche in Altona gab es zuletzt auch Disput und keine klare politische Haltung. Während etwa Senat und SPD eine Ansiedlung und die Bebauung des Grundstückes für die Errichtung der Kirchenkreiszentrale befürworteten, lehnte die CDU eine Bebauung der vor dem Krieg bebauten Flächen vor der St. Trinitatis Kirche ab. Nach Informationen von ALTONA.INFO gibt es offenbar auch grundsätzliche  Auseinandersetzungen zwischen FHH und Kirche zur Bewertung von einst für Kirchenbetriebszwecke überlassene Grundstücke. Waren solche Grundstückskosten ein Hinderungsgrund für die Ansiedlung der Kirchenkreisverwaltung zumal nun von einer „unkomplizierteren“ Erschließung die Rede ist? Bei einer Veranstaltung stellte ein Vertreter aus Senatskreisen zuletzt öffentlich die Frage, ob städtische Grundstücke, die einst zu Betriebszwecken einer Kirche überlassen wurden, heute nicht zu einer Neubewertung von Ansprüchen der Stadt gegenüber der Kirche führen müssten, wenn andere Bauten als die einer Kirche darauf entstünden. Es ist unklar, ob solche Bewertungsmaßstäbe eine Entscheidung beeinflusst haben könnten.

Dem Kirchenkreis Hamburg-West/Südholstein gehören seit seiner Fusion vor ein paar Jahren übrigens aktuell rund 230.000 Mitglieder an. Er umfasst ein Gebiet im Westen Hamburgs und im Südwesten Schleswig-Holsteins mit 55 Kirchengemeinden, 73 Kirchen, 85 Kindertagesstätten, 26 diakonischen Einrichtungen und 22 Bildungseinrichtungen. Insgesamt arbeiten nach Darstellungen 1.100 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für den Kirchenkreis, darunter 130 Pastorinnen und Pastoren sowie zudem 5.500 Ehrenamtliche. Die Synode selbst, die nun zu der Entscheidung für die Ansiedlung der Verwaltung kam, ist das ‚Parlament der kirchlichen Selbstverwaltung‘. Sie tagt viermal im Jahr. Die 110 Synodalen werden aus Ehrenamtlichen, Pastorenschaft und Mitarbeitenden gewählt; die 60 Ehrenamtlichen oder Laien bilden die Mehrheit.

 

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