Hamburg / Altona. Ein unter liberianischer Flagge fahrendes Containerschiff verursachte beim Auslaufen aus dem Hamburger Hafen am Freitagabend „eine erhebliche Luftverschmutzung“, so die Wasserschutzpolizei, die Ermittlungen aufnahm.

Zahlreiche Anrufer hätten sich in der Polizeieinsatzzentrale gemeldet und mitgeteilt, dass eine ungewöhnliche Geruchs- und Qualmbelästigung von einem Containerschiff ausgehe. Bei dem Schiff handelte es sich um die „Yang Ming Utmost“ (335 m lang, 43 m breit, 11,5 m Tiefgang).

Da das Schiff bereits Fahrt aufgenommen hatte, war ein Hinterherfahren mit Booten der Wasserschutzpolizei nicht mehr erfolgversprechend, heißt es im Polizeibericht. Der 52-jährige Kapitän des Schiffes wurde über Funk angesprochen und teilte auf Nachfrage mit, dass er keine technischen Probleme hätte. Er gehe davon aus, dass sich die Rauchentwicklung legen würde.

Weiterhin meldet die Polzei: Offenbar durch die Rauchentwicklung wurden im AK Altona und im Pflegeheim Bugenhagen die Feuermelderbrandanlagen ausgelöst. Ein Restaurantbetreiber in Altona meldete sich bei der Polizei und teilte mit, dass erhebliche Mengen Ruß auf dem Mobiliar und den Speisen sowie Getränken seiner Gäste nieder gegangen sei. Von der Polizei wurden Proben zur Untersuchung sichergestellt und im Rahmen eines Rechtshilfeersuchs über das BKA Mithilfe der Ermittlungsbehörden der Niederlande
ersucht, zuma, das Schiff am Sonntagabend gegen 19:00 Uhr Rotterdam erreichen solle.

Tatzeit: 04.10.2014, 18:49 Uhr
Tatort: Altona, Bundeswasserstraße Elbe

5 KOMMENTARE / LESERBRIEFE

  1. At Susanne:

    >> ‚Erschreckend zudem zu sehen, was auf offener See an Abgasen entsteht‘

    Es handelt sich hierbei sicherlich *nicht* um ein typisches Abbild dessen, was auf offener See an Abgasen entsteht. Hier lag ganz offensichtlich ein technischer Defekt an der Antriebsanlage vor der zu diesem extremen Ruß-Ausstroß geführt hat.

    Zudem hat die Polizei das Schiff sicherlich nicht deswegen nicht gestoppt, weil man es nicht mehr einholen konnte. Vielmehr ist es so, dass man ein über 300 Meter langes Schiff nicht ‚mal eben‘ am Strassenrand parken kann. Die sicherste Variante ist es das Schiff einfach bis zu seinem nächsten Bestimmungshafen – in diesem Fall Rotterdam – fahren zu lassen. Insbesondere wenn dies ein EU-Hafen ist. Dort werden die Niederländischen Polizeikollegen sicherlich um Amtshilfe gebeten den Sachverhalt zu klären.

    Ausserdem wundert mich Ihr Rechtsverständnis (bzw Ihr mangelndes Rechtsverständnis) :

    Natürlich ist so eine extreme Verschmutzung sehr ärgerlich. Die zuständigen Behörden werden sicherlich versuchen ein Bußgeld zu verhängen sofern man der Besatzung ein Fehlverhalten nachweisen kann. Zum Beispiel eine Vernachlässigung der Wartung oder eine Fehlbedienung der Maschine. Wenn es sich jedoch tatsächlich um ein ‚Unglück‘ wie einen nicht vorhersehbaren technischen Defekt handelt, dann kann man für mein Rechtsverständnis niemanden dafür bestrafen. Lediglich zivilrechlich könnte man ggf. Schadensersatz fordern.

    Wenn zum Beispiel das Haus von Susanne abbrennen sollte, dann würde ja die Stadt später auch kein Bußgeld wegen des Qualmes verhängen können.

    Was das ganze nebenbei mit der Elbvertiefung zu tun hat – bzw haben soll – ist mir schleierhaft. Solche Unglücks- und Schadensfälle können doch ganz unabhängig von der Tiefe der Elbe auftreten. Theoretisch an jedem noch so kleinen Schiff.

    • Ja, Jana träum weiter! Wie bereits der NABU vermutete wurde hier rechtswidrig Schweröl verbrannt und der Vorgang wird nun auch ein politisches Nachspiel haben. Das ist kein technischer Defekt, sondern sparen auf Kosten der Umwelt. So geht es „ganz legal“ auf den Meeren zu. Das ist die „Aus-den-Augen-aus-dem-Sinn“ Mentalität der Menschen. Genauso wie ein Lotse an Bord geht kann auch die WS-Polizei an Bord gehen und dafür sorgen, daß Gesetzte eingehalten werden. Das war aber offenbar nicht gewollt – statt dessen läßt man den Kahn mit dieser Sauerei ziehen. Und mit der Elbvertiefung kämen noch mehr noch größere Schiffe, die möglicherweise auf ähnliche Ideen kämen. Noch Fragen?

      • Noch Fragen? Ja!

        –>Wie bereits der NABU vermutete wurde hier rechtswidrig Schweröl verbrannt.

        Womit belegen Sie diese Aussage? (Besser müsste es heissen: Womit möchten Sie bitte diese vermutlich falsches Aussage belegen?)

        Es hat seitens der Polizei keine weitere Pressemeldung dazu gegeben die auf die von Ihnen behauptete Darstellung schliessen liesse.

        –>Das ist kein technischer Defekt, sondern sparen auf Kosten der Umwelt. So geht es “ganz legal” auf den Meeren zu.

        Das ist schlicht falsch. Eine derartiger Abgasausstoß ist weder auf See noch im Hafen legal.

        Wie ich bereits sagte, sind die extrem rußenden Abgase *keine* Nebeneffekte des Verbrennens von Schweröl, sondern ganz klar ein teschnischer Defekt in der Maschinenanlage. Die Polizei kann hier nicht dafür sorgen, dass die Gesetze eingehalten werden, weil die Gesetze wahrscheinlich eingehalten wurden. Genausowenig wie es Gesetze gibt, die beispielsweise Ihnen eine Autopanne verbieten oder die verbieten, dass Sie krank werden, gibt es Gesetze die einem Schiff einen Defekt verbieten können.

        Bei polizeilichen Ermittlungen geht es also in erster Linie um Feststellung der Sachlage. Ggf kann auch bei einem nicht durch Reederei und Besatzung verschuldeten Defekt eine Ausgleichszahlung als ‚Strafe‘ gefordert werden, dazu natürlich zivilrechtliche Ansprüche für entstandenen Schaden. Ich sehe keinen Grund, warum das die niederländischen Behörden in Rotterdam das nicht per Amtshilfe machen können sollen.

        Die Probeme des Schwerölverbrennens liegen nebenbei weniger beim Russ (wie gesagt: diese extreme Russ-Entwicklung ist *kein* normaler Effekt des Schweröls), sondern beim Schwefeloxid (SOx) Ausstoß. Daher werden zum 1.1.2015 in Nordeuropa um den Faktor zehn gesenkte SOx Emmissionsgrenzwerte für Schiffe auf See eingeführt. Eine sehr begrüßenswerte Anpassung der Regularien!

        Etwas mehr sachliche Unaufgeregtheit könnte Ihnen nicht schaden, Susanne.

    • Genau, deshalb wird der Schlangenlinienfahrende Besoffski auch erst beim Einparken vor der Haustür gestoppt.
      Um den Sachverhalt zu klären…
      Wie man auf diesem Bild sehen kann, hing die Mühle noch an den Schlepperseilen, hätte also sehr wohl
      sofort gestoppt werden können, sogar ein Lotse war an Bord.

      Auch ein 300 Meter langes Schiff hätte zb. vor Glückstadt auf Reede gehen können.
      Und Cuxhaven soll Gerüchten zufolge sogar über einen Hafen verfügen.

      In der Zwischenzeit landet der Ruß ja nur in der Nordsee, die kann das schon ab.

      Und man hat viele Stunden Zeit, um eventuelle Beweismittel und Spuren zu beseitigen.

      Das es sich um einen technischen Defekt handelt, hat der Kapitän ja abgestritten.
      Ist ein Atomkraftwerksbetreiber etwa nicht verantwortlich, wenn ein „nichtvorhersehbarer“ Unfall passiert?
      Dafür gibt es ja Versicherungen…..

      Es ist wohl eher die heilige Kuh (Riesen)Containerschiff, und genau um die Dinger gehts bei der Elbvertiefung.

  2. Da betreibt ein Containerschiff vor laufender Kamera kollektive Körperverletzung und Umweltverschmutzung – und die Begründung der Polizei hier nicht SOFORT zu stoppen und ein deftiges Bußgeld zu verhängen ist derart läppisch! Per Rad kann man am Elbeweg gut mit den Schiffen mithalten, vielleicht sollte die Polizei mal erstens ihren Willen und dann die Ausrüstung überprüfen!
    Erschreckend zudem zu sehen, was auf offener See an Abgasen entsteht – obwohl ein besserer Standard möglich ist. Ein Großteil der Feinstaubelastung in HH entfällt ohnehin auf die Schiffe. Bei aller Romantik: Ein Elbspaziergang gefährdet die Gesundheit!
    Und: Elbvertiefung- Nein danke!

Antwort hinterlassen