Altona / Ottensen / Osdorf. Die beiden Altonaer Vereine FC Teutonia 05 und TuS Osdorf treffen sich in der Hinrunde zu einem besonderen Duell. Bei der Austragung geht es um etwa 500.000 Euro, die dem Sieger aus Investitionsmitteln der Stadt zugeteilt werden sollen. Die Teilnehmer erwarten das Finale mit Spannung.

Hintergrund sind Sanierungswünsche der beiden Vereine und die Sitzung des Altonaer Sportausschusses am Dienstagabend, bei der die SPD einen Antrag zur Umrüstung eines Platzes auf Kunstrasen für 2015 einbringen möchte.

Seit 2012 gibt es einen Bauzustandsbericht, demzufolge eine Reihe von Altonaer Sportplätzen mit Noten und nach amtlichen Darstellungen auch unangekündigt auf ihren Zustand untersucht wurden. Aus diesem ‚Zustand‘, aber auch anderen Faktoren, wie etwa der Bedeutung für das soziale Umfeld, haben fortan Bezirke eine Grundlage, um ihre Sportplätze aufzurüsten. Einige Vereine reagierten nach Vorlage dieses Berichtes erbost und meinten, schließlich würden jetzt die Vereine mit einer schlechten Priorität bestraft, die ihre Plätze gut gepflegt hätten.

Das Handicap ist schließlich: Aus laufenden Mitteln von etwa einer Million Euro pro Jahr für den Bezirk Altona muss nicht nur die Umrüstung, sondern auch jeder kaputte Duschkopf bezahlt werden – liquide ist von dem Volumen für Kunstrasen etwa die Hälfte des Geldes. Die Mittel werden für alle Bezirke in der  Sportabteilung im Bezirk Mitte verwaltet. Der „Beirat Bezirklicher Sportstättenbau“ erhält auf Beschluss der Bezirksversammlungen Empfehlungen, denen er in der Regel folgt.

Rechnerisch reichen die hamburgweiten Mittel nach Informationen von ALTONA.INFO wohl für neun bis zehn Plätze pro Jahr. Allerdings wird auch immer die Größe eines Bezirkes als Verteilgröße beachtet, weshalb auf Altona rechnerisch ein Platz pro Jahr entfällt. Neben der Investitionsfrage für den Kunstrasen, der nach Unterlagen der Bezirkspolitik mit zuletzt 340.000 Euro Investitionskosten zu Buche schlägt, steht für eine längere Bespielbarkeit häufig auch die Aufrüstung einer Flutlichtanlage an.

In Letztere wurde zusammen mit Kunstrasen auch beim SC Nienstedten investiert. Diese Umrüstung sorgte für Ärger unter den Vereinen in der ‚Kunstrasenwarteschlage‘, zumal mit 200.000 Euro Eigenmitteln des Vereins ein ‚Luxusplatz‘ – so heißt es – mit Korkuntergrund hergerichtet wurde. 700.000 Euro insgesamt habe der neue Kunstrasen am Quellental verschlungen. Ein Vorteil von Kork gegenüber dem sonstigen Sandgemisch sei, dass sich der Untergrund unter dem Kunstbelag nicht allzu stark erwärme. Das Resultat sei dann nicht nur eine längere Lebensdauer, die mit durchschnittlich 10-15 Jahren angegeben wird. Der Kunstbelag müsse auch weniger bewässert werden, um Verbrennungen an der Haut und Verletzungen durch Überhitzung der Plastikfasern vorzubeugen.

Kunstrasen, das ist offenbar etwas für Experten. Wie viele Variablen im Spiel sind, zeigte der jüngste Versuch der Altonaer Lokalpolitik mit einem Antrag auf einen Piloten mit Naturrasen-Kunstfaser-Geschmisch, dem sogenannten „Hybridrasen“. Das Fachamt verwarf den Beschluss der Bezirksversammlung Altona als ungeeignet, sagte aber zu, Erfahrungen aus anderen Kommunen einzuholen, die auf ein solches Gemisch umgestellt haben. Ein Ansinnen der Bezirkspolitik war hier, die Investitionskosten zu drücken, um eine schnelle Umstellung auf Kunstrasen zu ermöglichen.

HarleyDays-BernauHielscher
V.L.: Hielscher (CDU) und Bernau (SPD) – hier ein Archivbild von den Harleydays – sind beide im Altonaer Sportausschuss vertreten.

„Das Thema verfolgen wir weiter“, kündigte unlängst SPD-Sportpolitiker Andreas Bernau an, der nun auch einen Antrag für die Sitzung des Umwelt- und Sportausschusses am Dienstagabend in der Tasche hat (bis Redaktionsschluss unbekannt). CDU-Sportmann Sven Hielscher geht davon aus, dass die SPD den nächsten Kunstrasen für Teutonia favorisieren werde, obwohl der TuS Osdorf zuletzt an vorderer Stelle stand, meint Hielscher. Beide Vereine haben sich immer wieder bemüht, ihre subjektiven Bedürfnisse zu artikulieren. Der TuS Osdorf sammelte für seinen Platz am Blomkamp 30 von über 100 ‚Kunstrasenpaten‘ fast 15.000 Euro. Der FC Teutonia 05 an der Kreuzkirche in Ottensen warb erst in der vergangenen Woche mit der Kirchengemeinde Ottensen, die hier 5.000 Euro aus Mieterträgen als Komplementärfinanzierung für einen neuen Platz zusagte.

Hinter den Kulissen wird seit Wochen intensive Lobbyarbeit betrieben, während beim Blick auf den Kalender klar wird, dass sich die Lokalpolitik für 2015 auf zumindest einen Platz festlegen muss. Die CDU, so Hielscher, werde zunächst Beratungsbedarf bei der Sitzung des Sportausschusses anmelden. Ob dies etwas am Ergebnis der Vorrunde ausrichtet, steht auf einem anderen Blatt. Auch wenn Sportausschuss und BV nun eine Rangfolge entscheiden, hängt eine Investition stark vom Votum des Amtes und des Beirates ab. Recht sicher gibt es nach Hin- und Rückrunde aber zwei „Gewinner“, denn eines steht bereits: Die Vereine vom  Blomkamp und aus der Tönsfeldstraße stehen beide im Finale.

Nachtrag v. 7. Oktober:

Der Sportausschuss hat das Thema auf die Novembersitzung vertagt. Vertreter von CDU, Grüne und LINKE verlangten aktuellere Informationen und eine Gegenüberstellung vom Amt, während die SPD den Beschlussantrag in der Tasche hatte, aber noch nicht vortrug. Vertreter der Sportvereine meldeten sich zu Wort. Beobachter gehen bisweilen davon aus, dass die nächste Sanierung im Sommer 2015 bei Teutonia 05 an der Kreuzkirche erfolgen wird. Der Verein feiert im selben Jahr auch 110 Jahre Vereinsgeschichte.

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