Hamburg / Altona. Für HSVler, insbesondere die, die eine Anleihe zeichneten, dürfte die Sitzung des Hauptausschusses am Donnerstagabend eine interessante Angelegenheit werden. Im Altonaer Rathaus wird es ab 18:00 Uhr um die Pläne für den HSV-Campus gehen. Dietmar Beiersdorfer werde die Pläne vorstellen, bat offenbar selbst um einen Termin. Der Tagesordnungspunkt war für den öffentlichen Teil angesetzt und rutschte jetzt plötzlich nach explizitem Wunsch von Beiersdorfer, wie uns mehrere Quellen bestätigten, in den nicht-öffentlichen Teil. Das macht die Pläne des HSV wohl noch interessanter. Die Bezirksamtsleiterin Dr. Melzer wolle sich noch einsetzen, die Vorstellung wieder in den öffentlichen Teil zu rücken.

Im Frühjahr machte die Bezirksversammlung Altona den Weg für den Bau des HSV-Campus frei. Parallel rutschte der HSV in die Krise und schaffte nur in letzter Sekunde den Klassenerhalt in der ersten Liga. Parallel gab es Bestrebungen zur Ausgründung des sogenannten Profi-Fußballs in eine AG, die anschließend realisiert wurden. Die Pläne für das ehrgeizigste Projekt, den HSV-Campus, liegen aber offenbar seitdem ebenfalls auf Eis, obwohl zahlreiche Personen hier Anleihen für den Verwendungszweck zeichneten.

Nach Amtantritt von Dietmar Beiersdorfer hieß es jetzt im Sommer, der Campus müsse zusammen mit der Ausbildung neu gedacht werden. So heißt es etwa in einer Darstellung des Vereins: „Um den Leistungssport stärker in den Fokus zu rücken, wurde der Nutzungsansatz des HSV-Campus hinterfragt.“ Schließlich habe Dietmar Beiersdorfer bei Amtsantritt gesagt: „Wir sollten uns darauf konzentrieren, wieder ein richtiger Fußball-Verein zu sein: Spieler ausbilden, mit ihnen arbeiten, sie verbessern und sportlich erfolgreich sein“. Der seit August amtierende neue Sportdirektor Bernhard Peters solle sich „um die inhaltliche Entwicklung und die strategische Umsetzung eines umfassenden Förderkonzeptes von der Jugend bis zur Profiebene kümmern“, hieß es weiter.


Beiersdorfer nennt Campus „wichtigstes strategisches Projekt des HSV“

„Bei der Konzentration auf unsere Kernkompetenz Leistungsfußball, haben wir den geplanten Bau des Campus einer Prüfung unterzogen“, erklärte Beiersdorfer auf der HSV-Homepage. Dabei sei man zum Schluss gekommen, „dass eine konzeptionelle Neuausrichtung notwendig sei, um diese Fokussierung auch im wichtigsten strategischen Projekt des HSV glaubhaft und konsequent umzusetzen.“ Flächen, die zunächst ursprünglich für die öffentliche Ausrichtung gedacht waren (u.a. Gastronomie und Erlebnisflächen), weiteren sportlichen Bereichen weichen bzw. diese erweitern, erklärte der Vorstandsvorsitzende der neuen HSV Fußball AG. Es könnten etwa die Bundesligamannschaft, die U23 sowie die dazugehörigen Funktionsbereiche in das bestehende Konzept integriert werden, hieß es weiter.

Nach Informationen von ALTONA.INFO sind die neuen Planungen jedoch nicht unproblematisch. Der HSV legte die bisherigen Genehmigungen des Bezirks auf Eis, nachdem die Politik den Weg für den Campus-Bau eigentlich bereits im März frei machte (wir berichteten). Für öffentliche Flächen, die bereits hier für einen Bau notwendig wurden, wurde die Verlegung eines Spielplatzes und ein Erbbaurecht angedacht. Der Liegenschaftsvertrag wurde allerdings bislang nicht unterschrieben.

Die Planungen, die insbesondere Beiersdorfer vorantreibt, sollen ein deutlich größeres Gelände umfassen, wofür nicht nur noch mehr öffentliche Fläche am Volkspark hermüsste, sondern offenbar sogar der bestehende Bebauungsplan geändert werden muss. Nicht vier bisher angedachte Trainingsplätze, sondern bis zu sieben sind nach Informationen von ALTONA.INFO Bestandteil der Überlegungen. Das Gebäude selbst soll nebenbei größer werden.

Abseits davon, dass ein B-Plan-Verfahren viel Zeit in Anspruch nimmt und mehr öffentliche Grünflächen zu Betriebszwecken hermüssten, soll ein Erbbaurecht als Instrument für die FHH ebenfalls problematisch sein. Flächen am Volkspark müssten offenbar in das Eigentum übergehen, um solche Ideen zu realsieren. Wie weit diese Ideen tatsächlich gehen, wird Beiersdorfer der Kommunalpolitik aus Altona erklären. Öffentlich oder nicht-öffentlich, für die Vorstellung dürften sich nicht nur Anleihezeichner interessieren. (cz)

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