So wird der HSV-Campus nicht mehr aussehen, soviel steht wohl fest. Ursprüngliche Visualisierung/Darstellung: HSV / ECE

Altona / Bahrenfeld. Die Umsetzung des neuen HSV-Campus und entsprechende Pläne wurden von HSV Fußball AG-Vorstand Dietmar Beiersdorfer im Rathaus Altona vorgestellt (wir berichteten mit einigen Details vorab). Das „wichtigste strategische Projekt für den HSV“ soll nach starker Überarbeitung in zwei oder mehr Schritten umgesetzt werden, heißt es. Die nun folgende Genehmigungsplanung sei bis 2015 angedacht – ein Bauantrag aus Basis der bislang bekannten Planungen hätte indes schon längst eingereicht sein können.

Im März machte die Bezirksversammlung Altona zwar den Weg für den HSV-Campus frei. Der HSV jedoch unterzeichnete die Genehmigung nebst Verträge der Liegenschaft nicht. In Zeit ging es schließlich um Klassenerhalt, Umwandlung in eine AG und zahlreiche Personalwechsel. Der neue Vorstandschef der frischgegründeten HSV Fußball AG, Dietmar Beiersdorfer, riss das Runder nun etwas rum und erläuterte Änderungen am Konzept bei einer Sitzung des Hauptausschusses.

Seine Vorstellung in Begleitung von zwei HSV-Managern erfolgte allerdings im nicht-öffentlichen Teil, obwohl oder gerade weil das öffentliche Interesse an den verzögerten Planungen groß ist? Einige Abgeordnete meinten nach der Sitzung, das hätte durchaus auch öffentlich präsentiert werden können.

Hauptausschuss-HSV
HSV-Boss Dietmar Beiersdorfer saß hier in Begleitung zweier Manager bei der Sitzung des Hauptausschusses am 9.10. noch in der letzten Reihe, bevor er dann im nicht-öffentlichen Teil präsentierte.

Nach den ALTONA.INFO vorliegenden Informationen sollen jetzt bis zu sieben Spielfelder umgesetzt werden. Aktuell sind es dreieinhalb und in dem ersten Campus-Entwurf war von fünfeinhalb Flächen die Rede. Das angedachte Gebäude soll wesentlich größer werden, dennoch ausschließlich dem Leistungssport vorbehalten sein. Der Verein möchte mit dem HSV-Campus nach eigenen Darstellungen „Optimale Rahmenbedingungen für die Trainingskultur“ schaffen. Auf ursprüngliche Elemente, wie ein Café oder Tagungszentrum (kommt angeblich vorerst in die Arena rein) soll zunächst verzichtet werden.

Bei den neuen Entwürfen wird gleich in zwei oder mehreren Schritten geplant. Die Entwurfs- und Genehmigungsplanung soll bis 2015 fertig sein, dann erfolge die Vergabe von Bauarbeiten. Offenbar will man auch die eigene Hauptversammlung im Januar abwarten, bevor man gegenüber dem Amt weitere Anträge stellt. An den Entwurfsplanungen ist derzeit weiter eine Firma von ECE-Vorstand Alexander Otto beteiligt, die nach Angaben aus politischen Kreisen kostenneutral für den HSV gestalte, heißt es.

Besonders interessant ist, dass Gebäudeplanungen nach den unserer Zeitung vorliegenden Informationen Erweiterungsbauten ermöglichen sollen. So ist in Darstellungen der HSV-Fußball AG etwa von „Projektausweitung nach Fertigstellung“ oder von „modularer Ausbau des Gebäudes“ die Rede. Indoor-Sportflächen sind dort ebenfalls angedacht, bestätigt der betraute HSV-Campus Projektmanager auf Anfrage von ALTONA.INFO. Er betont allerdings, dass HSV-Spieler derzeit die Volkbank-Arena dafür nutzen.


Muss der Bebauungsplan geändert werden?

Für alle Erweiterungen zum HSV-Campus gegenüber den vorherigen Planungen sind nun weitere Abstimmungen mit dem Bezirk Altona und Kommunalpolitik notwendig, soviel steht fest. Beiersdorfer selbst suchte nach Angaben des Amtes nun selbst den Weg für ein Gespräch. Auf den Fluren im Amt machten zuletzt noch Gerüchte die Runde, dass für einige Ideen des HSV auch ein Bebauungsplan geändert werden müsste. Kern der Frage ist schließlich, welche öffentlichen Grundstücke in welchem Umfang den Eigentümer wechseln sollen. Bei der Genehmigung aus März 2014 plante die Stadt in Vereinbarung mit dem HSV noch ein Erbbaurecht für Teilflächen. Sollte es tatsächlich zu einer Änderung des B-Plans kommen müssen, ist mit jahrelanger Verzögerung für das Projekt zu rechnen. Einen Blick dürften auch Grünflächenexperten auf die Bauplanungen im Volkpark-Areal werfen.

Sportgroßveranstaltungen, Anlaufpunkte für Aufenthaltsqualität, Tagungs- und Veranstaltungsmöglichkeiten, etwa für die Durchführung von Sport- und Fußballsymposien, der Aufbau eines Lauftreffs und sog. Parksportangebote sind weitere Punkte auf der vorgestellten Campus-Agenda, die das Team von Beiersdorfer in etwa anderthalb Stunden im Altonaer Rathaus vortrug.

 


Talentförderung in Kooperation mit Partnervereinen

Außerhalb der Bauthemen zum HSV-Campus will die Fußballabteilung auch intensiv mit Partnervereinen in Hamburg kooperieren, dortige Trainer ausbilden und talentierten Nachwuchs frühzeitig an den HSV binden. Der Einsatz von Kindertrainern, die Entwicklung von Schulungsinhalten und Fortbildungen sind angedacht. „Dies geschieht vor dem Hintergrund, dass wir uns wieder enger in Hamburg mit den Vereinen vernetzen möchten und zu einer Gesamtverbesserung im Hamburger Nachwuchsfußball beitragen wollen. Natürlich profitieren auch wir von der Verbesserung der Talentförderung in Hamburg. Wir wollen mit diesen Fortbildungen aber vor allen Dingen etwas an die zurückgeben, die an der Basis meist als Ehrenamt wertvolle Arbeit leisten. Und wenn es uns mit diesen Angeboten gelingt, die Qualität insgesamt zu verbessern, kommt dies in erster Linie den Vereinen zu Gute, die diese Angebote wahrnehmen“, antwortete der HSV unserer Zeitung zu dieser Frage.

 

Finanzierung gesichert?

Wir befragten den HSV auch zu Finanzierung und Zeitplan. Auf unsere Frage „Wie hoch sind die Ca.-Investitionskosten für Phase 1 und Phase 2 (Erweiterung)?“ antwortete der Verein: „Wir prüfen aktuell die einzelnen Bedarfe und fügen diese anschließend in ein funktionales und architektonisches Konzept zusammen. Das muss dann finanziell realisierbar sein. Von daher bitten wir um Verständnis, wenn wir uns zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht zu den Kosten äußern.“ Zum modularen Aufbau heißt später es weiter: „Wir werden den HSV-Campus schrittweise den sportlichen Notwendigkeiten und finanziellen Möglichkeiten entsprechend entwickeln. Dies erfolgt perspektivisch. Das erste Modul umfasst den Nachwuchsbereich.“

Die Umsetzung des Campus sei für den HSV derzeit ein finanzieller Kraftakt, berichtet der Projektmanager. Angesichts der Wichtigkeit des Projektes für die Zukunft des Vereins „werden wir alle Möglichkeiten der Finanzierung in einzelnen Bausteinen prüfen und ausschöpfen, um dieses Projekt zu realisieren. Die Mittel der Jubiläumsanleihe sind zum Teil in der Innenfinanzierung gebunden und werden, soweit Sie zur Finanzierung des Campus benötigt werden, zum entsprechenden Zeitpunkt wieder freigesetzt“, berichtet der Fußballclub aus dem Volkspark auf Anfrage von ALTONA.INFO.

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