Hamburg. Ein guter Teil des Hamburger Hafens wird endlich umweltfreundlicher. Einerseits arbeitet die HPA seit dem Sommer an der lange geforderten Landstromversorgung für das Kreuzfahrtterminal in Altona. Andererseits kam nun auch das erste Stromversorgungsschiff, die LNG Hybrid Barge, in den Hafen und wurde auf den Namen „Hummel“ getauft.

Die LNG Hybrid Barge auf dem Weg nach Hamburg. Foto: Becker Marine Systems
Die ‚Hummel‘ auf dem Weg nach Hamburg. Foto: Becker Marine Systems

Die „Hummel“ soll von Wasserseite für die Stromversorgung während der Liegezeiten sorgen. Das schwimmende Kraftwerk stammt vom Unternehmen ‚Hybrid Port Energy‘, einem Unternehmen von Becker Marine Systems, das in der ersten Phase mit Aida Cruises kooperiert. Die 76,7 m lange, 11,4 m breite und ca. 1,7 m tiefgehende Barge erzeugt mit fünf Generatoren eine Leistung von 7,5 Megawatt (50/60 Hz) und sei besonders emissionsarm. Im Vergleich zu herkömmlichem Marinediesel mit 0,1 Prozent Schwefelanteil würden keine Schwefeloxide und keine Rußpartikel mehr emittiert. Die Emission von Stickoxiden verringere sich um bis zu 80 Prozent, der Ausstoß von Kohlendioxid um 30 Prozent, beschreibt das Unternehmen. Schließlich geht es darum, die toxischen Abgase von Schiffen zu reduzieren, die üblicherweise im Hafen liegend ihren Strombedarf für tausende Gäste mit Bordmotoren erzeugen. Dies geht und ging immer zu Lasten der umliegenden Bevölkerung in Hamburg, insbesondere entlang des Altonaer Elbhangs, wie zahlreiche Messungen in den letzten Jahren zeigten.

 

Kreuzfahrtterminal in Altona ab Mitte 2015 mit Landstrom

Das Schiff ist für Becker Marine Systems eine Weltpremiere und wurde am Samstag in der Hafencity getauft, wo es überwiegend zum Einsatz kommen wird. Schließlich hatte man sich hier vorerst und aus angeblichen Kostengründen (wurde in einem Gutachten kalkuliert) gegen Landstrom entschieden.

Für das Kreuzfahrtterminal in Altona, am Fuße des eigentlichen Fischmarktes, hat derweil die Hamburg Port Authority (HPA) den Auftrag von Senat und Bürgerschaft für die Umsetzung der ersten Hamburger Landstromanlage. Die seit Sommer im Bau befindliche Versorgungseinheit wird an das Terminal angebaut, kostet etwa 10 Mio. Euro, wovon 3,5 Mio. aus EU-Fördermitteln eingeworben wurden. Siemens baut die Anlage im Auftrag der HPA, die nach dem derzeitigen Stand auch selbst Betreiber der Anlage sein wird. Auch hier können Kreuzfahrtschiffe künftig während ihrer Liegezeit in Altona „nahezu alle Motoren ausstellen“, so die HPA. So würde der Ausstoß von Stick- und Schwefeloxiden und Feinstaub, sowie auch Kohlendioxid deutlich reduziert. Ein positiver Nebeneffekt sei auch die Reduzierung von Schallemissionen.

Erklärtes Ziel ist „die energetische Neuausrichtung des Hamburger Hafens“, betont die HPA. Für die Nutzung der Landstromanlage soll sogar der Bezug von Energie aus erneuerbaren Quellen vorgesehen sein. Damit verzichtet man im Gegensatz zu der ergasverbrennenden „Hummel“ hier sogar auf fossile Energieträger.

In dem 2012 vorgelegten Gutachten wurde noch auf einen Zielkonflikt mit Reedereien hingewiesen. Sowohl die Anbindung an das Versorungsschiff von Wasserseite als auch die Lieferung mit Ökostrom von Landseite aus dürfte zu höheren Kosten als die Verbrennung von Schiffsdiesel für die Stromgewinnung führen. Auf Anfrage von ALTONA.INFO heißt es von HPA-Seite, dass noch keine Kontrakte mit Reedereien für den Bezug von Strom vereinbart wurden. Bei Becker Marine Systems startet man 2015 zunächst mit der Versorgung eines Schiffes aus der Aida-Flotte.

Landstromanlage-HPA-KreuzfahrtterminalAltona
Fertigstellung Sommer 2015: An das Terminal wird für die Landstromanlage ein Gebäudeteil ‚angedockt‘ Visualisierung: HPA / rhw-Architekten Hamburg

Hamburger Hafen: Weitere Umwelttechnik von HPA geplant

Ein guter Schritt ist mit der Umsetzung beider Maßnahmen getan, das betonen auch die Umweltverbände. Der Senat hat Wort gehalten und die langjährig geforderte Landstromversorgung in Altona umgesetzt. Unklar ist noch der wirtschaftliche Rahmen in den sich Reedereien mit ihren schwimmenden Kleinstädten einfügen werden.

Die im Verhältnis wesentlich energieärmeren Containerschiffe gilt es auch noch anzubinden. Die HPA hat sich dies unter dem Projektclaim „smartPORT energy“ nach eigenen Angaben ebenfalls für 2015 vorgenommen, nachdem man bislang insbesondere in Solaranlagen und Windenenergie im Hafengebiet investierte. Auch der Einsatz einer sogenannten Power-to-Gas-Technik mit Speicherlösungen ist angedacht. Bis Mitte 2014 sei „die Prüfung der industriellen Anwendung von Wasserstoff und ggf. den Bau einer Demonstrationsanlage zur Gewinnung von Wasserstoff aus erneuerbaren Energien“ angedacht sowie bis 2015 die „Entwicklung erster Projektideen und Pilotvorhaben von Speichertechnologien“, heißt es bei der HPA. Bis in das nächste Jahr will man weiterhin den Aufbau von bis zu sieben zusätzlichen Windenergieanlagen im Hamburger Hafen sowie in den Auf- und Ausbau eines Lastmanagementsystems und eines virtuellen Kraftwerks mit im Hafen ansässigen Betrieben investieren.

Wird der Hamburger Hafen in den nächsten Jahren ein veritabler ‚Green Harbour‘ könnten die pilotierten Techniken nicht nur starkes Exportgut werden. Ein optimaler Einklang zwischen maritimer Wirtschaft und wohnender Bevölkerung hätte weit über Hamburg hinaus eine bedeutende Ausstrahlung auf viele andere Hafenstädte. (cz)

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