Hamburg / Altona. Das Bezirksamt Altona hat den neuen Gesundheitsbericht in der zweiten Auflage erarbeiten lassen und vorgelegt. Die beauftragte Universität Hamburg habe „erfreulicherweise wissenschaftlich fundierte Antworten und differenzierte Handlungsempfehlungen für die Senioren, die Bezirkspolitik und die Senioreneinrichtungen“ erteilt, kommentierte Dr. Frank Toussaint, Vorsitzender der Bezirksversammlung Altona. Bezirksamtsleiterin Dr. Liane Melzer betonte, das Amt setze sich dafür ein, dass Seniorinnen und Senioren gern und möglichst lange eigenständig in Altona leben könnten. „Ich hoffe, dass die Empfehlungen auf fruchtbaren Boden fallen werden und zur Verbesserung der Gesundheit, des Lebens und der Pflege von Seniorinnen und Senioren in Altona beitragen werden“, so Melzer.


Ergebnisse aus dem Bericht – 323 befragte Seniorinnen und Senioren

Der Bericht, der auch vor dem Hintergrund des demografischen Wandels erschien, nehme aktuell Gestalt an. Man begegne im Bezirk Altona immer mehr Senioren, heißt es. Neue Herausforderungen ergäben sich nun für die Bezirkspolitik, für die Geschäftswelt sowie für die Gesundheits-, Sozial- und Pflegeeinrichtungen.

Im Rahmen Berichtes wurden 323 Seniorinnen und Senioren, davon 142 selbständig lebende, 50 in der ambulanten Pflege betreute und 119 im Pflegeheim lebende Personen befragt. Aspekte zu Fragen des generellen gesundheitlichen Wohlbefindens der Altonaer Seniorinnen und Senioren, zu Mobilitäts- und Funktionalität und zum psycho-sozialen Wohlbefinden konnten hierbei erstmals beantwortet werden. Grundsätzlich wären Unterschiede zwischen den selbständig lebenden Seniorinnen und Senioren und den Personen, die pflegerische Hilfe benötigen ermittelt. Erwartungsgemäß erhöhte sich demnach der Betreuungs- und Pflegeaufwand mit zunehmendem Alter, bei gleichzeitig reduziertem gesundheitlichem Wohlbefinden. Unerwartet hingegen war, so der Bericht, dass es kaum geschlechtsspezifische Unterschiede gab. Auch konnte im Vorwege nicht erwartet werden, dass die psycho-soziale Situation der Personen, die in der ambulanten Pflege betreut werden deutlich schlechter ausfällt, als die der Heimbewohner.

Dafür spreche auch, dass viele Pflegedienste aus Personalknappheit eine Mitarbeit an der Befragung ablehnen mussten. Einschränkend müsse noch berücksichtigt werden, dass die Befragung nur mit Personen durchgeführt werden konnte, die dazu gesundheitlich in der Lage waren. Daher könnten kaum Aussagen darüber getroffen werden, wie es Personen mit höheren Pflegestufen geht. Die erfasste Stichprobe repräsentiere ein stimmiges Verhältnis Männer: Frauen und dem prozentualen Anteil von Menschen mit Migrationsanteil im Bezirk.

Im Fokus waren auch Daten zum Gesundheits- und Freizeitverhalten der Altonaer Seniorinnen und Senioren analysiert werden. Eine Auffälligkeit sei der geringe Bekanntheitsgrad zentraler Einrichtungen wie dem „Pflegestützpunkt“ und der „Seniorenberatungsstelle“. Es ergab sich auch eine Diskrepanz zwischen den Wünschen der Seniorinnen und Senioren an Senioreneinrichtungen und Begegnungsstätten und der Nutzung des vorhandenen Angebots. Die meisten Wünsche der Seniorinnen und Senioren würden bereits über die Einrichtungen angeboten, jedoch von der Zielgruppe nicht genutzt. Vielmehr sei hier die barrierefreie Erreichbarkeit der Einrichtungen und die inhaltliche Ausgestaltung der Angebote anzuschauen.


Altersarmut als Grund für schlechtere gesundheitliche Voraussetzung belegt

Die Erreichbarkeit der Hausärzte wurde positiv bewertet. In Bezug auf den zentralen Aspekt der Altersarmut konnten zunächst vermutete Annahmen zu schlechteren gesundheitlichen Voraussetzungen für sozial schwächer gestellte Personen belegt werden, die jedoch weder geschlechtsspezifisch noch vor dem Migrationshintergrund auffällig ergaben.

„Unerwartet war, dass sich die Gruppe der Personen mit niedrigem Einkommen innerhalb der Armutsgefährdungsschwelle auf die Stadtteile mit vermeintlich niedrigem und mittlerem sozioökonomischen Status gleichermaßen aufteilten. Somit ist ein Großteil der Seniorinnen und Senioren im Bezirk Altona möglicherweise von Altersarmut und der zugehörigen gesundheitlichen Ausgangslage betroffen“, konstatiert der Bericht.

Das Bezirksamt fasste die Ergebnisse des Berichtes in Kurzform wie folgt zusammen:

  • Selbstständig lebende Senioren haben mehr Geld zur Verfügung
  • Armutsgefährdete Senioren leben gleichverteilt in den schwächeren Altonaer Stadtteilen.
  • Personen, die über 500–1000 € monatlich verfügen, beurteilten ihren Gesundheitszustand schlechter als Personen mit 1001–2000 € im Monat.
  • In den höheren Einkommensgruppen findet sich außerdem ein größerer Anteil von Personen, die ihren Gesundheitszustand als „sehr gut“ oder „ausgezeichnet“ bewerteten.
  • In den unteren Einkommensstufen zeigten sich mehr Krankheitshäufungen als in den oberen Einkommensstufen.
  • Über 50 % der Personen im Einkommensbereich von 500–1000 € stuften ihre Schmerzen mit „mäßig“ bis „stark“ ein, außerdem besaßen sie häufiger die Pflegestufe 2.

Der 2. Altonaer Gesundheitsbericht und die dazugehörige wissenschaftliche Dokumentation sind beim Gesundheitsamt Altona gedruckt erhältlich oder hier als PDF-Datei erhältlich.

KOMMENTAR / LESERBRIEF

Antwort hinterlassen