Hamburg. Der Landeselternausschuss (LEA) warnt die Sozialdemokraten vor einem „Bruch ihres Wahlversprechens“. Hintergrund sind Forderungen nach einer Verbesserung der Betreuungsqualität in Kindertagesstätten und eine Demo am 30. Oktober unter dem Motto „Wenn wir uns nicht bewegen, bewegt sich nichts! – Wir wollen mehr als SATT und SAUBER“ zu der u.a. Ver.di aufgerufen hat. Erst in diesem Jahr hatte der Senat 75 Mio. Euro in die kostenfreie 5-Stunden-Betreuung von Kindern investiert, die in Hamburg seit August für alle Eltern gilt.

„Die SPD hatte den Hamburger Eltern vor der letzten Bürgerschaftswahl zugesagt, in die Qualität von Kindertagesstätten zu investieren. Dieses Versprechen würde der Senat brechen, wenn er nicht weitere Mittel für die Kitas bereitstellt“, so LEA-Vorstandsmitglied Björn Staschen. Zentrale Forderung ist mehr Personal in Hamburger Kitas.

Die SPD habe, so erkennen die Elternvertreter an, Zusagen aus einer Vereinbarung umgesetzt, die von der Vorgängerregierung eingeführte Gebührenerhöhung rückgängig zu machen sowie die fünfstündige Betreuung für alle Kinder gebührenfrei gestellt. „Ebenso wichtig war Hamburgs Eltern jedoch die Zusage, dass die Qualität der Kitas sich nicht verschlechtern würde“, so LEA-Vorstandsmitglied Angelika Bock.

Studien würden belegen, angeführt wird der Bertelsmann-Ländermonitor für frühkindliche Bildung, dass die Stadt „seinen Unter-Dreijährigen mittlerweile die schlechteste Betreuung aller westdeutschen Bundesländer“ zumute, so LEA-Vertreter Björn Staschen.  Der LEA fordert den Senat auf, mit einem neuen Angebot auf die Kita-Träger zuzugehen. Aktuell gibt es Verhandlungen um einen neuen Landesrahmenvertrag, der die Beschäftigungslage regelt. Um hier Ziele zu erreichen, u.a. eine Forderung nach 25 Prozent mehr Personal, hätten die Elternvertreter auch die Verschiebung der kostenlosen fünfstunden-Betreuung um ein Jahr vorgeschlagen. Der Bürgermeister bewege sich jedoch nicht auf den LEA zu, konstatieren die Vertreter. „Wir fordern alle Eltern auf, sich an der Demonstration des Kita-Netzwerkes am 30. Oktober zu beteiligen“, erklärt Bock. Der Sternmarsch beginne ab 16.30 Uhr mit Kundgebungen am Theudor-Heuss-Platz (Dammtorbahnhof) und am Gerhart-Hauptmann-Platz.

 

Ver.di unterstützt die Demonstration der Kita-Beschäftigten am 30. Oktober

Die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) unterstütze Forderungen für bessere Bedingungen in den Kitas. Bereits am 16. Oktober hatte ver.di im Rahmen der Aktion „Mehr Personal in Hamburger Kitas“ Postkarten ins Rathaus gebacht und an Sozialsenator Scheele geschickt.

Die aktuelle Fassung des Landesrahmenvertrages sehe vor, dass bei den Kleinen unter 3 Jahren eine Erzieherin für über 5 Kinder verantwortlich sein soll, so ver.di. Wenn eine Gruppe 10 Kinder groß sei, seien  zwei ErzieherInnen zuständig. Für Abwesenheiten gäbe es jedoch keinen Ersatz, so dass ein Erzieher durchaus 24 Wochen im Jahr allein für 10 Kinder zuständig sei. „Dies ist nicht im Sinne der Eltern, gefährdet die Kinder und die Gesundheit der Beschäftigten“, so ver.di.

Die gesamte Personalausstattung in Kitas solle vielmehr an wissenschaftliche Erkenntnisse angepasst werden: Für Kinder bis 1,5 Jahre: 3 Kinder = 1 Fachkraft; Für Kinder zwischen 1,5 und 3 Jahren: 4 Kinder = 1 Fachkraft; Für Kinder zwischen 3 Jahren und Schuleintritt: 8 Kinder = 1 Fachkraft; Für Kinder ab Schuleintritt: 10 Kinder = 1 Fachkraft.

ver.di fordert weiterhin zusätzliche Verfügungszeiten (1/3 der Arbeitszeit) für Dokumentation, Reflexion, Austausch, Planung und Kommunikation mit Eltern, Schule und weitere Institutionen, um die berechtigten Ansprüche der Eltern nach Qualität erfüllen zu können, heißt es.

KOMMENTAR / LESERBRIEF

Antwort hinterlassen