Hamburg / Altona / Blankenese. Die Verkehrsbetriebe Hamburg-Holstein haben nun ihren ersten Elektrobus – die Linie 48 für das Treppenviertel – vorgestellt. Bürgermeister Olaf Scholz gab den Startschuss für den ersten vollständig emissionsfreien Elektrobus in Hamburg und machte klar: Ab 2020 will Hamburg nur noch solche Busse bestellen.

Der eigentliche Star an diesem Tag ist jedoch Italiener. Stolz steht Unternehmer Stefano Rampini, Leiter eines mittelständischen Familienbetriebs mit etwa hundert Mitarbeitern, vor seinem Gefährt. ‘Made in Italy’ sind die Busse, die der Ingenieur mit seiner Firma entwickelt und für 200.000 Euro nun erstmalig in Deutschland verkauft. Weshalb muss ein deutsches Verkehrsunternehmen aus dem Autoland Deutschland eigentlich ausgerechnet in Italien einkaufen? Rampini lacht, erklärt, das Geschäft lohne sich offenbar noch nicht für die träge und große Industrie. Der Mittelstand ist wie so häufig gefragt, mit mutigen Schritten bei der Energiewende voran zu gehen.

Vier verschiedene Modell gibt es, bislang wurden 30 Busse verkauft, berichtet der Unternehmer. Etwa 60.000 Euro kostet heute noch ein Batteriesatz, der abhängig von der Beanspruchung aber mindestens vier bis fünf Jahre halte, schätzt er. In den italienischen Bergen durften Fahrzeuge aus seinem Haus bereits hinreichende Erfahrungen mit Höhenunterschieden machen. Dagegen betrachtet sei der Waseberg im Treppenviertel eine kleinere Herausforderung.

2011 hatten die Verkehrsbetriebe Hamburg-Holstein (VHH), damals noch PVG, bereits einen Bus getestet und mit einer Mängelliste zurückgeschickt. Fast vier Jahre später ist nun der erste emissionsfreie Bus ausgeliefert, der bei dem Halt nach seiner 20-minütigen Runde am Erik-Blumenfeld-Platz halt macht und in der Pause des Busfahrers ‘strombetankt’ wird. 20 Prozent der Ladung könne so ergänzt werden, darüber hinaus wird auch Bremsenergie für die Ladung genutzt, erklärt der Busfahrer.

Hier ein Foto, da ein Foto im herbstlichen Nebel des Blankeneser Treppenviertels. Der Bürgermeister haut in seiner Rede ordentlich auf die Pauke. Die Stadt Hamburg sei immerhin der deutschlandweit größte Kunde für die Bestellung von Bussen. Ab 2020 wolle der Hamburger Senat nur noch emissionsfreie Busse ordern, verkündete Scholz abermals und verknüpft dies mit einem direkten Aufruf an die Hersteller.

Einige Anwohner schauen sich das Spektakel für die Pressemeute an. Ein Mitglied aus dem Bürgerverein berichtet, viele ältere Menschen beobachten ihre liebgewonnene “Bergziege”, den Bus mit der Nummer 48, gerne aus dem Fenster. Die Gefahr, dass sie den Bus nicht mehr hören und auf dem Fensterbrett einschlafen, ist jetzt hoch. Das Gerät meckert schließlich nicht mehr wie eine Ziege. Der Bus schleicht sich leise an, wie eine Katze.

 

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