Altona / Blankenese / Rissen. Im Rahmen einer Begehung am Montag habe ein Mitarbeiter des Bezirksamtes Altona umgekippte Bäume im Hanggebiet des Sven-Simon-Parks zwischen Blankenese und Rissen gefunden. Zuvor hatte der Bürgerverein auf einen sogenannten Baumfrevel aufmerksam gemacht und wir fragten nach. Der Fall ist offenbar schon mehrere Monate her. Was ist passiert und weshalb fällt dies erst jetzt auf?

Am Folgetag (Dienstag) sei das Amt vor Ort gewesen, um den Umfang des Schadens und den Ort genauer einzugrenzen. „Bei dieser Begehung konnte festgestellt werden, dass die neu gefällten Bäume alle im räumlichen Zusammenhang mit dem Bereich des Baumfrevels aus dem Jahr 2008 stehen“, so das Amt in einer Mitteilung. Damals stand das ehemalige Axel Springer-Anwesen auf dem Hügel zum Verkauf. Der Sven Simon Park trägt den Künstlernamen des 1980 unter räselhaften Umständen verstorbenen Verlegersohnes Axel Springer jun. und gehört heute der Stadt.

Der vorliegende Baufrevel im Park ist schon einige Monate alt. Da alle Bäume vertrocknetes Laub und zum Teil auch Stockausschläge aus dieser Vegetationsperiode aufwiesen, könne davon ausgegangen werden, dass der neuerliche Baumfrevel „wahrscheinlich im Zeitraum Frühsommer bis Sommer diesen Jahres stattgefunden hat“, schreibt das Bezirksamt Altona. Die Schnittflächen-Verfärbungen, als Anzeichen für eine leichte Verwitterung, deuten auch darauf hin. Aufgrund dieser Anhaltspunkte ginge das Bezirksamt Altona davon aus, dass die illegalen Schnittmaßnahmen vor ca. 2-4 Monaten stattgefunden haben.


Weshalb so spät entdeckt – weshalb passiert es immer wieder?

Der Fall war dem Grünamt offenbar deshalb nicht vorher aufgefallen, weil es seit Jahren an Haushaltsmitteln für die Grünpflege in den Parks mangelt. Bezirkspolitiker machen seit Jahren darauf aufmerksam, dass Gelder meist bis Jahresmitte reichen und ab dann Arbeiten in den Parkanlagen häufig bis ins nächste Jahr verschoben werden müssten, wenn neue Haushaltsmittel wieder zur Verfügung stehen. Ein anderes Thema ist, wer den Baumfrevel an den betroffenen drei Roteichen, zwei Eichen zwei Buchen und eine Birke zu verantworten hat oder davon profitiert. Infolge der Erkenntnisse der Begehung am Dienstag sei die für Umweltdelikte zuständige Abteilung der Wasserschutzpolizei informiert worden. Auch der Altonaer Grünausschuss sei nun informiert worden, heißt es.

An der Elbe kommt es immer wieder zu Baumfrevel, der sich mitunter auch als gefährlich für die Stabilität des Elbhangs selbst aufweist, wie schon historische Aufzeichnungen belegen. Steht der Fall in Verbindung zu Grundbucheinträgen? Ein sogenanntes ‚Elbeaussichtsrecht‘ ist immer wieder eine der Ursachen, weshalb Behörden auf dem Klageweg – zumindest vor Verwaltungsgerichten – wenig Einfluss nehmen könnten. Als der Wanderweg und Parks entlang der Elbe zu Zeiten der Stadt Altona unter Gustav Oelsner und Ferdinand Tutenberg entstanden, wurde in Vorbereitung auf den Bau die sogenannte „Elbgerechtigkeit“ in zahlreiche Grundbücher privater Eigner eingetragen. Das verbriefte Grundrecht sicherte – im Gegenzug zum Verkauf von Grund an die Stadt für den Bau von Parkanlagen – eine Aussicht zu.

Dieses Recht, das heute Elbeaussichtsrecht genannt wird, insbesondere aber auch die mangelnde Aufklärung über seine Existenz, führt immer wieder zu recht selbstverständlichen Handlungen von Grundeigentümern am Elbhang. Amt und Politik schauen dann handlungsunfähig zu – sind sie es wirklich? Ob eine solche Klausel heute noch wirksam ist oder nicht selbst gegen das Grundgesetz oder sogenannte Grundzüge der Planung verstößt, hat noch niemand untersucht. Solange wird es immer wieder abgehackte Bäume am Elbhang für den Blick weniger geben.

Ob diese Klausel auch hier eine Bedeutung hat, zumal wiederholt an selber Stelle agiert wurde, ist nicht aufzuschließen. Die Polizei ermittelt und freut sich über Hinweise. Zum spektakulären Thema „Elbeaussichtsrecht“ überlegen wir derzeit eine umfangreiche Anfrage nach dem Hamburgischen Transparenzgesetz.

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