Hamburg / Altona. Der Erhalt verschiedener Beschäftigungsverhältnisse im ‚Niedrigstlohnsektor‘ ist nach einer Ankündigung des zuständigen Arbeitsamtes „team.arbeithamburg“ im nächsten Jahr gefährdet. Insgesamt ein Drittel der bisherigen Jobs, die in Altona insbesondere über den Beschäftigungsträger Koala e.V. laufen, sind offenbar gefährdet. Unterschriften werden bereits gesammelt und Bezirksversammlung Altona debattierte das Thema. Es geht um Angebote wie „La Cantina“, „Infocenter“ oder „Standläufer“.

Für die bundesweit bekannte Arbeitsamts-Mitarbeiterin Inge Hannemann ist das eine Steilvorlage. In ihrer ersten Rede seit Antritt des Mandates als Abgeordnete der Bezirksversammlung schlug Hannemann (LINKE) einen großen Bogen, sprach vom Versagen des neoliberalen Modells und geschönten Arbeitsmarktstatistiken. Den Antrag der LINKEN unterstützten allerdings auch die anderen Fraktionen – bis auf zwei Punkte. Sven Kuhfuß (GRÜNE) betonte, dass Trägern wie Koala „doppelter Respekt“ gebühre.  Einerseits, weil sie Menschen mit Schwierigkeiten wieder eine Chance gäben, andererseits sich diese Menschen dann auch gemeinnützig engagierten. Ilona Schulz-Müller (SPD) stellte klar, sie sei „keine Freundin von Ein-Euro-Jobs“, weil diese nicht den gewünschten Effekt zur Reintegration in den ersten Arbeitsmarkt gebracht hätten. Ohne diese Arbeitsgelegenheiten würde jetzt jedoch vielen Menschen die sinnvolle Beschäftigung auch noch genommen. Sozialsenator Detlef Scheele (SPD) hätte den Wegbruch damals öffentlich kritisiert. Die BASFI sei jetzt mit der Bürgerschaft trotzdem am Zug, eine Lösung zu finden, so Schulz-Müller.  „Wir wollen nicht nur den Menschen helfen, wieder Arbeit zu finden“, so Andreas Grutzeck (CDU). „Wir wollten auch etwas für die Stadtteile tun“, so der Abgeordnete, der Wert auf eine Vielfalt bei den Maßnahmen legt und kritisiert, dass nach Signalen aus der BASFI nur noch sechs Träger ausgewählt werden sollen. Lorenz Flemming (FDP) unterstützte die Forderungen nach dem Erhalt, legte jedoch Wert auf die Feststellung, dass es sich hier um Sozialpolitik im Verantwortungsbereich einer Kommune handele, nicht jedoch um eine Bundesangelegenheit.

Beschlossen wurde von der Bezirksversammlung Ende Oktober:

Die Bezirksversammlung spricht sich dafür aus, die Angebote der Projekte La Cantina, Infocenter und Strandläufer auch in Zukunft im bisherigen Umfang aufrechtzuerhalten.

Die Behörde für Arbeit, Soziales, Familie und Integration wird gemäß § 27 Absatz 1 Satz 1 BezVG aufgefordert ein zusätzliches stadtweites Förderprogramm für die Finanzierung von Beschäftigungsprojekten – wie z.B. im Bezirk Altona La Cantina/Suppenküche, Infocenter und Strandläufer – aufzulegen. Das Programm soll dazu dienen, den Beschäftigungsprojekten Fördermittel für die zum Projektbetrieb erforderliche Personalausstattung bereitzustellen.

7 KOMMENTARE / LESERBRIEFE

  1. Das ist doch nicht nur Hannemann, das ist der Antrag der Linkspartei in der Bezirksversammlung Hamburg Altona. Glückwunsch ! Die Linkspartei fordert also die Fortführung von AGHs in ganz Hamburg. AGHs sind in der Regel Ein-Euro-Jobs und sollen zurück in das geregelte Arbeits – Leben führen. Aha !

    Ist die Linkspartei nicht in ihrem Parteiprogramm gegen jede Art von AGHs? Hartz VI muss weg ! So lautet doch der Anspruch und Forderung der Linkspartei. Upps !

  2. Lies mal (auch ihre alten) Blogs durch….so ganz weiss sie manchmal wohl nicht was sie will.

    Koala ist eine typische Ein-Euro Bbude und eines der grössten Beschäftigungszentren für ansonsten
    arbeitslose grüne Sozialpädagogen..daher das besonders eifrige grüne Engagement.

    Auf jeden EEJler kommt da gefühlt ein Sozpäd….

    Das Treffpunktargument ist auch nur vorgeschoben….soviel Geld für Geselligkeit?…wers glaubt….

    Was man OHNE Abzocke leisten kann zeigt zb. die Alimaus.

  3. Zuhören müßte man können – Frau Hannemann fordert für die Linke am Ende die 1,- € Jobs in reguläre Arbeitsverhältnisse umzuwandeln. Diese Trägervereine kassieren auch nur ab – wirkliche Jobs oder Anstellungen im 1. Arbeitsmarkt findet man so gut wie nie. Ich kenne zumindest niemanden, der es über 1,- € Jobs geschafft hat. Den Verein Sprungbrett in Bergedorf haben sie auch dicht gemacht wie so viele andere, und das war gut so! Wir haben da nur wie im Gefängnis unsere Zeit abgesessen und private Dinge erledigt… Sie waren froh, daß sie für uns kassieren konnten und wir haben die Zeit insofern sinnvoll genutzt, daß wir mit anderen 1,- € Kollegen in Workshops dazu lernen konnten und in 9 Mon. ein einziges Low-Budget Projekt bearbeitet haben. So war die Zeit nicht nur verschwendet… :)

  4. Die Statistiken das die Erwerbslosen durch die Massnahmeträger (1 € Arbeitsgelegenheit ) in den ersten Arbeitsmarkt langfristig vermittelt sind würde ich gerne mal sehen .

    Das Frau Hannemann die Seiten gewechselt hat war doch früher oder später zu erwarten .

    Hier geht es nicht im Intregration in den 1 .Arbeitsmarkt , sondern Arbeitsplatzerhalt für die Beschäftigen von “ Koala “ Der Zweig der billigen Arbeitssklaven soll erhalten bleiben durch Ausübung von Zwang von team.arbeit .hamburg , Erwebslosen die Existenz zu nehmen , wenn nicht gespurt wird wie team.arbeit .hamburg möchte .
    Erwerbslose(SGB 2 Bezieher ) wie Pratikanten sind lt .des geplanten Mindestlohn ausgeschlossen . Das ganze dient weiterhin die prekäre Beschäftigung aufrecht zu erhalten ,weil über Jahre sich wirtschaftlich ein neuer Arbeitsmarkt entwickelt hat.

  5. @sozialromantiker. Wo sagt Hannemann, das sie für Ein/Euro Jobs ist. Eher wohl das Gegenteil, wenn man die Forderung der Linken zu Ende hört. Genau hier wird zumindest der Mindestlohn und tarifliche Bezahlung gefordert. Aber genau dieses lehnen alle anderen Parteien ab. Wundert es einen? Nun besteht die Möglichkeit Koala ohne Förderung durch die Basfi auflaufen zu lassen und damit einen Treffpunkt für viele Menschen zu zerstören und Arbeitslose zu produzieren oder man sagt zur Basfi Förderung, um dieses zu erhalten.

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