Hamburg. Die Bezirksversammlung Altona debattierte wieder zum Thema Schule. Hier zum Punkt der baulichen Anlagen, bei denen die Bezirkspolitik ein Wörtchen mitzureden hat. Erweiterungsplanungen für die Gymnasien Altona und Allee, sowie für den Neubau der Kurt-Tucholsky-Stadtteilschule in der Neuen Mitte Altona sehen Mischnutzungen der angrenzenden Parkflächen vor. Neues Konfliktpotential? Auch in anderen Punkten ist unklar, was eigentlich aus den vielen zum Abriss freigegebenen Altonaer Schulgebäuden von Rissen bis Ottensen genau werden soll. Der Versuch eines Überblicks zum Thema.

Dass es nicht einfach wird, etwa Versicherungsrisiken bei Parknutzungen durch Schüler im laufenden Schulbetrieb bedacht werden müssen, debattierten die Abgeordneten kontrovers. Vormals hatte sich die BV in Bezug auf die geplante Schule in der Mitte Altona gegenüber der Schulbehörde positioniert.  Schule sei als Schutzraum zu planen und gleiche Aufsichtsbedingungen für alle Schülerinnen und Schüler vorzusehen, die nicht durch eine Mischnutzung von Parkanlagen aufgeweicht werden, hieß es.

Wenn Klassenzimmer in die Höhe gebaut werden müssen, ist offenbar wenig Platz für Schülerinnen und Schüler. Die Gefahr, dass Schulflächen und entsprechende Ausweichflächen auch andernorts verdrängt werden oder räumlich nicht ausreichend geplant werden, ist derzeit hoch. Die Abgeordneten aus dem Altonaer Lokalparlament befürchten nun etwa, dass im Zuge der sogenannten Erweiterungsplanungen von Gymnasium Allee und Gymnasium Altona angrenzende Parks in Ermangelung von Grundflächen als Schulhof genutzt werden sollen. Welche Risiken es dabei gibt, wurde in der Debatte (siehe Aufzeichnung) nur angerissen.

 

Mehrfache Presseanfrage nicht beantwortet

Es ist allgemein nicht besonders einfach, Licht ins Dunkel der Planungen der Schulbehörde zu bringen. Die Pläne zur Mischnutzung von Parks als Schulgelände gehen offenbar weiter, während zudem noch unklar ist, wo z.B. neue Schulen in Altona für die vielen Kinder der vielen neuen Bürger entstehen sollen. ALTONA.INFO wollte das Thema ausführlich aufbereiten und fragte die Behörde für Schule und Bildung bereits am 27. August schriftlich an: „Wo werden in Altona an welchen Standorten Eingriffe in bisherige Schulgelände welcher Art und zu welchem Zweck angedacht? Welche Maßnahmen sind Überlegungen, welche schon beschlossen und in konkreter Umsetzung?“ Wir baten um eine Übersicht, die uns ein BSB-Sprecher daraufhin zwar zusagte. Selbst nach einer viermaligen schriftlichen Aufforderung unter Kenntnisnahme des Senates erhielt unsere Redaktion jedoch noch keinerlei Antwort – der bislang absolute Spitzenwert unter allen Hamburger Behörden. Presseauskunftsrecht, offenbar einfach ignoriert.

Verständlich ist daher, dass auch Bürger und Abgeordnete weiter im Dunkeln tappen müssen. Ein neues Gymnasium soll in Altona entstehen, das ist seit kurzer Zeit bestätigt (wir berichteten). Im Raum Osdorf / Lurup könnte es entstehen, wenn Gerüchte stimmen. Und in Altona soll es mit dem Ersatzbau für die Kurt-Tucholsky-Schule noch einen Mega-Hochbau geben. In der Mitte Altona entsteht faktisch ein Schulhochhaus. Eine Schule, die mehr als siebengeschossig angedacht ist und vielleicht noch höher ausfallen muss, bedenkt man die Bedarfe aus dem neuen großen Wohngebiet und umliegender verdichteter Stadtteile sowie steigende Geburtenzahlen in Hamburg.

 

88 Schulgebäude sind in Altona für einen Abriss vorgesehen

Der langjährige schulpolitische Sprecher seiner Fraktion und ausscheidende Abgeordnete Robert Heinemann (CDU, MdHB) hat derzeit diverse Anfragen zum Thema Schulbau laufen und entlockt der Schulbehörde immer wieder kleinteilige Information. „Insgesamt ist mein Eindruck, dass weder der Schulbau richtig voran kommt noch richtig auf den Wohnungsbau reagiert wird. Scholz selber hat 2013 38 neue Schulen bis 2030 als notwendig erachtet. Aber bis heute gibt es keinerlei Plan, wo die gebaut werden sollen“, kritisiert Heinemann.  Stattdessen würden städtische Grundstücke verkauft, obwohl in Altona schon jetzt ein Gymnasium fehle. Große Bauprojekte wie der Othmarschen Park, Mitte Altona und Kolbenschmidt / Hermes / Holsten sind dabei noch gar nicht fertiggestellt bzw. begonnen. Heinemann fordert eine regionale Schulentwicklungsplanung, die auch künftige Schülerzahlen prognostiziert und darauf aufbauend Planungen entwickelt. „Aus meiner Sicht verschläft der Senat derzeit völlig, dass dem Wohnungbau auch Schulen folgen müssen. Stattdessen wird abgerissen und verkauft“, so Heinemann.

Nach einer Aufstellung, die er für Gesamt-Hamburg von der BSB erhielt, sollen allein im Bezirk Altona 88 Schulgebäude abgerissen werden. In Kategorie 5 sind 63 Gebäude (und -Bestandteile) von der Schulbehörde erfasst. Mit der höheren Priorität würden die übrigen Gebäude des Typs 6 von Plänen erfasst. Für alle mit den Noten 5 und 6 klassifizierte Gebäude habe Schulsenator Rabe einen Abriss angekündigt.

Die Aufstellung der Belegenheiten, Typen und Klassifizierungen im Bezirk Altona (PDF).

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