Hamburg / Altona / Sternschanze. Kinder haben den Florapark besetzt! … und am Mittwoch Blumen gepflanzt. Mit der Aktion, die vom Stadtteilbeirat Sternschanze und dem Bezirksamt Altona getragen wird, soll zur Steigerung der Sicherheit und Verbesserung der Aufenthaltsqualität im kleinen Flora-Park beigetragen werden.

Als wir gegen elf Uhr morgens zum Termin erscheinen, werden wir am Eingang unerwartet sehr freundlich begrüßt und direkt mit dem Problem in diesem kleinen Park konfrontiert: Ein junger Mann mit Undercut, etwa 20, schlendert auf einem leichten Umweg auf uns zu, fragt, ob er helfen könne. Ist dies der Organisator des Pressetermins? Auf einer Bank etwas weiter sitzt ein ‚Arbeitskollege‘ auf der Lehne, als gäbe es nichts besseres zu tun, als bei nieseligem Schmuddelwetter hier zu verweilen. „Nein, vielen herzlichen Dank“, entgegnen wir dem jungen Mann und gehen an ihm vorbei. Dreist war diese Ansprache schon, zumal wir sehr deutlich mit Kamera zu erkennen waren. Zu späterer Stunde heißt es meist „Hello, my Friend“. 20 dealende Personen pro Tag seien der Polizei in dem Park zwischen Roter Flora und Kletterbunker derzeit bekannt, erzählt uns wenig später der Leiter vom PK 16. Seit dem Frühjahr stellt die Polizei wieder mehr Aktivitäten im Revier (auch Schanzenpark, Ölmühle, Neuerkamp) fest, als im letzten Jahr (245 Betäubungsmittel-Straftaten von April-Oktober 2014) und bittet die Anwohner weiter um gezielte Hinweise unter Tel. 040 4 28 65 – 1610.

Die Pfanzaktion gliedert sich in jahrelange Anwohner-Maßnahmen und Bestrebungen ein, eine ungestörte und ungefährdete Nutzung des Parks durch die Stadtteilbewohner, insbesondere durch die Anlieger und Kinder zu verdeutlichen. Der kleine hochbelastete Stadtteilpark ist für die Freizeitgestaltung von Kindern, Jugendlichen und Anliegern des Viertels wichtig, aber leider häufiger Umschlagplatz für die Drogenszene. In den letzten Jahren habe sich die Lage insbesondere nach einem Schwerpunkteinsatz verbessert, berichtet die Polizei. Das „Gefahrengebiet“ als Maßnahme für Platzverweise und Schwerpunktkontrollen wurde im Oktober 2013 beendet, da man nach der massiven polizeilichen Präsenz einen deutlichen Rückgang verzeichnete. Zwischenzeitlich hatte auch der Stadtteilbeirat Sternschanze zusammen mit der sogenannten Sicherheitskonferenz des Bezirksamtes Altona eine Reihe von Freizeitmaßnahmen durchgeführt. Ein Zirkus im Sommer, Präsenz der ortsnahen Freiwilligen Feuerwehr, Kletteraktionen mit Kilimanschanzo oder eben die heutige Pflanzaktion tragen seitdem dazu bei, es Dealern im Park so unangenehm wie möglich zu machen. Das alles erfordere aber immer beständiges Engagement, berichtet Wolf Buchaly vom Stadtteilbeirat Sternschanze. Er hatte aus Haushaltsresten kurzfristig Mittel für eine abermalige Pflanzaktion durch Kinder in diesem Jahr beantragt.

Das Eintreffen von drei Schulklassen der Ganztagsgrundschule Altonaer Straße ist aus der Ferne nicht zu überhören. Jetzt merkt auch der junge Mann mit Untercut plötzlich, dass hier gleich etwas startet, was vorher nur am Auto des Altonaer Bauhofes und ein paar Presseleuten mit Fotokamera zu erkennen war. Doch statt sich zu verdrücken, fährt er mit einem Fahrrad auf und ab und sucht das Gespräch mit Begleitern. Ob die wissen, wer da gerade mit ihnen schwafelt, unklar.

Voller Aufregung pflanzen die Kinder unter Anleitung vom Grünamt und ihren Lehrern Blumenzwiebeln und kleine Bäumchen an mehreren Orten im Park. Mit ihren kleinen Schaufeln laufen sie wild durcheinander, schreien, kreischen, spielen. „Wir wollen hier spielen. Dies ist unser Park. Verp…. euch!“, will man sie rufen hören. Die Kinder sind da, im Gegensatz zu vielen Erwachsenen, diplomatischer. Sie sprechen heute durch die Blumen.

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