Hamburg / Altona. Spätestens seit Sommer 2014 ist klar: Es wird mit dem Umzug des Bahnhofs nach Diebsteich zu einer städtebaulich großen Lösung kommen. Vier Stadtteile aus Altona wachsen zusammen und in der ‚Mitte‘ entsteht ein neuer, dessen Name noch gefunden werden will, sagt der Oberbaudirektor. Die Stadt will das städtische Grundstück zurückerwerben, das sie einst für Bahnbetriebszwecke zur Verfügung stellte. Das „Jahrhundertprojekt“ ist die städtebaulich größte Chance für Altona – gleichzeitig will es mit besonderer Verantwortung auf allen Seiten geplant werden. Beitrag mit Kommentar.

Wenn es nach den Altonaer Architekten in den frühen Jahren des letzten Jahrhunderts ginge, würde die Mitte Altona wohl von einem “Volkswohlfahrtministerium” geplant. Siedlungsgesellschaften und Genossenschaften würden für die Masse der Bewohner eine Reihe nützlicher und günstiger Wohnbauten hochziehen – mit Licht und Grün für Familien mit Kindern. Die Bahngesellschaft, die Gelegenheit erkennen, sich mit einem repräsentativen Neubau des Bahnhofsgebäudes einen dauerhaften Platz im kommunalen Herzen der Stadt zu sichern. Brauereien mit 150 Jahren Tradition am Standort die Chance erkennen, Teil der Partie zu sein.

Viele Chancen liegen noch auf der Hand. Ein Teil des ersten Geländes ist an Baugemeinschaften, SAGA und Genossenschaften sowie private Eigentümer vergeben. Sie bauen den ersten Bauabschnitt nach weniger als fünf Jahren Vorplanung. Der nächste Schritt entscheidet sich mit dem angekündigten Umzug der Holsten-Brauerei. Bis zum Umzug des Bahnhofs Altona im Jahr 2023 ist noch Zeit. Bereits heute ist den Beteiligten klar, dass kein kurzfristiges Denken hilft, um ein Jahrhundertprojekt zu realisieren, dessen städtebaulichen Auswirkungen für die nächsten Jahrzehnte wegweisend in Altona sind.

Was kosten Grundstücke und weshalb, die Erschließung des neuen Gebietes? Welche verkehrlichen Auswirkungen hat das Wohngebiet, wie genau soll der neue Bahnhof aussehen, was passiert umliegenden Grundstücken, wird eine neue U-Bahn halten, die Stadt viel sozialen Wohnungsbau vorantreiben? An welchen Schulen sollen die jüngsten Bewohner unterrichtet werden, was wird aus dem jetzigen Bahnhof Altona, wie sieht die Energieversorgung für das Gebiet aus, wie autoarm, grün, inklusiv, hoch und familienfreundlich wird es? Fragen über Fragen.

EntwurfBahnhofAltona-neuDiebsteichDBNetzeBei der Vorstellung der neuen Bahnhofsplanungen am Diebsteich wurde klar, dass die Deutsche Bahn AG nicht so plant, wie sich Stadtentwickler dies vorstellen. Sechs Gleise mit Überdachtung – eine „Hundehütte“ entspreche in keinster Weise den örtlichen Vorstellung, artikulierten Bezirkspolitiker bei der Präsentation im Planungsausschuss. Vertreter der Bahn forderten, die Stadt solle bei gehobenen Ansprüchen doch bitte das Scheckbuch zur Verhandlung mitnehmen und gleichzeitig wirbt die Bahn mit repräsentativen Bahnhofsgebäuden auf Plakaten für den jetzigen „Einkaufsbahnhof“.

Ein weiteres Ärgernis ist der seit Jahren vakante, nun aber ohne jegliche öffentliche Kommunikation des Unternehmens preisgegebene Umzug der Holsten-Brauerei, die seit über einem Jahrhundert in Altona weilt. Wird das Grundstück in die Mitte-Altona-Planung eingebunden? In Verkehrsstudien zum Gebiet ist zudem die Rede von einer Entwicklung der Postflächen im nördlichen Umfeld. Hier könnten 1.000 weitere Wohnungen entstehen, notieren Planer in Unterlagen.

Nachdem die Stadt Hamburg – und damit ein öffentlicher Grundeigentümer – nun selbst in mit dem größten Grundstück in dem Gebiet agieren soll, kann Beteiligung von Bürgerinnen und Bürgern für den zweiten Bauabschnitt noch umfangreicher als bisher gestaltet werden. Am 18. November ist Spatenstich mit dem Ersten Bürgermeister für den ersten Bauabschnitt mit 1.600 Wohnungen, die 2017 stehen sollen. Tausende weitere sollen folgen. Jetzt wird es richtig spannend, in der Mitte Altona. Falls Sie noch nicht dabei waren, gestalten Sie jetzt mit!

2 KOMMENTARE / LESERBRIEFE

  1. Der offizielle Baubeginn wird publikumswirksam verkündet, aber der Bebauungsplan ist noch nicht verabschiedet und die Einsprüche gegen den Bebauungsplan noch nicht beantwortet. So werden die Beteiligungsrechte der Bürger mit den Füßen getreten zum Wohle der Investoren aus Cayman Islands und der Otto-Gruppe. die Verlegung des Bahnhofs Altona beraubt den Stadtteil seiner Mitte. 10.000 mehr Einwohner, aber der Bahnhof wird entfernt., ein Schnäppchen für die Bahn, die dafür über EUR 50 Mio kassiert und sich nicht an der überfälligen Sanierung des Lessingtunnels beteiligen muss. Für die Bürger ein Ärgernis, weil abgesehen von den Kosten der Aufbesserung der Verkehrsanbindung in Diebsteich, die natürlich der Steuerzahler bezahlen muss, sich die Reisezeiten im Fernverkehr ab Hamburg Altona um durchschnittlich 15-20 Minuten verlängern werden. Es gibt keinen Fernbahnhof in Deutschland der so ideal in den Stadtteil eingebettet und von allen akzeptiert ist wie der Altonaer Bahnhof……
    Der vom Oberbaudirektor und 1. Bürgermeister konstruierte Gegensatz Wohnbebauung vs. Bahnhof stimmt einfach nicht. Die 2. Phase der neuen Mitte Altona lässt sich bei Beibehaltung des Bahnhofsstandortes und einer Neuordnung des Gleisvorfeldes in gleichem Umfang realisieren. Daher:
    Altonaer kämpft für Euren Bahnhof. Unser Bahnhof bleibt in Altona!!!

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