Wetterbericht

In eigener Sache.

Stürmische Zeiten bei ALTONA.INFO!

Der Werbemarkt für journalistische Produkte liegt am Boden. Rabattschlachten und Schleichwerbung sind an der Tagesordnung in unserem Umfeld. Unsere Zeitung hat da noch nie mitgemacht, schließlich haben wir uns der Einhaltung des Pressekodex verpflichtet (und zahlen dafür sogar noch).

Nachdem unsere Lokalzeitung im letzten Jahr zwei sehr große lokale Werbekunden verloren hatte, war die finanzielle Grundlage akut gefährdet. Wir haben keine Verbindlichkeiten, Reserven sind jetzt aber weitgehend aufgebraucht.

Von einer Digitalisierung der Medien haben zwar viele Einzelhändler aus Altona bereits gehört, bisweilen jedoch wenig Kreation entwickelt. Faktisch lässt sich der lokale Markt leider zu seinem eigenen Schaden von Ketten, die massive Klickpräsenz in der digitalen Welt zeigen, Marktanteile abnehmen. Wir haben mehrere Initiativen gestartet, lokale Werbetreibende zu akquirieren. Leider fehlt manchmal auch die Mann- oder Frauenpower für ausgiebige Akquise und unsere Redaktion achtet schon immer auf eine konsequente Trennung der Aufgaben.

Besonders ärgerlich ist für uns, dass einer unserer größten Wettbewerber die Stadt Hamburg mit den Internetaktivitäten ihrer Behörden und Institutionen selbst ist. In unserem lokal-digitalen Markt befindet sich die FHH seit Jahren in Kooperation mit einem sehr großen Verlagsunternehmen. Die Verwaltungsinhalte werden diesem Dienstleister exklusiv zur Verfügung gestellt, damit er Werbekunden für die Refinanzierung einwerben kann. Der FHH entstehen dadurch zulasten des Marktes kaum Kosten für den Betrieb des eigenen Internetangebotes.

Die FHH schöpft damit aber nicht nur indirekt erhebliche Werbegelder ab sondern fällt zudem selbst als Anzeigenkunde weitgehend aus. In sechs Jahren haben wir keinen nennenswerten Werbeauftrag von der Stadt Hamburg oder ihren Behörden erhalten. Selbst Imagekampagnen zur Wahlbeteiligung gehen komplett an uns vorbei. Ein lokaler Theaterbetrieb sagte uns nach jahrelanger Bemühung im Frühjahr 2014 eine Anzeigenkampagne mit der Begründung ab, dass es günstiger sei, auf den Internetseiten der Stadt Hamburg zu werben.

Wiederholte Hinweise, zuletzt direkt an die Spitze des Senats, solche marktbeeinflussenden und aus unserer Sicht hinderlichen Kooperationen einzustellen, sind leider abweisend beantwortet worden. Einem kleinen Haus wie unserem steht es nicht frei, jahrelange Rechtsstreitigkeiten mit einer Kommune zu führen.

Notgedrungen, aber auch aus der langfristigen Überzeugung, dass Verbraucher für journalistische Leistungen zahlen sollten, starteten wir im Sommer 2014 ein Abomodell. Dieses trägt nun erste Früchte. Die nötige Anzahl an Abonnenten ist jedoch längst nicht gewonnen, um die fünfstelligen Umsatzverluste ausgleichen zu können. Um eine feste Stelle in der unteren Tarifklasse für Redakteure finanzieren zu können, wären etwa 1.000 Jahresabos notwendig. Davon sind wir noch ein gutes Stück weit entfernt.

Wir haben deshalb in den zurückliegenden Monaten probiert Großkunden und Paten zu gewinnen, die unsere Refinanzierung auf diesem Weg unterstützen. Verhandlungen hierzu laufen zwar noch, sind aber nicht besonders erfolgversprechend.

Der redaktionelle Betrieb kann derzeit leider nur sehr mühsam aufrechterhalten werden. ALTONA.INFO benötigt in dieser wichtigen Phase eigentlich Investitionsmittel, um noch mehr zahlende Leserinnen und Lesern zu begeistern. Wie soll das funktionieren? Durch den Verkauf von Anteilen an unserer Zeitung? Auch diese Gespräche müssen offenbar geführt werden, sofern keine anderen Finanzierungsmittel zur Verfügung stehen.

Die Idee einer unabhängigen digitalen Lokalzeitung für den Bezirk Hamburg-Altona will ich als Herausgeber gerne weiterverfolgen, stehe aber auch einem neuen operativen Team gerne zur Seite.

Soweit die Unwettervorhersage. Sobald sich die Lage bessert, hören Sie wieder.

Es grüßt herzlich!

Christoph Zeuch

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