Die Funke-Mediengruppe will mit vielen Titeln wachsen und nach Angaben "Das beste nationale Medienhaus werden" Quelle/Screenshot funkemedien.de

Hamburg / Essen. Die Medienkrise nimmt an Schärfe zu. Streik bei der Hamburger Morgenpost, Gruner + Jahr entlässt ganze Redaktionen – der Hamburger Journalistenverband DJV hat nach Aussagen sehr gut zu tun. Nun reiht sich auch die Belegschaft vom Hamburger Abendblatt in die Krise ein und fordert Investitionen.

Verkaufszahlen aus 2014 führten bei gedruckten Zeitungen abermals zu erheblichen Rückgängen, während die ePaper-Ausgaben allgemein anziehen. Das Szenario ist seit Jahren bekannt. Interessant dabei: Das Abendblatt konnte gegen den allgemeinen Trend sein Vorjahresergebnis (IVW Q4/13 zu Q4/14) halten, sogar leicht zulegen. Tageszeitungen in Deutschland allgemein büßten laut IVW im Jahresschnitt 5% ihrer verkauften Auflage ein.

Mit diesem Hauch von Rückenwind verfassten die Mitarbeiter vom Abendblatt einen “Brandbrief” an ihren neuen Gesellschafter. Letzte Entwicklungen: Die Funke-Gruppe (ehemals “WAZ”) aus Essen hatte 920 Mio. Euro, davon 260 Mio. Euro kreditfinanziert und für ein umfangreiches Zeitungs- und Zeitschriftenpaket, darunter HA, an Axel Springer (Berlin) bezahlt. Nachdem Funke direkt in die Kasse der neuen Konkurrenz in spe zahlte, reklamieren nun 167 Mitarbeiter vom Abendblatt (nicht alle) die titelbezogene Rendite aus ihrer Arbeit auch objektbezogen zu reinvestieren.

In dem Brief, den newsroom.de vollständig zitiert, weisen die Mitarbeiter von Hamburgs vielfach ausgezeichneter Zeitung darauf hin, dass ein Nichteintritt in die Tarifgemeinschaft schlechtere Konditionen für neue Mitarbeiter verursache. Es wurde bekannt, dass 14 Pauschalisten, d.h. freien Mitarbeitern, Verträge zu Februar gekündigt wurden. Die Funke Mediengruppe ging auf den Brandbrief auf Anfrage ein und verwies wie üblich darauf, dass “unsere Geschäftsführung den Kolleginnen und Kollegen, die den Brief unterzeichnet haben, direkt antworten wollen”, so Sprecher Tobias Korenke.

Die unterzeichnenden Mitarbeiter gehen auch auf die jüngste Konkurrenz in Hamburg ein, etwa Die ZEIT, die seit Mitte 2014 einen Lokalteil für den Hamburger Großraum produziert und auch die WELT / BILD-Gruppe aus Berlin. Die BAMS kündigte an, selbst einen Hamburg-Teil beilegen zu wollen, während Die WELT eine neue Mannschaft rekrutierte, die nun losgelöst von der ehemaligen Produktionsgemeinschaft mit dem Abendblatt für den Hamburger Raum produziert. Bald befinden sich die Redaktionen auch in unterschiedlichen Räumen.

“Mediensenator” Olaf Scholz (SPD) sieht, sollte er dieses Amt auch nach der Wahl weiter in Personalunion betreuen, erweiterte medienpolitische Aufgaben auf sich zukommen. Der Senat hat nach eigenen Angaben seit Monaten von den Ländern die Aufgabe zur Ausarbeitung eines neuen Staatsvertrages für elektronische Medien. Beobachter rechnen damit, dass die Politik wegbrechenden Arbeitsplätzen im Journalismus auf Dauer nicht mehr tatenlos zuschauen kann.

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