Altona / Nienstedten / Alt-Osdorf. Die städtische Wohnungsbaugesellschaft SAGA GWG investiert in Nienstedten / Alt-Osdorf in den Neubau, saniert den Bestand und verzichtet gleichzeitig auf eine Realisierung von gefördertem Wohnraum. Dabei sind gerade in diesem hochpreisigen Umfeld mit teuerster durchschnittlichen Wohnlage im Bezirk günstige Wohnungen Mangelware. Beitrag mit Kommentar.

Die SAGA GWG baut im „Arnimviertel“ 68 neue DG-Wohnungen. Zum Bestand des denkmalgeschützten Areals in direkter Nachbarschaft zur Hochkamp-Villensiedlung gehören bereits vor Ort 136 Geschosswohnungen, die außerdem noch modernisiert werden. Mieter, meist Familien mit Kindern, kritisierten bereits auferlegte Modernierungsmaßnahmen in einem eigenen Blog, die auch zu höheren Grundkosten bei etwas niedrigeren Nebenkosten führen sollen. Der Bau kam bereits ins Stocken, zumal sich einige Mieter geplante ‚Wohnqualitäten‘ nicht leisten können.

Eine energetische Gebäudesanierung umfasse eine Fassadensanierung mit Wärmedämm-Verbundsystem, die Erneuerung der Dacheindeckung, die Abdichtung des Kellermauerwerkes und die Erneuerung der Haustechnik. All diese Arbeiten würden auch in enger Abstimmung mit dem Denkmalschutzamt durchgeführt, so SAGA-Sprecher Michael Ahrens gegenüber ALTONA.INFO.

Sowohl für einen Neubau als auch für eine Sanierungsmaßnahme könnten entsprechende Sozialraum-Bindungen eingegangen bzw. verlängert werden. Eine Anfrage dieser Zeitung zu den Grundlagendaten bei der staatlichen Investitions- und Förderbank ergab, dass in den Jahren seit 2005 in Nienstedten keine einzige Sozialwohnung neu gebaut wurde. In Osdorf wurden seit 2005 insgesamt 71 Wohneinheiten, jedoch im nördlichen Teil Osdorfs gebaut. Alljährlich fällt ein wesentlich größerer Teil aus der Bindung. Im Wege der Modernisierungsförderung wurden in beiden Stadtteilen seit 2011 zwei (2) Wohnungen entsprechend umgebaut.

Die Maßnahme wirkt insbesondere auch auf die ortsübliche Vergleichsmiete durch. Neubauwohnungen sollen – das ergab eine Anfrage der SPD-Fraktion in der Bezirksversammlung Altona (Drucksache 20-0794) – zu Mietbeginn bei 11-12 Euro pro m² liegen. Die durchschnittliche Nettokaltmiete im Bestand des Altbaus betrage aktuell 8,85 Euro pro m², so eine weitere Auskunft der SAGA. Durch die Modernisierung werde sich der Preis um etwa 1,14 Euro je m² erhöhen. Falls Mieter auch ein neues Bad oder WC wollen, wird es noch teurer.

Eine Begründung für den Verzicht auf Bindungen im Rahmen von geförderten Wohnungsbau nennt das städtische Unternehmen gegenüber der anfragenden SPD-Fraktion aus der Bezirksversammlung Altona nicht. Man habe zwar die Erstellung von öffentlich geförderten Wohnungen geprüft, allerdings im „Ergebnis aus betriebsinternen Gründen verworfen“, heißt es. Weisungen seitens des Senats bestünden angeblich nicht und im Übrigen habe die SAGA von zugesagten jährlichen 1.000 Neubauwohnungen in Hamburg 2014 insgesamt 85% als öffentlich geförderte Bauten realisiert.

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Ein paar Häuser sind im Arnimviertel bereits ausgebaut, wie unschwer zu erkennen ist.


Kommentar

Prinzipiell ist an der Pflege im Bestand nicht viel auszusetzen. Weshalb allerdings ausgerechnet in einem Stadtteil und Umfeld mit sehr wenig sozialem Wohnraum die städtische Wohnungsbaugesellschaft keine Gelegenheit ergreift, entsprechende Wohnungen zu errichten bzw. Bindungen zu verlängern, gibt sozialpolitisch, wohnungsbaupolitisch und auch in Bezug auf die Wahrnehmung des Transparenzgebotes („betriebsinterne Gründe“) zu denken. Will man den privatwirtschaftlichen Wohnungsmarkt motivieren, renditeschwächere Wohnungen zu bauen, sollte doch wenigstens das kommunale Vorzeigeunternehmen mit gutem Beispiel vorangehen. Gerade dort, wo strukturelle Defizite bestehen. Davon abgesehen ist natürlich erstaulich, weshalb hier nicht wenigstens der sogenannte „Drittelmix“ Anwendung findet. Immerhin hat die Altonaer SPD das Thema selbst gelüftet.

 

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