Hamburg / Altona / Ottensen. Ausgerechnet zwei Tage vor der Hamburg-Wahl präsentierten Wohnungsbauunternehmen das, was in der Medienbranche als sogenannter “Scoop” bekannt ist. Im vorliegenden Fall geht es um den Bau von Sozialwohnungen, die im Auftrag der SAGA entstehen und von drei Projektentwicklern realisiert werden. Neben der Tatsache, dass damit dringend benötigter sozialer Wohnraum in Ottensen entstehen soll, gibt die Bekanntgabe so kurz vor der Bürgerschaftwahl zu denken.

Die gezielt präsentierte Information, die unsere Redaktion erst am Montag nach der Wahl und nur auf Anfrage erreichte, berichtet ohne Angabe eines Zeitplans über noch zu bauende 47 Sozialwohnungen auf dem Teilgrund eines noch abzureißenden Bunkers an der Behringstr 38 /40. “Die Quantum Immobilien AG und die Procom Invest GmbH werden gemeinsam mit der Richard Ditting GmbH & Co. KG und SAGA GWG 47 öffentlich geförderte Wohnungen auf der Fläche des ehemaligen Hochbunkers in der Behringstraße 38 und auf der daneben liegenden Parkplatzfläche Behringstraße 40 in Hamburg-Ottensen entwickeln und realisieren”, so die Mitteilung.

Richtig ist nach Informationen von ALTONA.INFO jedoch vielmehr, dass drei Entwickler das Bauverfahren im Auftrag übernehmen und es dann anschließend „schlüsselfertig an die SAGA übergeben“, d.h. „verkaufen“, bestätigt eine Sprecherin von Hamburgs stadteigener Wohnungsgesellschaft auf Anfrage. Weshalb dies keine Pressemitteilung der SAGA GWG war, zumal die Gesellschaft zu jedem Spatenstich und Bau eine entsprechende Mitteilung versendet, ist unklar. Unsere Frage danach, seit wann die SAGA GWG entsprechend plane, läuft ins Leere. Die Sprecherin verweigert die Auskunft darüber. Diese Entscheidung dazu sei jedoch kurzfristig gefallen.


47 Sozialwohnungen zu je 6,10 Euro/m²

Insgesamt sollen 3.550qm Wohnfläche für den öffentlich geförderten Wohnungsbau sowie rund 25 Stellplätze entstehen. Das Projekt werde zu 100 Prozent im ersten Förderweg errichtet und liege mit einer Miete von 6,10 Euro je qm “deutlich unter der aktuellen Durchschnittsmiete in Ottensen”, so die Pressemitteilung der Quantum AG. Bei der Planung und Realisierung der Wohnungen werde ein besonderes Augenmerk auf eine familienfreundliche Ausrichtung gelegt, heißt es mit Blick auf kalkulatorische 75qm Durchschnittsfläche pro Wohneinheit.

Bei einem Fototermin vor Ort ist eine Anwohnerin der Seniorenwohnanlage uninformiert und sagt, der Bunker vor ihrer Haustür würde nicht abgerissen. Die hier mal geplanten Wohnungen seien vom Tisch, meint sie. Über einen Neustart sei nichts bekannt und das Haus über neue Vorhaben nicht wie üblich am Schwarzen Brett informiert worden.

In jedem Fall dürfte – die für Mieterinnen und Mieter in Ottensen grundsätzlich erfreuliche – Nachricht dem Umstand der massiven Kritik und vielen Unterschriften gegen das Bauverfahren auf dem Zeiseparkplatz geschuldet sein. Anders ist kaum zu erklären, dass die Mitteilung von den Projektentwicklern Quantum und Procom ausgeht, die ursprünglich auf dem Gelände des Zeiseparkplatzes gleichviele Sozialwohnungen bauen wollten. Nun soll es trotz Anwohnerprotesten und einem voraussichtlichen Bürgerentscheid (einer direkten Abstimmung unter fast 200.000 Wahlberechtigten) zur Ansiedlung der weltgrößten Agenturgruppe WPP mit 800 Mitarbeitern kommen.

Projektentwickler Quantum hatte mit der SAGA in Altona bereits „Wohnen am Suttnerpark“ in der Max-Brauer-Allee realisiert (wir berichteten). Damals wurde eine gemeinsame Pressekonferenz veranstaltet und über das Joint-Venture mit u.a. 113 öffentlich geförderten Wohnungen berichtet. Unweit des jetzt geplanten Standortes, zu dem es keine weiteren Zeit- oder Kostenangaben gab, wird in diesen Wochen gerade das Wohnhaus der Bonner Wohnbau nebst Restfassade vom Hundertwassercafé fertiggestellt.

 

KOMMENTAR

Im Journalismus wird eine Bevorzugung einzelner Medien bzw. ein „Scoop“ als Verletzung der Pressefreiheit gewertet, kommt allerdings im politischen Geschäft immer wieder vor. Den Pressegesetzen zufolge haben zumindest öffentliche Stellen den Medien zeitgleich Informationen anzubieten.

Es mag jeder selbst beurteilen, wie hier Öffentlichkeitsarbeit von den Beteiligten so kurz vor einer Bürgerschaftswahl betrieben wird, insbesondere da ein öffentlicher Auftraggeber, d.h. ein Unternehmen der Daseinsfürsorge, die Realisierung ermöglicht und eine schlüsselfertige Abnahme zugesichert hat. Wer ist dann eigentlich der Bauherr?

Die bereits missliche Kommunikation geht offenbar weiter, obwohl unter dem Strich und in der Bewertung der Sache ein sinnvolles Bauverfahren mit gefördertem Wohnungsraum entsteht. Das ist eindeutig positiv zu loben, zumal es im Stadtteil Ottensen seit 2005 lediglich zehn Neubauvorhaben für sozialen Wohnungsraum gegeben hat. (cz)

4 KOMMENTARE / LESERBRIEFE

  1. > Bei einem Fototermin vor Ort ist eine Anwohnerin der Seniorenwohnanlage uninformiert

    Aha. Gute Quelle die man unbedingt in dem Artikel zitieren muss. Eine uninformierte Seniorin, die sagt es werde nicht abgrissen. Dabei laufen der Abriss und dessen Vorbereitung seit Wochen und Monaten fuer jedermann sichtbar. Also bitte hier keine Verschwoerungstheorien basteln. Pressemeldung, keine Pressemeldung … und in China ist der beruehmte Sack Reis umgefallen.

    • Von welcher sichtbaren Baustelle sprechen Sie? Zum Zeitpunkt des Berichtes gab es keinerlei Arbeiten. Aktuell? Und eine Anwohnerin ist natürlich eine Quelle, schließlich müssen vor Beginn der Bauarbeiten zum Abriss eines Bunkers die Nachbarn informiert werden. Sie verwechseln das Thema sicher mit dem Bunker Barner/Ecke Gaußstr.

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