In Lurup, Altonas einwohnerstärkstem Stadtteil, lag die Wahlbeteiligung bei lediglich 44,8 Prozent. Quelle / Kartenausschnitt Statistikamt Nord.

Hamburg. Die SPD Hamburg verhandelt mit den GRÜNEN über eine Koalitionsbildung. Am Donnerstag geht es in die zweite Runde. Erste Gespräche haben am Montag mit zweitägiger Unterbrechung begonnen. Aus Rathauskreisen heißt es, bis Ostern wolle man ein Vertragswerk präsentieren. Scholz dementierte Berichte über eine solche Timeline und das Regieren geht solange weiter – nach Artikel 37 der Hamburgischen Verfassung bleibt die bisherige Senatsmannschaft geschäftsführend bis zu einer Neuwahl im Amt. Die Bürgerschaft ist binnen drei Wochen nach dem 15. Februar zu konstituieren – am 2. März wird mit der ersten Sitzung gerechnet, berichtet die parlamentarische Verwaltung.

Nach dem ‘Scherbenhaufen’ und der krachenden Niederlage der CDU Hamburg flogen die Fetzen. Der bisherige Landesvorsitzende Marcus Weinberg, auch Bundestagsabgeordneter aus Altona und der bisherige Fraktionsvorsitzende Dietrich Wersich, stellten ihre Ämter zur Verfügung. André Trepoll folgt nach einer Wahl am Mittwochabend auf Wersich, der seine Kandidatur unterstützte. Für den Landesvorsitz wollen bisher der Eimsbütteler MdB Rüdiger Kruse und der letzte Europa-Kandidat der CDU, Robert Heintze, kandidieren. Für die Aufarbeitung der Wahlniederlage nahm sich die Partei wenig Zeit. Sehr schnell forderten einzelne CDU-Vertreter zunächst einen Rechtsruck der Partei. Ein Hamburger Boulevardblatt beschimpfte entgegen jeder journalistischen Ethik den Spitzenkandidaten in einer Hetzkampagne mehrfach als “Versager” und beleidigte ihn ferner als Dietrich “Wirrsich”. Die ehemalige Hamburger Volkspartei fuhr mit 15,9% ihr schlechtestes Ergebnis seit 1949 überhaupt ein. Wahlbeobachter sahen eine programmatische Nähe zu Spitzenkandidat Olaf Scholz (SPD).

Das Statistikamt Nord legte eine kleine Wahlanalyse (“Schlaglichter”) mit den wichtigsten Divergenzen vor. Eine weiter gesunkene Wahlbeteiligung bzw. entsprechendes Nichtwähler-Verhalten, sei insbesondere in Wohngebieten mit durchschnittlich geringeren Einkommen zu verzeichnen. In diesen Gebieten – etwa in Lurup (44,8%), enthielten sich die meisten Hamburgerinnen und Hamburger. Nienstedten, der Stadtteil mit höchsten durchschnittlichen jährlichen pro Kopf-Einkommen (etwa 140.000 Tds. Euro) lag dagegen bei 75,8%. Der Bezirk Altona verzeichnete mit über 60% dennoch eine überdurchschnittlich hohe Wahlbeteiligung im Verhältnis zu anderen Bezirken. Für die Briefwahl entschieden sich fast unverändert 17,6% der Wähler, ungültige Stimmzettel verbleiben unverändert bei rund 3%, LINKE, GRÜNE und FDP konnten zulegen. Die AFD erstmals einziehen.

“Die Wählerinnen und Wähler machen in erheblichem Umfang von der Möglichkeit Gebrauch, einzelne Kandidatinnen und Kandidaten zu unterstützen. Insgesamt werden 53 Prozent aller Stimmen für die Landeslisten als Listenstimmen und 47 Prozent als Personenstimmen genutzt. Diese Verteilung hat sich gegenüber der Bürgerschaftswahl 2011 nicht verändert”, so das Landesamt für Statistik. Eine besondere Auffälligkeit sei, das insbesondere SPD-Wähler von der Möglichkeit Gebrauch machten (57,8) aller Listenstimmen waren Personenstimmen. CDU, FDP (je ca. 44%), GRÜNE und LINKE (ca. 36%). Die GRÜNEN konnten insbesondere in Altona ihren stärksten Wahlkreis verbuchen und gewannen hier auch das erste Direktmandat. LINKE im Altonaer Kerngebiet ebenfalls Zuwächse, während die SPD in einzelnen Stadtteilen empfindliche Verluste Verluste verkraften musste. Der FDP gelang es im Wahlkreis Blankenese bemerkenswerte 13,7% der Stimmen zu holen.
27.000 junge Hamburginnen und Hamburger im Alter von 16 und 17 Jahren nahmen bei dieser Wahl erstmalig teil. Das Landesamt ermittelte unter den 16 bis 34-Jährigen  Jahren stellen nun 29 Prozent der Wahlberechtigten (18- bis 34-Jährige bei der Bürgerschaftswahl 2011: 27 Prozent), die 35- bis 59-Jährigen 41 Prozent (Vorwahl: 42 Prozent), und elf Prozent sind im Alter von 60 bis 69 Jahren (Vorwahl: 13 Prozent). Weitere 19 Prozent entfallen auf die Menschen im Alter von 70 und mehr Jahren (Vorwahl: 18 Prozent).

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