Hamburg / Berlin. Das Rennen in der Vorauswahl zwischen Berlin und Hamburg entschied die Hansestadt für sich, wie der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) am Montagabend bekannt gab. Nach einem Jahr Zeit und zwei Umfragen in beiden Städten sei die Abstimmung mehrheitlich zugunsten von Hamburg ausgefallen.

„Hamburg bietet ein faszinierendes Olympiakonzept. Die Stadt passt genau zur Reformagenda 2020 des IOC“, sagte DOSB-Präsident Hörmann in seiner Begründung. Am 21. März falle die endgültige Entscheidung dann auf der Mitgliederversammlung.

Der Hamburger Senat feiert die Entscheidung: „Es wäre eine große Sache, wenn Deutschland zum ersten Mal nach den Spielen von 1972 wieder Olympische Spiele ausrichten dürfte. Sport schweißt zusammen, Sport löst Begeisterung aus. Aber nicht nur der deutsche Sport, ganz Deutschland würde von der Ausrichtung Olympischer und Paralympischer Spiele einen großen Nutzen haben. Das Hamburger Konzept für Spiele an Alster und Elbe ist sehr kompakt, es ist transparent, und es ist bürgernah. Das entspricht den Anforderungen, die das IOC formuliert hat. Für uns wäre es eine große Ehre, die Welt in Hamburg begrüßen zu können“, so der Erste Bürgermeister Olaf Scholz.

Neben Hamburg stehen bereits Rom für Italien und Boston für die USA für eine Bewerbung um den Austragungsort 2024 in den Startlöchern.

 


Ergänzung nach Landespressekonferenz am 17.03.

Bei der LPK stellten Innen- und Sportsenator Neumann und der Staatsrat der Senatskanzlei Dr. Christoph Krupp Details zu den weiteren Abläufen vor. Wichtigste legislative Maßnahme ist die Vorbereitung eines Referendums, einer Abstimmung der wahlberechtigten Hamburger Bürgerinnen und Bürger im Herbst 2015 über Olympia in der Stadt. Eigens dafür soll auch die Verfassung geändert werden, die bislang Volksentscheide als direktdemokratische Beteiligung der Wählerinnen und Wähler an Sachfragen vorsieht.

Auf die Frage eines Journalisten, ob bis dahin auch alle finanziellen Fragen zur Haushaltsbelastung geklärt seien, gab der Senat allerdings ausweichende Antworten. „Wir nennen derzeit nicht eine Zahl“, berichtete Staatsrat Krupp. Jeden Wert zu ermitteln koste schließlich auch wieder Geld. Im weiteren Verlauf wurden dennoch Näherungswerte bekannt. 50 Mio. Euro sind in etwa für die Werbung vorgesehen, wovon 25 Mio. durch eine Zusage der Handelskammer refinanziert würden. Kosten für die Sicherheit, in London etwa 1 Mrd. Euro, werde die FHH mit dem Bundesinnenminister abklären, schließlich sei dies eine nationale Frage.

Investitionen, etwa in den Bau von Gebäuden oder in den Verkehr, plane man nicht ausschließlich der Kostenstelle „Olympia“ zu belasten. Bei allen Planungen würden sowohl das sog. „kostenstabile Bauen“ als auch ein Risikomanagement berücksichtigt, so Krupp und Neumann. Letzterer betonte: „Wir wollen keinen neuen Beauty-Contest, sondern so planen, dass das dann die Bürgerinnen und Bürger akzeptieren.“ Im Sommer 2015 soll noch eine detailliertere Rechnung öffentlich vorgestellt werden.

Ein nächster Schritt ist nun die Ausgründung einer Organisationssgesellschaft, an der die Stadt Hamburg einen Minderheitsanteil halten soll, während der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) als Vertragspartner des IOC Hauptgesellschafter werde. Vergaben nach Ausschreibungsrichtlinien seien bereits zu zwei Masterplänen (Verkehr und Olympic City) in die Wege geleitet. Auch für die Werbung wird bereits gesucht.

Die Vorstellung vor den Gremien des DOSB sei als 15minütige Präsentation erfolgt, berichtete der Sportsenator, der allen Beteiligten dankte. Die Frage, wer Chef der Organisationsgesellschaft werde, sei nun auch Gegenstand der laufenden Koalitionsverhandlungen zwischen SPD und GRÜNE. Wichtig sei jetzt, die gesamte Bundesrepublik für Olympia in Hamburg zu begeistern. Nur mit diesem Rückenwind könne sich die Stadt im internationalen Wettbewerb auch wirklich durchsetzen. „Wir wollen beweisen, dass Demokratie Olympia kann und Olympia auch Demokratie“, so Sport- und Innensenator Neumann in einem Schlusswort.

Ein Kommentar zum Thema.

Bild: Architekten von Gerkan, Marg und Partner (gmp), Büro Gärtner und Christ

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