Hamburg, wieder mal Politik. Haben Sie schon einen Businessplan geschrieben? Eine Erkenntnis ist: Nach anderthalb Jahren weicht die Planung ab. Nach drei Jahren liegt man etwa 50 Prozent daneben. Die aktuelle Legislatur dauert fünf statt vormals vier Jahre.

Entsprechend ist der Koalitionsvertrag zu betrachten. ‘Schreib-auf-what-you-can’, würde Bill Clinton sagen. Zu lesen ist in Hamburger Medien über ‚Grüne Tupfer‘ auf dem Teppich im Hamburger Rathaus. Viel wichtiger ist der Blick auf die strukturellen Themen der Sozialdemokraten, die 2011 noch recht progressiv antraten. Verbände pflücken Einzelthemen nur einen Tag nach der Verkündung auseinander.

Olaf Scholz weiß sicher weshalb. Seine Partei hat sehr tief gestapelt bei den Ankündigungen, frei nach dem Motto: Wer fast nichts verspricht, muss auch keine Versprechen brechen – Kluge Marketingstrategie, die Journalie beschränkt sich dadurch im Wahlkampf automatisch auf Personenkult. Kritiker nennen das ‘visionslos’, andere ‘vernünftig’. Unterm Strich wirkt der Koalitionsvertrag zu einem guten Teil wie aufgeschriebene Gegenwartspolitik. Bei Tempo 50 fahren wir nun im vierten Gang durch die Stadt. Das spart Sprit. Und auch in S-Bahn und Bussen bleibt es weiter kuschelig.

Etwa 25 Mrd. Euro Verschuldung, eine Olympiade in Spe, die HSH-Nordbank mit unbezifferbaren Risiken… was würden Sie machen? Die Ausgaben erhöhen? Generationenkonflikt. Umverteilung? Zu links oder einfach nur sozialdemokratisch?

Recht nüchtern-hanseatisch kommt nun der rot-grüne Plan daher. Etwas investieren, nicht viel versprechen, Überraschungen zulassen, nicht übertreiben. “Macht mal los, aber flott”, ist das, was man dem Senat jetzt zurufen will. Zwei Monate wurde verhandelt und weitere Zeit zuvor ‚verwahlkampft‘.

Wie lange die Ehe zwischen Rot-Grün funktioniert werden wir sehen. Zu verlieren ist wenig und zur Not bleibt noch die Patchwork-Family in der Bürgerschaft. Die offene Beziehung. Der Durchmarsch auf Themenbasis ohne Gesichtsverlust. Wechselnde Mehrheiten.

Eine Vision für die Halbzeit? Vielleicht kommt auch ein neuer Vertrag. Liebe Leserinnen und Leser: Schreiben Sie alle mit am Businessplan, denn die Wahrheit ist, er ändert sich ständig.

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